Kino

"Legend of Tarzan" Der weiße Retter verloren im Dschungel

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Er Tarzan, sie Jane - man kennt das ja schon.

(Foto: Warner Bros.)

Er Tarzan, sie Jane. Und Jane muss gerettet werden. "Legend of Tarzan" erzählt eine neue Geschichte des größten Urwaldhelden nach Mogli mit einem durchtrainierten Alexander Skarsgard und allerbesten Absichten.

Ja, irgendwann brüllt er und reißt sich die Klamotten vom Leib. Wer "Legend of Tarzan" anschauen möchte, um sich ein bisschen an das Eightpack von Alexander Skarsgard heranzuträumen - verständlich. Der Schwede macht in dem neuen Film von "Harry Potter"-Alumnus David Yates wirklich eine ganz hervorragende Figur. Leider reicht das nicht aus.

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In den vergangen 98 Jahren sind fast zwei Dutzend Schauspieler für die Rolle des Tarzans in Schurze und dergleichen geschlüpft. Der Titel des neuesten Tarzan-Films setzt das Wissen um den affengleichen Supermenschen zurecht als legendengleich gesetzt voraus. Aufgezogen von Gorillas, geliebt von Jane, schließlich aufgestiegen zur britischen Lordschaft.

Bisschen Koloniales, viel Jane-Rettung

Yates' Geschichte findet Tarzan nicht als Urwald-Moses vor, sondern bereits in England. Die Vorgeschichte wird in sperrigen Flashbacks abgefeiert. Die Kino-Gegenwart schickt Tarzan zurück in den kongolesischen Dschungel, wo er mit Lianen, grausamer Praxis belgischer Kolonialisten, einer offenen Rechnung, vor allem aber natürlich mit Jane-Rettung befasst ist.

"Legend of Tarzan" ist in Alarmbereitschaft inszeniert. In Zeiten der "Black Lives Matter"-Bewegung empfiehlt es sich nicht unbedingt, bleiche Helden ins Feld zu führen, eine Gruppe Schwarzer zu retten. Dass Tarzan seine zu Beginn des Films geschlachteten Freunde kaum mit Trauermiene bedenkt, dass er gewissermaßen im Vorbeigehen die kongolesische Bevölkerung aus den Fängen der Kolonialisten befreit, während er ja eigentlich nur Frauchen retten will - das alles hat einen faden Beigeschmack.

Schwarzer Sidekick zur Sicherheit

So hat man Skarsgards Tarzan denn einen schwarzen Sidekick besorgt. Samuel L. Jackson spielt den US-amerikanischen Publizisten und Politiker George Washington Williams, basierend auf einer realen Person. In Rage über die Ausbeutung der Schwarzen im Kongo arbeitete er im späten 19. Jahrhundert gegen die belgische Kolonialmacht. In "Legend of Tarzan" verkommt er zum Comic-Relief, etwa wenn er sich von Skarsgard Huckepack per Liane auf einen fahrenden Zug schwingen lässt.

"Legend of Tarzan" will nicht rückständig sein. Der Film positioniert sich gegen europäische Gier und mit einer tendenziell schon mal eher resoluten Jane (Margot Robbie) für weniger bedürftige Frauenfiguren. Vielleicht liefert die Geschichte aus einer Zeit, in der soziales Bewusstsein in Sachen Hautfarbe wirklich nicht besonders groß geschrieben wurde, nach rund hundert Jahren einfach nicht mehr den optimalen Stoff für eine große Liebesgeschichte.

"Legend of Tarzan" startet am 28. Juli in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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