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"Fury" hat die Besatzung um "Wardaddy" (Brad Pitt, M.) ihren Panzer genannt.
"Fury" hat die Besatzung um "Wardaddy" (Brad Pitt, M.) ihren Panzer genannt.(Foto: 2014 Sony Pictures Releasing GmbH)
Donnerstag, 01. Januar 2015

Brad Pitt und das "Herz aus Stahl": "Der Panzer ist dein Zuhause"

Von Markus Lippold

Aus einer ungewöhnlichen Perspektive zeigt "Herz aus Stahl" den Zweiten Weltkrieg: Der Film verfolgt eine US-Panzerbesatzung auf einem Himmelfahrtskommando - klaustrophobisch, packend und erschreckend. Aber etwas wurmt gewaltig.

Dieser Kriegsfilm beginnt am Ende einer Schlacht. Panzer haben hier gewütet, von einer Landschaft ist nichts mehr zu sehen. In einem der Ungetüme hocken jedoch noch ein paar Überlebenden: eine US-amerikanische Panzerbesatzung, angeführt vom erfahrenen Don "Wardaddy" Collier (Brad Pitt). Die Schlacht ist geschlagen, der Krieg allerdings noch nicht vorbei. Im April 1945 rücken die Alliierten auf deutschem Gebiet vor, sie beginnen ihre letzte Offensive.

"Wardaddy" ist der Chef - das bekommt auch der Neue schnell mit.
"Wardaddy" ist der Chef - das bekommt auch der Neue schnell mit.(Foto: 2014 Sony Pictures Releasing GmbH)

Der Sherman-Panzer, der seinen Namen "Fury" (so auch der Originaltitel) auf dem Kanonenrohr trägt, ist ganz vorn mit dabei. Der nächste gefährliche Einsatz wartet. Mit dabei ist ein Neuer: Norman (Logan Lerman, "Percy Jackson"). "Der Panzer ist dein Zuhause", sagt "Wardaddy" zu ihm und lässt ihn erstmal die Reste seines Vorgängers aus dem Inneren kratzen. Norman ist gerade acht Wochen bei der Armee und hat noch nie einen Menschen getötet. Doch die Truppen werden in Gefechte verwickelt und Norman muss sehr schnell lernen, auf den Abzug zu drücken.

Jene erste Hälfte von "Herz aus Stahl", dem neuen Film von David Ayer, zeigt aus der Sicht von Norman den Krieg in seiner ganzen schrecklichen Brutalität: zerfetzte Leiber, zerquetschte Köpfe, aber auch den Lärm und die zynischen Sprüche der abgebrühten Panzerbesatzung (Shia LaBeouf, Michael Peña, Jon Bernthal). Angesichts der permanenten Gefahr verliert Norman seine Unschuld. Spätestens, als ihn "Wardaddy" zwingt, einen gefangenen, wehrlosen SS-Soldaten hinzurichten.

Klaustrophobische Gefühle

Ayer, der auch das Drehbuch des Films schrieb und Co-produzierte, hat bereits mit "End of Watch" bewiesen, wie packend er inszenieren kann. Wie in dem Polizeithriller bleibt er auch in "Herz aus Stahl" nah dran an den Figuren. Die Enge des Panzers, die eingeschränkte Sicht und die stetige Gefahr, nach einem Treffer im Inneren zu verbrennen, sorgen für Spannung und klaustrophobische Gefühle beim Zuschauer.

Auszeit vom Krieg: Eine kleine Liebesgeschichte gibt es in "Herz aus Stahl" auch.
Auszeit vom Krieg: Eine kleine Liebesgeschichte gibt es in "Herz aus Stahl" auch.(Foto: 2014 Sony Pictures Releasing GmbH)

Erinnert diese überzeugende Hälfte von "Herz aus Stahl" noch an andere kritische Kriegsfilme wie "Der Soldat James Ryan", flaut der Film danach jedoch merklich ab. Zunächst erobern die Soldaten eine Kleinstadt. Don und Norman quartieren sich bei einer Frau und ihrer Nichte ein und es entspinnt sich eine kleine Liebesgeschichte, die jedoch aufgesetzt wirkt, unfreiwillig komisch und kitschig.

Dann wird die Besatzung auf eine Art Himmelfahrtskommando geschickt: Der Panzer soll eine Kreuzung beobachten und anrückenden deutschen Nachschub aufhalten. Doch das Gefährt bleibt im Dreck stecken. Manövrierunfähig müssen sich die Soldaten anrückenden SS-Truppen stellen. Es beginnt ein langes und ausführlich inszeniertes Blutbad, in dem die US-Soldaten aus ihrem Panzer heraus um ihr Leben kämpfen.

Blut und Klischees

"Herz aus Stahl" wird hier vom Antikriegs- zum Actionfilm. Aus der schonungslosen Darstellung von Gefechten wird der heroisierende Kampf des letzten Aufgebots gegen eine gesichtslose Übermacht. Aus der erschreckenden Darstellung des Panzerkriegs, der selten so physisch spürbar inszeniert wurde, wird ein Ballerspiel, bei dem die Gegner bald zuhauf zu Boden gehen.

Ärgerlich ist dabei vor allem, dass die Zeichnung der Charaktere stecken bleibt. Ist man anfangs noch gespannt, welche Menschen sich hinter den zynischen Sprücheklopfern verbergen mögen, werden sie am Ende zu feinen Kerls, die noch mit dem letzten Atemzug aus der Bibel zitieren. Das gilt selbst für Brad Pitts nuschelnden, mitunter deutsch sprechenden "Wardaddy", der aber seltsam flach bleibt.

"Herz aus Stahl" hat sehr starke Szenen. Er hat Szenen, die dem Grauen des Krieges entsprechen. Er zeigt packende Gefechte und die damit einhergehende Verrohung des Menschen. Und er wartet mit einer bisher selten gesehenen Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg auf. Umso ärgerlicher ist, dass der Film am Ende in Blut und Klischees ertrinkt.

"Herz aus Stahl" startet am 1. Januar in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de