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"Stranger Things" auf Netflix Winona Ryder packt die Axt aus

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"Stranger Things" liefert Mystery in Retro-Optik.

(Foto: Netflix)

Früher war Grusel irgendwie harmloser. So muss sich der Zuschauer denn auch bei "Stranger Things" nicht unterm Bett verkriechen. Die neue Mystery-Serie auf Netflix lockt mit 80er-Charme, einer unbehaglichen Gegenwelt und einer brillanten Winona Ryder.

Manche Dinge kann man einfach nicht erklären. Man kann sie suchen, finden, fürchten und erforschen. Ganz verstehen kann man sie nicht und das ist auch in Ordnung so. Genau diese Dinge sind es schließlich, die Stoff liefern für Mystery-Geschichten. Die Netflix-Serie "Stranger Things" erzählt so eine.

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Auf dem Heimweg vom "Dungeons & Dragons"-Spiel verschwindet Will Beyers, ein kleiner Junge. Es ist 1983, im Radio läuft "I Melt with You" von Modern English, man telefoniert mit Schnur und versteht über den ganzen Vorfall die Welt nicht mehr. Es dauert eine Weile, bis die Beteiligten, Familie, Freunde, Polizei, bemerken, dass es sich hier vielleicht nicht einfach um einen gewöhnlichen Kriminalfall handeln könnte. Es ist irgendwie mehr, irgendwie unglaublich und ziemlich sicher nicht von dieser Welt.

Comeback-Rolle Ryder

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Winona Ryder ist als Joyce Beyers bereit, bis ans Äußerste zu gehen.

(Foto: Netflix)

Wills Mutter Joyce fühlt es als erstes. Ihr geht da im wahrsten Sinne des Wortes das ein oder andere Licht auf. Für Winona Ryder ist es eine großartige Comeback-Rolle. Sie gibt die Rabenmutter mit dem allergrößten Herz für ihre beiden Söhne, die Irre, die als einzige versteht, weil sie sich aufs Fühlen verlässt, die Aufgelöste, die Fels sein kann. Sie schreit, weint und kauert lauert dem Bösen schließlich mit der Axt auf - es ist großartig.

Doch wer hätte das gedacht: Zwar zieht Ryders Name das Publikum an, was es hält, sind jedoch vor allem die jungen Darsteller, Wills Freunde, deren Geschwister, ein seltsames Mädchen mit kurzgeschorenen Haaren. Ohne sie alle wäre das Format undenkbar gewesen. Insbesondere die gerade mal 12-jährlige Millie Bobby Brown - besagtes Kurzhaargeschöpf - würgt dem Zuschauer ohne viele Worte, nur mit eindringlichem Blick die Gedärme.

Aneignung der Sonderbarkeit

Es sind nicht etwa die Gruselszenen, mit denen "Stranger Things" überzeugt. Glibbrige Viecher, hektische Schreie, man kennt das, man ist da abgestumpft. Wäre Ryders Spiel nicht so ergreifend, das Übernatürliche könnte gar zum Witz verkommen. In ihren besten Momente ist die Serie sensibles Familiendrama, bodenständige Coming-of-Age-Erzählung und vor allem mitreißendes Buddy-Movie.

Seinen unwirklichen Zauber entfaltet "Stranger Things" nicht erst in der Gegenwelt, sondern bei Tisch, auf dem Schulweg oder im Geheimversteck. Wo die Erwachsenen blind an der Realität vorbeistarren, eignen sich die Kinder deren Sonderbarkeiten an. Sie glauben nicht nur an das Unfassbare, sondern auch an echte Freundschaft. Das mag jetzt etwas pathetisch klingen, aber es guckt sich wirklich heldenhaft.

"Stranger Things" ist abrufbar über Netflix.

Quelle: n-tv.de

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