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"Guardians of the Galaxy" im Kino Im Weltall herrscht Anarchie

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"Guardians of the Galaxy": Gamora will Quill töten. Er ist eher auf einen Flirt aus.

(Foto: Marvel 2014)

Ein Superheldenfilm mit Anti-Helden, Verlierern und Halunken? Das ist "Guardians of the Galaxy". Marvel lässt ein rasantes Weltraum-Abenteuer auf die Zuschauer los, mit Musik aus den 80er-Jahren - und einem waffengeilen Waschbären.

Iron Man ist ein Milliardär mit schniekem Labor, Captain America der personifizierte US-Patriotismus und Thor ein Gott mit Hammer-Fimmel. Sie alle sind Superhelden, bei denen Ordnung zu herrschen hat. Und wenn doch mal etwas aus den Fugen gerät, dann rücken sie es wieder gerade. Auf dass die US-amerikanische Sicherheitsarchitektur keine Risse bekomme.

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Die Anti-Helden raufen sich zusammen und die "Guardians of the Galaxy" sind geboren.

(Foto: Marvel 2014)

Für die Guardians of the Galaxy wäre dieses ewige Spiel Gut gegen Böse, dieser übertriebene Amerikanismus ein Graus. Immerhin besteht die Truppe aus einem Schwerenöter, der klaut, hehlt und Ordnungshüter verabscheut, einer gefährlichen Killerin, einem auf blutige Rache sinnenden "Zerstörer", einem genetisch manipulierten Waschbären mit Waffentick und einem wortkargen Baumwesen.

Sie alle passen an sich nicht zusammen, haben aber etwas gemeinsam: Sie sind Außenseiter, Geächtete und Verfolgte, die Letzten ihrer Art und im gesamten Weltall einzigartig. Warum sich also nicht zusammentun? Das dachte sich auch Marvel, der Comicverlag, der zum erfolgreichen Filmproduzenten mutiert ist. So startet nun mit "Guardians of the Galaxy" der erste Streifen der Comichelden im Kino - und beschert den Zuschauern ein actionreiches, mitreißendes, witziges und notorisch nostalgisches Weltraum-Abenteuer.

Die zerstörerische Kugel

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Heimlicher Star des Films ist allerdings Rocket Raccoon.

(Foto: Marvel 2014)

Anders als bei "Star Wars" spielt der Film aber nicht in einer weit, weit entfernten Galaxie. Er beginnt vielmehr auf der Erde, in den 80er-Jahren, einem Jahrzehnt, das den gesamten Rest des Films präsent sein wird. Hier stirbt in einer kleinen Vorgeschichte die Mutter des jungen Peter Quill (Chris Pratt), der kurz darauf von Weltraumpiraten ins All entführt wird.

Jahre später ist Quill, der sich nun Star Lord nennt, ein Dieb, der im gesamten All wertvolle Gegenstände beschafft und weiterverkauft. So gerät er auch an eine mysteriöse Kugel, an der noch ganz andere Mächte interessiert sind. Nicht nur heften sich die Piraten an Quills Fersen. Auch der so mächtige wie brutale Ronan (Lee Pace), ein Krieger vom Volk der Kree, möchte die Kugel und ihren Inhalt um jeden Preis haben. Er setzt die Killerin Gamora (Zoë Saldaña) auf ihn an.

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Ronan hat einen Hammer und ...

Auf dem Planeten Xandar kann sie Quill die Kugel tatsächlich entreißen, bevor beide von zwei Kopfgeldjägern überrascht werden: dem Waschbären Rocket Raccoon (im Original gesprochen von Bradley Cooper, auf Deutsch von Fahri Yardım) und dem Baumwesen Groot (gesprochen von Vin Diesel). Am Ende ziehen jedoch alle vier den Kürzeren: Sie werden verhaftet und landen im Hochsicherheitsgefängnis Kyln.

Der Knast ist selbstredend nicht gerade ein Paradies. Zumal Häftling Drax, der Zerstörer (Dave Batista) Gamora an die Kehle geht. Seine Familie wurde einst von Ronan ausgelöscht, weshalb er sich an seiner Verbündeten rächen will. Doch Gamora spielt längst ihr eigenes Spiel. Sie hat sich von Ronan losgesagt, weil der die Kugel nutzen will, um ganze Planeten auszulöschen. So planen Quill, Gamora, Drax, Rocket und Groot den Ausbruch aus dem Gefängnis. Sie wollen hinter das zerstörerische Geheimnis der Kugel kommen und sie verscherbeln. Doch Ronan bleibt ihnen dicht auf den Fersen.

Schurkenstück und Actionreißer

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... ein ziemlich großes Raumschiff, mit dem er ganze Planeten angreift.

(Foto: Marvel 2014)

Verwirrt von den vielen fremden Namen, die noch dazu von völlig verschiedenen Planeten und Völkern stammen? Ja, so dürfte es einigen Kinogängern gehen. Denn selbst die Comicvorlage der Guardians spielt bei Marvel eine untergeordnete Rolle - verglichen mit den Avengers, den X-Men und Spider-Man. Heutzutage mit so unbekannten Figuren einen Mega-Blockbuster ins Kino zu bringen, zeugt deshalb durchaus von Mut.

Doch es ist auch eine Chance. Denn viele Zuschauer werden sich den Film unbefangen anschauen. Sie können (und sollten) sich einfach mitreißen lassen von dieser technisch ausgefeilten, rasanten Mischung aus Schurkenstück, Abenteuerfilm und Actionreißer. Ungemein atemlos ist dieser Film - und wirkt deshalb streckenweise überladen. Etliche Figuren, Begriffe und Anspielungen prasseln auf die Zuschauer ein. Diese sind für die Comicfans gedacht, die sich auskennen im Marvel-Kosmos.

Hier sind Anti-Superhelden am Werk

So hat etwa Superschurke Thanos (Josh Brolin) einen Kurzauftritt, der Ziehvater von Gamora, außerdem deren Ziehschwester, die Killerin Nebula (Karen Gillan). Und auch der Collector (Benicio del Toro) spielt eine Rolle. Sie sorgen dafür, dass sich "Guardians of the Galaxy" einreiht in die anderen Filme des Marvel Cinematic Universe, dass er an der Seite von "Iron Man", "Thor", "Captain America" und "Avengers" bestehen kann.

Im Ton allerdings wagt der Streifen etwas Neues. Nicht nur, weil er im Weltraum spielt und es hier mit "Star Wars" und Co. aufnehmen kann. Vor allem ist er anarchischer, wilder, ungestümer als die bisherigen Marvel-Filme: Er zelebriert das Verlierer-Image seiner Anti-Superhelden und gesteht ihnen eine gute Portion Ironie zu. Dafür sorgen der Hallodri und Antiheld Peter Quill, vor allem aber Rocket Raccoon, der mit seinem Interesse an großen Wummen und mit flotten Sprüchen seine Kollegen im Handumdrehen aussticht.

Daneben bewahrt sich der Film auch ein irdisches Element: Peter Quills Kassette (!) mit Hits aus den 80er-Jahren - der Soundtrack stürmt mittlerweile die Kinocharts. Sie sorgen für eine Premiere in Superhelden-Filmen: Gesang und Tanz. Auch wenn das nicht jedermanns Geschmack sein dürfte: So locker, so flockig würde man Superman, Batman und Captain America nie sehen. Marvel hat mit "Guardians of the Galaxy" hoch gepokert, aber gewonnen.

"Guardians of the Galaxy" startet am 28. August in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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