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David-Bowie-Ausstellung in Berlin Wir sind dann Helden

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Der Mann der 1000 Kostüme.

(Foto: dpa)

Es gibt nur ganz wenige Menschen, die David Bowie nicht mögen. Vielleicht sollten gerade sie in die Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau gehen, denn was dort auf die Beine gestellt wurde, ist wirklich großartig.

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SEINE Schlüssel!!

(Foto: Sabine Oelmann )

Ich hätte 1978 auf meine Freundin K. hören sollen. Die wollte David Bowie vor seinem Konzert auflauern, wenn er da ganz alleine zum Beispiel seine Schöneberger Wohnung in Richtung Deutschlandhalle verlassen würde. Vielleicht hat er da aber auch im Hotel Kempinski gewohnt, während der Tour, und dann hätte man ihn auf den Kurfürstendamm treten sehen können. Ich wollte irgendwie nicht. Ich fand Groupietum damals total bescheuert, denn mir war klar, dass ich den Stars eines Tages auf eine andere Art nahekommen würde.

Vielleicht war ich mit 14 aber auch nur zu blöd, meine Eltern anzulügen, die hätten die Idee auch nur so semi-intelligent gefunden, wenn ich die Nacht auf Westberlins Flaniermeile verbracht hätte. Vielleicht hatte ich Angst, mich in Widersprüche zu verwickeln, wenn ich schon wieder was vom Pferd erzählen würde. Damals erzählte ich eine Menge Geschichten, wo ich so gerade gewesen war oder hätte sein können ...

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Der Außenminister schwelgt in Erinnerungen.

(Foto: dpa)

Naja, Schwamm drüber. Zur gleichen Zeit ungefähr - und davon hatte ich nun wirklich überhaupt keine Ahnung - war ein gewisser Fränkie auch ein glühend heißer Verehrer des blassen Briten mit der zunehmend exzentrischen Kleidung. Er erlebte gerade seine ganz persönliche Bowie-Geschichte, wie Millionen anderer Menschen auf der Welt auch. Nur, dass die später nicht Außenminister von Deutschland wurden und Reden auf der Vernissage halten durften, auf der man eigentlich lieber mit dem Erscheinen des Thin White Duke persönlich gerechnet hätte. Aber: Der Frank-Walter Steinmeier hat das sehr schön gemacht bei der David-Bowie-Vernissage in Berlin, irgendwie authentisch.

Als Geburtsjahrgang 1956 sei er "sozusagen mit Bowie aufgewachsen", so der Außenminister. "Seine Platten und Filme haben uns grenzenlos fasziniert," ließ er das erlesene Publikum zwischen "Anzug mit Krawatte" und "Major Tom" wissen.

Put your helmet on!

Als Lieblings-Song nannte der SPD-Politiker "Heroes" - ein Lied, das Bowie während seiner Berliner Jahre 1977 in den legendären Hansa-Studios aufnahm. Steinmeier: "Wenn Berlin einen Soundtrack hat, dann ist diese Platte ohne Zweifel für mich der Titelsong." Naja, der Frank ist 10 Jahre älter, mein Lieblingssong ist "Space Oddity" - und da muss man jetzt nicht mehr reindeuten als unbedingt nötig, auch wenn der Song noch älter ist als "Heroes". Ist einfach cool.

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Die Autorin schwelgt auch in Erinnerungen.

(Foto: Sabine Oelmann)

Zurück zur Ausstellungseröffnung: Warum nun Ben Becker auch noch auf der Vernissage quatschen musste und seine Erlebnisse mit Martin Kippenberger an der "Dschungel"-Tür in der Nürnbergerstraße und anderen Berliner Nachtgewächsen zum Besten geben durfte - keine Ahnung. Es kam auch Unruhe im Martin-Gropius-Bau auf, dem genialen Ort des Geschehens, wo auch gerade Ai Weiwei noch bis zum 7. Juli seine weltweit größte Einzelausstellung zeigt.

Und ja, man weiß, der Ben war als sehr junger Mann schon in dem Club, in den auch Bowie gerne ging und eigentlich hätte er noch gar nicht reingedurft. Also ich hab' da weder den einen noch den anderen gesehen. Was nichts bedeuten muss. Vielleicht war ich einfach zu spät da? Oder zu früh? Lag ich vielleicht schon zu Hause im Bettchen, wenn die Party da erst losging? Man weiß es nicht. Jedenfalls habe ich Ben Becker nun gesehen und David Bowie immer noch nicht. Shit happens.

Sehen, hören, staunen

Ach ja, was ich eigentlich erzählen wollte: Dolle Ausstellung! Hingehen! Mehr als 300 handschriftliche Texte, Originalkostüme, Fotografien, Filme und Musikvideos von ihm sind zu sehen. Ein besonderer Teil widmet sich Bowies Zeit (1976 bis 1978) in Berlin.

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David Bowie - ein Gesamtkunstwerk.

(Foto: Sabine Oelmann)

Der 67-jährige Künstler Bowie "hat in dieser wechselhaften Welt immer zu uns gehalten", ließ der Londoner Museumsdirektor Martin Roth noch verlauten. In Roth' Victoria and Albert Museum in London hatte die Schau mit mehr als 300.000 Besuchern im vergangenen Jahr alle Rekorde gebrochen. Wirklich aufsehenerregend neben den Schätzen aus Bowies Privatarchiv ist auch die multimediale Inszenierung der Ausstellung: Über ein ausgeklügeltes Sendesystem spielt der Audioguide dem Besucher immer gerade die Musik, den Clip, den Sendungsmitschnitt ein, der zum jeweiligen Ort in der Schau passt.

Die Berliner jedenfalls sind ganz aus dem Häuschen, zu Recht, und die britische Kuratorin Victoria Broackes gießt noch ein Kännchen Öl ins Feuer: Hier habe der Künstler seine glücklichste Zeit verlebt. In der besonderen Atmosphäre der Mauerstadt habe er seine Drogensucht besiegt und zu beispielloser Kreativität gefunden. "Hier ist es ihm gelungen, seine Dämonen zu vertreiben."

Ich bin jung ...

Wie ihm das gelungen ist - wo die meisten Menschen doch finden, dass es eine recht hohe Dämonendichte in der Hauptstadt gibt - das hätte man ihn wirklich gerne gefragt, den Herrn Bowie. Aber gut, ich kann warten. Vielleicht kommt er ja zur Finissage ...

Quelle: n-tv.de

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