Essen und Trinken

Foodball für Fans Neueweltküche mit und ohne "Hämbörger"

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Rib Amerika Fest 2011 in St. Louis: Ohne ein anständiges Barbecue geht gar nichts.

(Foto: imago stock&people)

Ohne die Alte Welt hätte die Neue Welt nicht die Küche, die sie heute hat. Abenteuerlustige Europäer haben in Nordamerika ihre Spuren hinterlassen; dank der Einwanderer aus Afrika, Lateinamerika und der Karibik entstand ein köstlicher Geschmacks-Mix.

Hochgepriesene, werbewirksame und sattsam bekannte Fast-Food-Ketten sind nicht unschuldig am schlechten Ruf des amerikanischen Essens. Hamburger und Cheeseburger, Chicken wings und Hot Dogs, Chips und Fritten, ein bisschen Krautsalat mit viel Majo-Pampe und immer schlappes Weißbrot, alles hinuntergespült mit viel süßen Softdrinks - ein Alptraum nicht nur für Ernährungsbewusste, sondern für jeden Menschen mit gesunden Geschmacksnerven. Hinzu kommen Erdnussbutter, Donuts und Muffins; kein Wunder, dass US-Amerikaner international als übergewichtig gelten. An Butter und Zucker wird selten gespart, das Brot ist sehr weizenlastig, Fleisch und Bacon müssen sein. Doch mit den Jahren hat in den USA eine Hinwendung zu gesünderem Essen stattgefunden; trotz des starken Fleischkonsums gibt es sehr viele Vegetarier und Menschen, die Fastfood und Süßigkeiten ablehnen.

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Barbecue ist keine Erfindung der Neuzeit: Fisch grillt auf indianische Art im Makah-Reservat.

(Foto: imago stock&people)

Nichts gegen einen krossen Hamburger , leckeren Lachs oder ein  saftiges Steak direkt vom Grill im Garten oder auf der Terrasse - manchmal muss das einfach sein! Das ist auch kein Fastfood, sondern ehrliches Essen in geselliger Runde, das dauert eine Weile und wird nicht hastig verschlungen. Barbecue (BBQ) ist weltweit bekannt und Synonym für US-amerikanische Lebensart. Als typisch gelten hierzulande auch Gerichte wie Spareribs, Truthahn und American Pie.

Die amerikanische Küche hat aber noch viel mehr zu bieten, in den Kochtöpfen sieht es recht unterschiedlich aus. Es gibt eigentlich nicht die amerikanische Küche, das ist bei der Größe des Landes und seiner Geschichte auch kein Wunder. Richtig ist es vielmehr, von unterschiedlichen Regionalküchen mit vielfältigen Einflüssen zu sprechen. Die Küche der Neuen Welt bietet Cajun und indianische Küche, Soulfood und Tex-Mex, Barbecue und die neue kalifornische Küche. Die Südstaaten-Küche basiert auf der Cajun- und der kreolischen Küche. Ihre Zutaten sind ähnlich, doch die kreolische Art zu kochen ist raffinierter als die der bodenständigen Cajun-Küche, die ihre Wurzeln bei den französisch-stämmigen Einwanderern hat; Gumbo und Jambalaya sind ihre berühmtesten Vertreter. Blackened Fish ist ein typisches Gericht der kreolischen Küche, die in den Städten, vor allem in New Orleans, verbreitet ist. Unter Soulfood versteht man die Mahlzeiten der Afroamerikaner. Sie verwendeten oft Zutaten wie Innereien und Hühnerflügel - die bekannten Chicken Wings haben hier ihren Ursprung. Einwanderer aus Mexiko importierten das Tex-Mex-Food. Scharfe Gewürze, Fleisch und Bohnen sind hier bei jeder Mahlzeit im Spiel. Texas ist vor allem bekannt für seine Barbecues mit Riesen-Rindersteaks und Burgern.

In Neu-England kann man Hummer-Brötchen an jeder Straßenecke kaufen, sogar Hot-Dog-Brötchen werden damit gefüllt. Hier ist der Hummer keine kostspielige Delikatesse wie bei uns, sondern fast schon ein Grundnahrungsmittel. Gebackene Bohnen sind sehr beliebt, in Boston so sehr, dass die Stadt den Spitznamen "Beantown" erhielt. Dort serviert man die Bohnen traditionell zu Kabeljau. In zahlreichen Gerichten in den USA findet sich Wildreis, der im botanischen Sinne kein Reis, sondern ein Wassergras ist. Wildreis war ein Grundnahrungsmittel der indianischen Ureinwohner, die ihn vom Kanu aus geerntet haben. Er wächst vor allem in Michigan, Minnesota, Wisconsin und im Mississipi-Delta.

Entlang der Atlantikküste werden naturgemäß viel Fisch und Meeresfrüchte gegessen; besonders beliebt sind Eintöpfe mit Muscheln. Florida rühmt sich seiner Steinkrebse, die es nur hier gibt: Stone crabs, die ein feines Fleisch mit einem zarten süßlichen Geschmack haben, sind das Aushängeschild der "Floribean Cuisine". Die kalifornische Küche ist für ihre Vorliebe für leicht bekömmliche, gesunde und frisch zubereitete Gerichte bekannt; aromatische Kräuter sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Fitness-Küche am Pazifik. Der auch bei uns beliebte Eisbergsalat stammt ursprünglich aus dem sonnigen Kalifornien. Gern werden die Salate mit Tomaten, Lauch und Brunnenkresse gemischt, mit Blauschimmelkäse, Schinken, Eiern und Hähnchenbrust aufgepeppt und mit Buttermilchdressing gewürzt. Die Einwohner Alaskas lieben vor allem ihren Lachs, fünf Lachsarten schwimmen dort herum. Der größte ist der Königslachs, er erreicht ein Gewicht bis zu 20 Kilogramm.

Kommt der Hamburger aus Hamburg?

Das alles ist nur ein kleiner Blick in die unterschiedlichen amerikanischen Töpfe, in diesen Schmelztiegel von Küchen aus der ganzen Welt. Eines fehlt zu Thanksgiving allerdings auf keinem amerikanischen Tisch: der Truthahn, der in den USA Symbol für Familienglück ist. Schon die Indianer aßen zu feierlichen Anlässen gebratene Puter.

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Moderator Jerry Springer feiert seine 3000. Show mit einem riesigen Sandwich in New York.

(Foto: imago stock&people)

Auch typisch deutsches Essen steht mitunter auf amerikanischen Tischen, Knödel und Sauerbraten zum Beispiel. Und auch der "Hämbörger" made in USA soll seinen Ursprung in Deutschland haben. Genau weiß das zwar niemand, aber es wird behauptet, der "Hamburger" sei auf den hanseatischen Imbiss "Rundstück warm" zurückzuführen. Der besteht aus einem runden Weizenbrötchen (Rundstück) mit einer warmen Bratenscheibe und Bratensoße zwischen den Brötchenhälften. Bei einer anderen Rundstück-Variante klemmt eine Frikadelle im Brötchen. Vermutlich haben deutsche Einwanderer das Rezept nach Amerika mitgebracht. Erstmals wurden solche Hackfleischbrötchen auf der Weltausstellung 1904 in St. Luis/Missouri verkauft - und zwar als „Hamburger“.

Für den Fußball-Abend USA-Deutschland schlage ich Ihnen eine etwas edlere Variante vor. Solche Sandwiches sind unverzichtbarer Bestandteil der amerikanischen Snack-Kultur:

Käse-Steak-Sandwich

Zutaten (4 Pers):

4 Rumpsteaks
400 g Cheddar-Schmelzkäse
1/8 l Kaffeesahne od. Kondensmilch
2 rote Zwiebeln
4 Ciabattabrötchen
1 TL Apfelessig
½ TL mittelscharfer Senf
frisch gemahlener Pfeffer
Tabasco, Salz
Sonnenblumenöl

Zubereitung:

Den Käse in Würfel schneiden, mit der Sahne in einem Topf geben und langsam erhitzen. So lange rühren, bis der Käse geschmolzen ist. Balsamico und Senf unterrühren, mit Salz und Tabasco abschmecken. Die Soße warmhalten.

Die Zwiebeln pellen und in dünne Scheiben schneiden. 2 bis 3 EL Öl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebeln darin goldbraun braten. Herausnehmen und beiseite stellen. Das Fleisch leicht flach klopfen. 2 bis 3 EL Öl in die Pfanne geben, erhitzen und die Steaks auf großer Flamme von beiden Seiten medium braten. Salzen und pfeffern, etwas ruhen lassen.

Die Ciabattabrötchen aufschneiden, auf einer Längsseite aber nicht ganz durchschneiden. Die Steaks schräg in dünne Scheiben schneiden und diese in den aufgeklappten Brötchen verteilen, am besten dachziegelartig dicht an dicht schichten. Mit den gebratenen Zwiebeln belegen und die Käsesoße darüber träufeln. Brötchen zuklappen und ehrfürchtig 'reinbeißen. Aber die Serviette nicht vergessen!

Tipps:

- Bekommen Sie keinen Cheddar-Schmelzkäse, raspeln Sie Cheddar-Schnittkäse. Schmezkäse allerdings schmilzt und bindet besser.
- Zusätzlich zur Zwiebel können auch Paprikastreifen mitgebraten werden. Mein Favorit: gebratene Jalapeños.

Einen vergnüglichen Fußballabend wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de