Unterhaltung
Alba August: "Es war meine Aufgabe, herauszufinden, wer Astrid Lindgren hinter der berühmten Fassade war."
Alba August: "Es war meine Aufgabe, herauszufinden, wer Astrid Lindgren hinter der berühmten Fassade war."(Foto: DCM)
Mittwoch, 05. Dezember 2018

Alba August ist Astrid Lindgren: "Ich bin jetzt traumatisiert!"

Nein, mit Bullerbü hat das wirklich nichts zu tun. Das Filmdrama "Astrid" zeigt eine junge Astrid Lindgren fern ab von harmloser Beschaulichkeit. Die schwedische Ikone hat Sex, heult sich die Augen aus und lässt ihre Familie zurück. Anfangs noch ganz Kind, wird die junge Astrid im Verlauf des Films zur Frau - und zu was für einer! Alba August leiht ihr ihr Gesicht. Für die 25-Jährige war es eine Traumrolle. Die schwedisch-dänische Schauspielerin gilt als eins der aufstrebenden Talente der Branche. Im Gespräch mit n-tv.de verrät sie, wann Respekt zum Problem werden kann, ob ihre berühmten Eltern ihr bei der Karriere helfen und wieso man nicht immer stark sein muss.

n-tv.de: In "Astrid" begegnet der Zuschauer einer Astrid Lindgren, die ihm vielleicht erst einmal fremd ist. Ging Ihnen das genauso und wie haben Sie einen Zugang zu dieser jüngeren Version der Autorin entwickelt?

Datenschutz

Alba August: Das war schwierig. In meiner Familie war Astrid Lindgren ein Superstar. Wir haben sie geliebt. Ich habe seit jeher so viel Respekt für sie. Aber dieser Respekt durfte mit bei meiner Arbeit nicht in die Quere kommen. Es war meine Aufgabe, herauszufinden, wer Astrid Lindgren hinter der berühmten Fassade war. Ich musste den Menschen erschaffen. Es war wirklich hart, sich in all ihre verschiedenen Gemütszustände zu versetzen. Aber genau das war auch das Beste an dem Job. Bei dieser Figur kann man so viele Facetten spielen.

Wie würden Sie jemandem, der den Film nicht gesehen hat, erklären, was für eine Person Astrid Lindgren ist?

Was ich vor diesem Film nicht wusste, war, dass sie eine Rebellin war - schon in jungen Jahren, als Teenager. Sie war eine Kämpferin und sehr, sehr stark, dabei aber immer empathisch. Sie hat sich ihre Sensibilität bewahrt. Astrid Lindgren hat so viel durchgemacht. Ich kann nicht fassen, wie sie das alles geschafft hat.

Ihre Astrid ist außerdem eine wilde Tänzerin!

In "Astrid" legt August den einen oder anderen wilden Tanz aufs Parkett.
In "Astrid" legt August den einen oder anderen wilden Tanz aufs Parkett.(Foto: DCM)

Ja, die Tanzszenen … Da war ich einfach mal ich selbst. So tanze ich in Clubs! (lacht) Spaß beiseite. Aber genau so was war ja das Tolle daran, diese Figur zu spielen: Ich konnte verrückt tanzen und ich durfte ein Kind gebären. So viele verschiedene Gefühle - für eine Schauspielerin ist das ein Traum!

Sie haben selbst noch kein Kind zur Welt gebracht. Haben Sie zur Vorbereitung Videos von Geburten geschaut?

Genau, ich bin jetzt traumatisiert! (grinst) Tatsächlich war intensive Vorbereitung bei diesem Film besonders wichtig. Wir erzählen immerhin die Geschichte der größten Künstlerin Schwedens. Da muss man vorher seine Hausaufgaben gemacht haben.

Sie haben sich bereits als Lindgren-Fan geoutet. Haben Sie eine Lieblingsgeschichte?

Ja, ich mochte die von Madita und Elisabeth. Mir gefiel die Geschichte dieser beiden Mädchen, die in dieser schicken und sauberen Familie aufwachsen und in wunderschönen Kleidern herumlaufen, die aber in Wahrheit einfach verdammt durchgedreht sind. Sie stellen die lustigsten Dinge an! Meine Schwester und ich haben uns in den Figuren gespiegelt.

Sie sind die Jüngere?

Leider, ja.

Sie sind in diesem Jahr noch in einer anderen großen Rolle zu sehen gewesen. In der Netflix-Serie "The Rain" werden Sie zur Anführerin einer Gruppe Jugendlicher, die eine Katastrophe überlebt hat. Wie Astrid ist auch Simone eine Figur, die Verantwortung für ihr eigenes Leben übernimmt. Ist das die Art von Rolle, die Sie gern spielen?

Alba August will nicht nur starke Rollen spielen.
Alba August will nicht nur starke Rollen spielen.(Foto: DCM)

(überlegt) Ich glaube nicht. Natürlich ist es großartig, starke Charaktere zu spielen. Aber es ist immer kompliziert, übers Starksein zu sprechen. Schließlich ist es ja auch wichtig, dass man schwach sein darf. Ich möchte einfach so viele verschiedene Charaktere spielen wie möglich.

Ihre Eltern Pernilla und Bille August sind beide erfolgreich im Filmgeschäft tätig. Hilft Ihnen das dabei, Ihre Karriere zu navigieren, oder müssen Sie sich vielmehr davon lösen, um Ihren eigenen Weg zu finden?

Ich denke, es ist ein Mix aus beidem. Für mich waren meine Eltern ein guter Einfluss. Ich kann sehr, sehr hart arbeiten. Das muss sich natürlich die Waage halten, damit man sich nicht selbst im Weg steht. Aber es ist schön, Eltern zu haben, die beruflich dasselbe machen wie man selbst. So kann man über die Arbeit sprechen, über Dinge, mit denen man hadert - und man versteht sich gegenseitig.

Sie gelten als wichtige Newcomerin. Wie hat sich Ihr Leben seit dem Durchbruch verändert und was unternehmen Sie, damit die Veränderungen nicht allzu groß werden?

Dieses Jahr war echt verrückt. Ich hätte nie zu träumen gewagt, einmal Astrid Lindgren oder eine Hauptfigur in einer Netflix-Serie zu spielen. Es ist surreal. Und es ist etwas, das ich nicht vollständig verstehe. Man muss wohl die Bodenhaftung bewahren und darf sich all die Aufmerksamkeit nicht zu Kopf steigen lassen. Für mich sind es die Geschichten und die Schauspielerei, weswegen ich diesen Beruf unbedingt ausüben will. Es klingt albern, aber da liegt mein Fokus.

"Astrid" startet am 6. Dezember in den deutschen Kinos.

Mit Alba August sprach Anna Meinecke

Quelle: n-tv.de