Unterhaltung

"Ich bin ein Star, holt mich hier raus" Wenn Rotzgören fast kotzen

100216913.jpg

Die Reis-Verweigerin Angelina Heger (r.) zeigt sich uneinsichtig und leidet unter den Augen von Maren Gilzer Höllenqualen.

(Foto: RTL)

Tag 7: Halbzeit. Walter humpelt mit Gammelfleisch durch den Busch, die Camper lamentieren über ihre Gagen. Es herrscht Fieberwahn. Aurelio sieht sich als Entertainer, Angelinas Stammhirn liegt auf ihrem Teller. Sie hält es für Reis. Ist sie noch zu retten?

Wie sagte Kiefer Sutherland als Vampir David in "The Lost Boys" zur Nahrungsgrundlage der Asiaten: "Eine Milliarde Chinesen können sich nicht irren". Aber ein "kleines verzogenes Rotzgör" sieht das etwas anders und sorgt damit für Empörung: "Reis schmeckt wie Kotze", ätzt Angelina über die dürftigen Mahlzeiten im Camp und verschenkt, vor allem mit der Art wie sie es sagt, Sympathiepunkte.

Dann gleich der nächste Aufreger: Aurelio reicht dem Nörgelkeks einen Napf mit Reis und bettelt sie beinahe an, wenigstens einen klitzekleinen Löffel von dem "widerlichen Zeug" zu probieren. Bei dem sensiblen IBES-Zuschauer regt sich erstmals vermehrte Speichelproduktion. Wenig später: Schaum vorm Mund. Er ist infiziert. Vom Wutvirus und dem Wunsch, der Quengeltante den Reis persönlich in ihren infantil-großkotzigen Rand zu stopfen.

Tageswertung

Held des Tages: Jörn, der die "Entertainer" tapfer erträgt

Held der Tages 2: Benjamin, weil er kurz mal gegen Angelina aufmuckt

Diva des Tages: Madame Heger

Erkenntnis des Tages: Eine Milliarde Chinesen können doch irren

Vollkommen unsichtbar: Iffi

Zur nächsten Prüfung müssen: Angelina und Walter

Doch die Reis-Verweigerin, herrlich divenhaft, zeigt sich uneinsichtig und leidet Höllenqualen: "Aber bitte nur einen Löffel", mosert sie wie ein Kind, das seine Medizin nicht schlucken will und führt angewidert den Löffel zum Mund. "Das ist ja für dich wie eine Dschungelprüfung!", versucht Jörn ihr noch gut zuzureden. Und das ist auch so eine unangenehme Sache, die einen fuchtig macht und zeigt, dass RTL mit seiner Kandidatenauswahl in diesem Jahr kein glückliches Händchen hatte. Keiner sagt dem verzogenen Gör, dass es mal den Ball flach halten soll, nein, alles geschieht frei nach der Devise, bloß nicht anecken, immer schön aus allem raushalten.

Die Sache mit der Gage

Denken Sie, dass Sie angemessen verdienen? Falls nicht, haben Sie gelernt, auch mit wenig Lohn auszukommen? Das Rätsel in der Truhe befasst sich nämlich an Tag 7 mit dem durchschnittlichen Nettoeinkommen der Deutschen. Die richtige Antwort lautet: 1715 Euro - Ein Lohn, der für die unter den extremen Strapazen des Dschungels leidenden Promis nicht mehr als ein schlechter Witz ist. "Für 20.000 Euro hätte ich nicht mal meine halbe Arschbacke hierhin geschickt", flötet Aurelio.

100216900.jpg

Frösche im Kühlschrank: Kandidat Walter stöbert in "Teufels Küche".

(Foto: RTL)

Was folgt, sind Gespräche über die jeweiligen Lohntüten der Camper. Dass ein paar Hansels, die zuvor durch diverse TV-Formate gehopst sind, über eine angemessene und ihnen selbstverständlich zustehende Entlohnung philosophieren, grenzt an Idiotie. Sie bezeichnen sich als Entertainer - also wie Harald Schmidt einer ist, oder Götz Alsmann oder wie es der geniale Rudi Carell war.

Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass heute Abend der große Entertainer Antonio de la Gähn durch die Sendung führen wird. Sie werden ihn zwar kaum sehen und hören, aber er ist auf jeden Fall da, irgendwo versteckt im Busch, schnarchend in seiner Hängematte.

"Kellnern? Ooohhhr neeee! Geht gar nich'!"

Ein Problem dieser Langweiler ist, dass sie sich maßlos selbst überschätzen und es legitim finden, zu sagen, dass sie für 20.000 Euro in zwei Wochen keinen Finger krumm machen würden. Dass die Knallchargen so unterhaltend sind wie ein tropfender Wasserhahn, würden sie merken, wenn in ihren Köpfen mehr wäre als eine verrostete Drehscheibe mit der Aufschrift: Ich und mein Ego.

Tanja könnte sich niemals vorstellen zu kellnern. "Davon kann doch keiner leben", krakeelt sie. "Krankenschwester und so, Bauarbeiter, höchster Respekt, aber nee, klar, dass wir mehr verdienen, so mit TV-Formaten, weiß'was ich mein? Wir machen Show, weiß'was ich mein?"

Schließlich schießt Schnarchnase Angelina den Vogel ab, als sie fragt, wie lange sie noch im Camp bleiben muss, um nicht 50 Prozent der Gage zu verlieren. Sie ist nämlich "echt fertig" von dem ganzen Stress, das ständige Rumliegen in der Hängematte hat sie erledigt. Und obendrein ist sie auch noch viel zu jung für so eine Backpacker-Erfahrung mit Lagerfeuer und 45.000 Euro Gage. Dann lieber für Asche blankziehen, das ist weniger anstrengend.

Was sonst noch geschah

In Anbetracht dessen findet man von Oberindianer Walter richtig gut, dass er in seiner "Actionprüfung" nur einen Stern ergattert hat. Mit dem Tempo einer Sumpfschnecke transportiert er Gammelfleisch von A nach B. Und bekam nichts richtig gebacken. Dafür redete er viel, ohne wirklich etwas zu sagen.

Nur einer schafft es, zu überzeugen: Rolfe, der von seinen toten Eltern erzählt und dafür sorgt, dass der Kamm des Zuschauers langsam abschwillt. Ehrliche Gefühle, keine gespielte Schluchzerei, kein Schwadronieren. Das tut gut jetzt.

Doch keine Sorge: Rache für alle Erzürnten gibt es an Tag 8. Madame Heger muss zur Dschungelprüfung. Irgendwas mit vergammeltem Reis wäre doch wirklich zu schön.

Tag 6 im Dschungel: "Chakalaka, es krabbelt im Po"
Tag 5 im Dschungel: "Tatütata der Präsident"
Tag 4 im Dschungel: "Pimmel raus und alles"
Tag 3 im Dschungel: Eine geballte Krankheit namens Walter
Tag 2 im Dschungel: Heimweh, Hashtags und die Sara-Kulka-Diät
Tag 1 im Dschungel: Schlüpfer-Schnüffler und Kotzfrucht-Schlürfer

Quelle: n-tv.de