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Ganz große Gefühle Warum die Liebe nicht alles sein sollte

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Gefühle zu haben und zu äußern, ist keine Schwäche.

(Foto: dpa)

Scham und Angst, Trauer und Verzweiflung, Liebe und Glück - Gefühle bestimmen alle Facetten unseres Handelns und sind uns doch seltsam unvertraut. Doch wer die schönen ebenso wie die verdrängten annimmt und kennenlernt, lebt besser.

In kaum einer Jahreszeit ist so viel von Gefühlen die Rede wie in der Vorweihnachtszeit. Allerorten kommt die Sprache auf die Liebe und damit scheint das ABC der Gefühle auch bei den meisten schon zu Ende zu sein. Die Therapeuten und Buchautoren Udo Baer und Gabriele Frick-Baer widmen sich seit Jahren dem komplexen Gefühlsleben der Menschen und unternehmen nun einen neuen Versuch, es aus der "Lächerlichkeits- oder Schmuddelecke" zu holen.

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Das Buch ist bei Beltz erschienen und kostet 22,95 Euro

Dabei schreiben die Autoren nicht nur über die "dramatischen Spitzen unseres Erlebens", sondern auch über das unscheinbare, fast unbewusste Fühlen, das die Menschen immer begleitet. "Gefühle verändern den Atem und das vegetative Nervensystem und rufen Veränderungen im gesamten Körper hervor", betonen sie. "Das große Buch der Gefühle" soll Scham und Angst, Jähzorn und Trauer, Langeweile und Neid und viele weitere neu vorstellen. Wie fühlt sich das an? Und vor allem: Welchen Sinn und Nutzen hat jedes dieser Gefühle für den Menschen? Das sind die Fragen, auf die es auf über 350 Seiten erstaunlich klare Antworten gibt.

Denn auch wenn sich Gefühle der Logik des Verstandes entziehen und eher "zickig in Bezug auf vernünftige Erklärungen" reagieren, so sind sie es doch, die Menschen in Bewegung setzen oder blockieren. Deshalb seien Gefühle niemals grund- oder sinnlos. Ihre Berechtigung liege darin, den Menschen auf eine Spur zu führen. So könne man sich selbst und seine eigene Lebenswelt umfassender erkennen und ernst nehmen.

Spazieren in der eigenen Gefühlslandschaft

Baer und Frick-Baer verweisen immer wieder auf Beispiele aus ihrem therapeutischen Alltag. Vor allem aber werben sie für eine nachsichtige Wahrnehmung der eigenen Gefühle, ermutigen, dem Zorn, der Wut oder auch dem Mitgefühl Raum zu geben. "Gefühle sind auf vielfältige Weise miteinander verwoben und verflochten." Diese Tatsache sei immer wieder für Überraschungen gut. Lässt man den Blick auf die Gefühle zu, bildeten sie regelrechte Landschaften, in die man geradezu Entdeckungsreisen unternehmen könne.

Allein der Liebe widmen die Autoren beinahe 20 Seiten. Dabei beschränken sie sich schon auf die Liebe zwischen zwei Partnern und lassen damit die Eltern- und Kindesliebe ebenso außen vor, wie die Liebe zur Natur, zur Musik oder auch die Selbstliebe. "Die Liebe ist verrückt und selbstverständlich zugleich." Das allerdings macht sie nicht gerade unkompliziert. Doch jenseits mancher "Weisheit" über die Liebe, die Baer und Frick-Baer eher als Killerphrasen entlarven, schreiben sie auch viel Ermutigendes. "Die Liebe zu leben, ist nichts Gradliniges, ist weder einfach noch immer gleich. Sie besteht darin, im Spannungsfeld der Widersprüche zu leben und Widersprüchlichkeiten bewusst auszuhalten." Und spricht man darüber, erspart man es seinem Gegenüber, erraten zu müssen, wie man sich fühlt.

Seit Jahren schreibt das Therapeutenpaar Udo Baer und Gabriele Frick-Baer über Demenz, Gefühle, Kriegstraumata und ihre Therapieansätze. Jenseits von wissenschaftlichem Diskurs skizzieren sie gleichzeitig verständlich und verstehend, warum sie sich gefühlvollere Menschen wünschen. Schon deshalb ermutigen sie ihre Leser, bei sich selbst und bei anderen zu erspüren, was sie empfinden. Ein "Zuviel" an Gefühlen gebe es nicht, auch nicht ein "Zuwenig" und ein "Richtig oder Falsch" schon gar nicht.

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Quelle: ntv.de