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Jennifer Lawrence (r.) als Katniss Everdeen und Liam Hemsworth als Gale Hawthorne in "Die Tribute von Panem - Mockingjay".
Jennifer Lawrence (r.) als Katniss Everdeen und Liam Hemsworth als Gale Hawthorne in "Die Tribute von Panem - Mockingjay".(Foto: AP)
Mittwoch, 19. November 2014

Aus Killer-Spielen wird Krieg: "Mockingjay" kämpft düster und dreckig

Von Anna Meinecke

Der Kampf um Leben und Tod hat eine neue Dimension bekommen. In Teil drei der "Tribute von Panem" sind die mörderischen Teenager-Kämpfe vorbei. Wo die grausame Regierung Schutt und Leichen hinterlassen hat, rotten sich Rebellen zusammen.

Sie hat schon einmal besser ausgesehen. Katniss Everdeen ist dem Tod gerade von der Schippe gesprungen, als sie in einem retro-unheimlichen Krankenhausbett erwacht. Es müssen nur wenige Stunden, vielleicht Tage vergangen sein, seit die Heldin der "Tribute von Panem" die Hungerspiele mit einem Pfeilschuss torpedierte.

Katniss Everdeen soll das Gesicht der Revolution sein.
Katniss Everdeen soll das Gesicht der Revolution sein.(Foto: AP)

"Mockingjay", Teil eins der Verfilmung des finalen "Die Tribute von Panem"-Bandes, ist noch düsterer als seine Vorgänger. Das liegt ganz wesentlich daran, dass sich die Geschichte vor allem unter der Erde abspielt: bei den Rebellen aus District 13. Die haben Katniss vor den blutigen Reality-TV-Spielen der Regierung gerettet. In den Korridoren des braun-grauen Bunkers mit Overall-Pflicht wollen sie die junge Frau zum Gesicht der Revolution machen, zum "Mockingjay".

Trüber und trauriger

Abseits der Arena im Tunnelsystem der Rebellen erfährt die Fantasy-Saga einen Kurswechsel. Nicht nur die Stimmung und die Farben sind trüber geworden. Jennifer Lawrences Katniss ist trauriger, zorniger - vielleicht gebrochen von den Entbehrungen und Schrecken der Spiele. "Mockingjay" ist nicht mehr nur Teenie-Epos. Der Film vereint Elemente eines politischen Thrillers, Kriegsstreifen und Satire auf die Massenmedien. Seine Helden verheddern sich immer mehr in einem Netz aus unbeständigen Bündnissen, Verschwörungen und Machtspielen.

Streng: Julianne Moore verkörpert die Anführerin Alma Coin.
Streng: Julianne Moore verkörpert die Anführerin Alma Coin.(Foto: AP)

So viel soll vorweggenommen werden: Die Rebellen und ihre strenge Anführerin Alma Coin, verkörpert von der großartigen Julianne Moore, sind nicht unbedingt vertrauenserweckender als der barocke Machthaber von District 1. Donald Sutherlands Präsident Coriolanus Snow ist im dritten Film böse wie bekannt, dabei jedoch auf seine eigene Art stilvoll. Wie er Katniss und die Rebellen mit weißen Rosen bombardiert, wie er mit ihr kommuniziert - es spricht daraus eine heimliche Bewunderung für die rebellische Frau, die Coin hingegen völlig abgeht.

Ehrlicher Zorn

Wie Katniss mit perfekter Frisur und frischer Lara-Croft-Uniform für ein Propagandavideo die Fahne schwingen soll, da ist sie so gar nicht die Marianne. Sie muss erst zwischen den Toten und Sterbenden stehen, damit das Kamerateam um die tätowierte Hauptstadtflüchtige Cressida (Natalie Dormer, "Game of Thrones") den Mockingjay öffentlichkeitswirksam dokumentieren kann. In Katniss' Heimat-District hat die Regierung aus 90 Prozent der Bevölkerung verkohlte Knochen gemacht - ihr Zorn ist ehrlich.

Böse: Donald Sutherland als Präsident Coriolanus Snow.
Böse: Donald Sutherland als Präsident Coriolanus Snow.(Foto: AP)

Emotionale Tiefe gewinnt Katniss' Charakter jedoch erst durch die leise Abscheu, die Lawrence ihr mit so viel Gespür ins Gesicht schreibt. Anders, als man es von einem Franchise-Film erwarten würde. Ihre Zweifel an der Vermarktung von Leid auf beiden Seiten - ihrer wie der gegnerischen - sind beinahe genauso stark wie ihre Entschlossenheit, Teil des Aufstands zu sein. Der "Mockingjay" bewirbt die Revolution - und will doch eigentlich nur ihren Kameraden und Vielleicht-vielleicht-doch-nicht-Freund Peeta Mellark (Josh Hutcherson) retten. Der ist in die Fänge der Regierung geraten und wird Katniss poliertes Äquivalent in der Propagandamaschine.

Phillip Seymour Hoffman darf nochmal glänzen

Die Sache mit dem Krieg ist "Mockingjay" gelungen, doch der Film scheitert, seinen romantischen Handlungsstrang zu verkaufen. Peeta darf fast ausschließlich via Fernsehübertragung agieren - wer nicht gerade erst den letzten Panem-Film gesehen hat, für den will er einfach nicht als Katniss-Motivator funktionieren. Und auch ihr Kindheitsfreund Gale (Liam Hemsworth, Bruder von "sexiest Man alive" Chris) gibt nicht viel mehr her als den lahmen Schönling.

Philip Seymour Hoffman als Plutarch Heavensbee, in einem seiner letzten Filme.
Philip Seymour Hoffman als Plutarch Heavensbee, in einem seiner letzten Filme.(Foto: AP)

Für die eher schwache Leistung der Jungschauspieler entschuldigen die Auftritte der Großen in den kleinen Rollen. Elizabeth Banks' Effie Trinket ist abgeschminkt "Mockingjays" humoristischer Lichtblick. Phillip Seymour Hoffmans Darbietung als Nummer zwei der Rebellen, Plutarch Heavensbee, ist aufgrund seines überraschenden Todes zwar weniger prominent als geplant, doch trotzdem großartig.

Das Problem des gesplitteten Finales

"Mockingjay" funktioniert gut als rauer, pessimistischer Kriegsfilm - die Spiele sind zu Ende, das Geschlachte geht weiter. Städte sind in Schutt und Asche gelegt, voll von menschlichen Überresten - tot oder verwundet. Woran "Die Tribute von Panem" jedoch weiterhin scheitern, ist, mit düsteren Elementen trotzdem dem Teenager-Franchise gerecht zu werden. Sinkt Katniss im einen Moment noch zwischen Schädeln in sich zusammen, rettet sie bereits im nächsten die Katze ihrer Schwester. Es wirkt, als könne sich Regisseur Francis Lawrence (der mit der Hauptdarstellerin übrigens nicht verwandt ist) nicht entscheiden, ob seine Bilder eine grausame Realität zeigen oder ihr entfliehen wollen.

Gleichzeitig plagt "Mockingjay" das bereits von "Twilight" und "Harry Potter" bekannte Problem des gesplitteten Finales. Es passiert nicht viel. Im letzten Viertel des zweistündigen Streifens dürfen einige Rebellen einmal raus aus dem Bunker, dann der Cliffhanger. Der Film enttäuscht nicht, er ist streckenweise spannend und gibt seinen Charakteren neue Facetten. Allerdings stellt er bei Weitem nicht zufrieden. "Mockinjay Part 1" lässt sich hervorragend gucken als ein nettes Vorwort für die Geschichte, die hoffentlich nächstes Jahr in "Part 2" erzählt wird.

"Die Tribute von Panem - Mockingjay" läuft ab dem 19. November 2014 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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