Essen und Trinken

Streicheleinheiten löffelweise Die Magie der Hühnerbrühe

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Alles keine Viren-Killer, doch die Symptome einer Erkältung werden gelindert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Was ist dran am Glauben an die Hühnerbrühe? Die einen halten sie für einen wahren Viren-Killer, die anderen für so effektiv wie heißes Wasser - und beide haben unrecht. Die Oma weiß es besser.

Kaum ist der Himmel bleigrau und die Luft nasskalt, hört man es allerorten schniefen und husten. Mitunter lässt eine Erkältung nicht lange auf sich warten. Ärzte sprechen von einem grippalen Infekt. Das kann leicht irreführend sein, weil eine Erkältung nichts mit der echten Virusgrippe (Influenza) zu tun hat. Die Symptome sind zwar ähnlich, eine Grippe verläuft jedoch viel schwerer als eine Erkältung. Auch die auslösenden Virentypen sind sehr verschieden: Es gibt Hunderte von Erkältungsviren, aber nur zwei Hauptarten von Grippeviren, die zudem jedes Jahr mutieren. Deshalb muss eine Grippeschutzimpfung jedes Jahr erneuert werden; sie hält nur ein halbes Jahr vor und schützt auch nicht vor einer Erkältung.

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Wärme, Bettruhe und Geduld - und irgendwann verschwindet auch der Schnupfen.

(Foto: imago/Jochen Tack)

"Drei Tage kommt er, drei Tage bleibt er, drei Tage geht er", sagt der Volksmund über den Schnupfen. Macht neun Tage. Auch die ärztliche Praxis zeigt, dass Erkältungsinfekte in der Regel etwa sechs Tage dauern. Meistens sind sie harmlos - aber alles andere als angenehm! Im Hals kratzt es, der Kopf brummt und man fühlt sich, wie unter eine Dampfwalze geraten: völlig platt! Nase zu oder im "Dauerlauf" - egal, alles nervt. In Folge sind Husten und oft auch Heiserkeit vorprogrammiert. All das sind Symptome einer Infektion der oberen Atemwege, die einzeln oder in fast jeder beliebigen Kombination auftreten können. Zwei bis vier Infekte pro Jahr sind für Erwachsene normal; Kinder können in zwölf Monaten durchaus acht bis zehn Mal von Husten und Schnupfen geplagt werden.

Eine Erkältung fängt man sich nicht durch nasse Füße oder Frieren beim Warten auf den Bus ein, wie irrtümlich mitunter angenommen wird. Zwar können die "Eisbeine" den Ausbruch eines Schnupfens ebenso begünstigen wie Stress, Schlafmangel und Krankheiten (im Prinzip alles, was das Immunsystem schwächt), aber am Anfang einer jeden Erkältung steht immer eine Infektion mit Viren. Die Ansteckung erfolgt über eine sogenannte Tröpfcheninfektion: Ausgehustete und ausgenieste Erreger werden eingeatmet. Diese befinden sich nicht nur in der Luft, sondern auch auf Türklinken, Griffstangen in Bahnen, Bussen und an Einkaufswagen und gelangen so über die Hände auf die Schleimhäute von Mund, Auge und Nase, über die sie ebenfalls in den Körper kommen können. Bei großen Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen haben die Viren also ein leichtes Spiel: öffentliche Verkehrsmittel und Supermärkte, Büros, Schulen und Kitas.

Gut für Körper und Seele

Auch wenn die Erkältung belastet - dennoch sollte man die Beschwerden nicht mit Medikamenten "wegbügeln", sagt Hans-Michael Mühlenfeld vom Deutschen Hausärzteverband. Denn tatsächlich gibt es keine wirklich wirksame Therapie gegen eine Erkältung. Eigentlich helfen da nur Bettruhe und Geduld: viel Schlaf, kein Stress, viel trinken, frische Luft. Alle Allheilmittel aus der Apotheke verkürzen nach derzeitigem Wissensstand nicht die Dauer einer solchen Erkrankung, sie lindern aber die Symptome. Oder um noch einmal den Volksmund (... tut Wahrheit kund) zu bemühen: "Ohne Behandlung dauert eine Erkältung sieben Tage, mit Behandlung eine Woche."

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Schlürfen erwünscht: Hühnerbrühe ist eine Wohltat für den Hals - und die Seele.

(Foto: imago stock&people)

Wohl jeder hat schon einmal davon gehört, dass Hühnerbrühe als unschlagbarer Geheimtipp bei einer Erkältung gilt. Meistens hat man sie schon als Kind von Oma oder Mama als wohltuendes und stärkendes Trösterchen bei Halsweh und Schnupfen bekommen. Aberglaube oder nicht? Da streiten sich die Gelehrten. Einige Studien wollen nachgewiesen haben, dass und wie Hühnerbrühe wirkt. So haben Forscher der Universität Nebraska bei Laborversuchen festgestellt, dass der in der Hühnerbrühe enthaltene Eiweißstoff Cystein jene weißen Blutkörperchen blockiert, die mitverantwortlich sind für die Entzündungsreaktionen und -prozesse bei Erkältungen. Cystein wirke zudem entzündungshemmend und abschwellend auf die Schleimhäute.

Der Versuch, diesen Effekt beim Patienten nachzuweisen, gestaltet sich allerdings schwierig... Deshalb sind praktische Ärzte da meistens etwas skeptisch, raten aber dennoch zur Hühnerbrühe. Heilen kann das Hausmittel eine Virusinfektion zwar nicht (verhindern auch nicht), doch lindert Hühnerbrühe die Symptome und gibt dem Körper Unterstützung. Der Kranke kommt sogar möglicherweise wieder schneller auf die Beine, denn Hühnerbrühe enthält wichtige Mineralien und Vitamine. Zudem wird mit ihr die Flüssigkeit ersetzt, die durch das Schwitzen verloren geht. Vermutlich könnte Letzteres auch heißes Wasser, aber Hühnerbrühe schmeckt tausendmal besser, ehrlich! Außerdem liefert so ein Huhn hochwertiges Eiweiß für unser Zellgewebe und fast alle Vitamine des B-Komplexes für unsere Nerven. Und das kann Wasser nicht.

Die heiße Suppe erhöht als allererstes die Temperatur in Hals und Nase und schafft so eine unwirtliche Umgebung für die Viren. Das können die nicht leiden und haben keine Lust mehr auf Vermehrung, denn sie mögen es kühl und trocken. Es darf ruhig geschlürft werden, denn Hühnerbrühe wirkt tatsächlich schleimlösend und das Schlürfen der heißen Brühe hat abschwellende Wirkung auf die Schleimhäute. Tief einatmen über der heißen Suppe hilft ebenfalls der Nase, weil der Dampf wie bei einer Inhalation den Schleim verdünnt, der so besser abfließen kann. Wichtig ist auch das subjektive Empfinden, denn viele Menschen haben das Gefühl, dass ihnen die heiße Brühe gut tut und sie fühlen sich befreiter. Eine dampfende Suppenschale in den Händen zu halten, ist für sich genommen schon irgendwie beruhigend; beim Trinken durchströmt dann wohltuende Wärme den ganzen Körper, Verspannungen lösen sich. Fazit: Ein Viren-Killer ist Hühnerbrühe zwar nicht - hilft aber dennoch gegen die Symptome einer Erkältung und tut der Seele gut. Und deshalb kochen alle Mamas und Omas stets Hühnerbrühe für Erkältungsgeplagte. (Auch zwischendurch, denn Hühnerbrühe schmeckt auch ohne Schnupfen.)

Glücksgefühle selbst bei Schnupfen

Hühnerbrühe - oder in der gehaltvolleren Variante als Suppe mit Einlagen von Fleisch, Gemüse, Nudeln oder Reis - gilt seit jeher als klassische Nahrung für Kranke und Genesende. Sie gab es schon bei den Pharaonen am Krankenlager. Einer der bedeutendsten Gelehrten des Mittelalters, der jüdische Arzt Mosche ben Maimon, besser bekannt als Maimonides, empfahl Hühnersuppe als "gut zur Wiederherstellung gestörten Humors". Damit meinte er nicht möglicherweise abhanden gekommenen Frohsinn, sondern die Säfte des Körpers von Blut bis Galle. Die Ausgewogenheit der Säfte galt als gleichbedeutend der Gesundheit des Menschen. Ob die Hühnersuppe aber tatsächlich gegen Hämorrhoiden und Lepra half, wie Maimonides glaubte, darf bezweifelt werden. Als leicht verdauliche und gleichzeitig kräftigende Nahrung zwecks Rekonvaleszenz und Neubelebung von Körper und Geist sind Hühnerbrühe und Hühnersuppe jedoch gut anzuwenden.

Wichtig ist es, die Brühe frisch zuzubereiten. Der Aufwand lohnt sich, denn Instant-Brühen funktionieren nicht am Krankenbett. Vom Geschmack ganz zu schweigen! Am besten, man kauft ein ganzes Suppenhuhn, und es sollte ein ehemals glückliches Huhn sein, das Auslauf hatte und picken durfte, nicht eine dieser in Eierfabriken gequälten Legehennen. Ein Bio-Huhn kocht zwar doppelt so lange wie ein Tier aus der Geflügelfarm, weil es in einem gesunden Tempo aufwachsen durfte, ist aber längst nicht so fett und schmeckt wesentlich aromatischer. Die lange Kochzeit ist auch aus einem anderen Grund wichtig: Die gesunden Inhaltsstoffe liegen vermutlich im Knochenmark und es dauert seine Zeit, bis sie herausgelöst sind.

Die Zutaten sind reine Geschmackssache. Ob das gekochte Fleisch und das Gemüse kleingeschnitten als Einlage in die Brühe kommen oder ob ein wenig Reis oder Nudeln sie zu einer nahrhaften Suppe machen - das bleibt jedem selbst überlassen. Mitunter genügt ein in der Brühe verquirltes Ei. Ingwer, Chili oder Salbei verstärken die wohltuende Wirkung der Brühe, sie wirken entzündungshemmend; ebenso Knoblauch. Die Schärfe von Chili hilft außerdem gegen eine verstopfte Nase, weil die Frucht die Nasenschleimhäute abschwellen lässt und so die Blockierung lindert. Vorübergehend jedenfalls. Chili gilt mitunter als "Rachenputzer", weil man glaubt, Chili habe die Viren hinweggefegt. Das ist ein Irrtum, die Nervenfasern in der Mundhöhle spielen uns da einen Streich: Schärfe wird nicht über den Geschmackssinn wahrgenommen, sondern wirkt auf jene Nervenrezeptoren in Mund und Rachen, die für die Schmerzempfindung zuständig sind. Der Schärfereiz überlagert also nur den Halsschmerz, und das Halsweh kehrt nach kurzer Zeit wieder zurück. Doch die Schärfe hat noch einen zweiten Effekt: Durch scharfes Essen wird Endorphin ausgeschüttet und das Glückshormon erzeugt ein angenehmes, wohliges Gefühl von geborgenheit. Und was will man mehr, wenn man schniefend und hustend im Bett liegt?

Omas Hühnerbrühe

Zutaten:

1 Bio-Suppenhuhn
1 Lorbeerblatt
4 Pimentkörner
10 schwarze Pfefferkörner
1 große Zwiebel
½ Porreestange
1-2 Möhren
1 kleine Sellerieknolle
1 Stück frischer Ingwer (ca. 2 cm)
1 scharfe Chilischote
evtl. 1 Knoblauchzehe
½ Bd Petersilie
Salz

Zubereitung:

Das Huhn gut säubern und vierteln. Zwiebel pellen und vierteln oder achteln. Möhren und Sellerie schälen und halbieren. Den Lauch sehr gut waschen und längs halbieren. Den Ingwer schälen und hacken; und wer ihn mag, ebenso den Knoblauch. Die Chili entstielen, entkernen, die Scheidewände entfernen und klein hacken. Wer’s richtig scharf mag, lässt die Schote ganz und schlitzt sie nur bis zum Stielansatz auf. Wer lieber den reinen Hühnerbrühengeschmack haben will, lässt Chili, Knoblauch und Ingwer weg.

Die Hühnerteile in 2 Liter Wasser aufsetzen, zum Kochen bringen und abschäumen. Hitze reduzieren. Salz und Gewürze zugeben und auf kleiner Flamme und bei angekipptem Topfdeckel (oder ganz ohne Deckel) langsam sieden lassen. Bei einem Bio-Huhn kann der Garprozess 3 bis 4 Stunden dauern. Verkochte Flüssigkeit nach und nach durch heißes Wasser ersetzen.

Etwa 1 Stunde vor Garende die Chilistückchen bzw. die ganze Schote sowie das Gemüse bis auf den Ingwer (und den Knoblauch) zugeben und weiter köcheln lassen. Ist das Fleisch gar, die Brühe durch ein Sieb geben. Nun den gehackten Ingwer (und den Knoblauch) zugeben, die Brühe nochmals bis zum Siedepunkt erhitzen und alles ziehen lassen - nicht mehr aufkochen. Brühe in eine Suppentasse geben, etwas gehackte Petersilie darüberstreuen und genussvoll schlürfen.

Soll aus der Brühe eine gehaltvolle Hühnersuppe werden, werden das Fleisch und das Gemüse nach dem Garprozess klein geschnitten und als Einlage zugegeben. Auch Blumenkohl, Spargel und Champignon eignen sich als Einlage, ebenso Nudeln oder Reis.

Übrigens: Zweifler behaupten, den gleichen Genesungseffekt wie Hühnerbrühe habe auch Rinderbouillon. Und Vegetarier schwören auf heiße Gemüsebrühe ...

Bleiben Sie gesund, das wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de