Kino

"Zeit für Legenden" über Owens Als ein Schwarzer Hitler düpierte

ZEIT_FUER_LEGENDEN_Szenenbilder_07.jpg

Stephan James spielt Jesse Owens mit dem richtigen Augenmaß.

(Foto: SquareOne / Universum )

Es ist 1936. Olympische Spiele in Berlin. Die Nazis wollen das Ereignis zur Schauveranstaltung ihres Regimes und ihrer Rassenlehre machen. Doch dann läuft der dunkelhäutige Jesse Owens allen davon. Der Film "Zeit für Legenden" setzt ihm nun ein Denkmal.

Es ist kein Zufall, dass die erste ausführliche Filmbiografie über Jesse Owens just in diesem Jahr in die Kinos kommt. Schließlich jährt sich der Triumph des dunkelhäutigen US-Amerikaners bei den Olympischen Spielen von 1936 nun zum 80. Mal. Es ist also genau die richtige "Zeit für Legenden".

Eine Legende war Owens allerdings auch in den zurückliegenden Jahrzehnten schon allemal. Wer sich nur ein bisschen mit den Geschehnissen im Nationalsozialismus befasst hat, dürfte früher oder später über seinen Namen gestolpert sein. Schließlich ging Owens in die Geschichte ein als Mann, der Adolf Hitler düpiert hat. Auch darum rankt sich so manche Legende, denn ob der Diktator dem Sportler tatsächlich die kalte Schulter zeigte und gar den Handschlag verweigerte, wie bis heute kolportiert wird, ist durchaus umstritten.

Fakten und Fiktion

Am Ende ist diese Frage jedoch auch nicht entscheidend. Nicht nur für die sportliche, sondern auch und gerade für die historische Bedeutung von Owens reicht es völlig aus, dass er damals in Berlin vier Goldmedaillen geholt hat, mehrere Welt- und Olympia-Rekorde inklusive. Von den Menschen im Stadion umjubelt, führte er die Rassenidiotie der Nazis damit vor den Deutschen wie vor aller Welt anschaulich ad absurdum. Und allein das dürfte Hitler, der die Spiele nur zu gern als Schauveranstaltung für sein Regime und seine wirren Lehren instrumentalisiert hätte, zur Weißglut gebracht haben.

ZEIT_FUER_LEGENDEN_Szenenbilder_04.jpg

Zusammen wurden Owens und sein Trainer Larry Snyder (Jason Sudeikis) zum Erfolgsduo.

(Foto: SquareOne / Universum )

Im Sinne der dramatischen Zuspitzung bedient sich auch "Zeit für Legenden" manches unbewiesenen Klischees. Doch alles in allem beruht der Film weitgehend auf Fakten, wie etwa auch das Internet-Portal "History vs. Hollywood" herausgearbeitet hat, das regelmäßig Filme auf ihren Gehalt von Wahrheit und Fiktion hin abklopft. An der Entstehung des Streifens wirkten nicht nur Familienmitglieder von Owens mit, sondern auch die im Namen des Sportlers nach dessen Tod 1980 gegründete Stiftung.

Triumph und Gewissen

Die Grundzüge der Handlung sind also historisch verbürgt. Gerade mal 20 Jahre jung, verlässt Owens sein Elternhaus in Cincinnati in den von der Rassentrennung geprägten USA. An der Ohio-State-Universität nimmt Trainer Larry Snyder - allen Widerständen zum Trotz - den farbigen Sportler unter seine Fittiche. Schnell stellt sich heraus, dass Owens ein absolutes Ausnahmetalent ist. Er eilt von Triumph zu Triumph, im Mai 1935 stellt er im Weitsprung, im Kurzstrecken- und Hürden-Lauf an einem einzigen Tag fünf neue Weltrekorde auf, eine weitere derartige Bestleistung egalisiert er.

ZEIT_FUER_LEGENDEN_Szenenbilder_33.300dpi.jpg

David Kross verkörpert in "Zeit für Legenden" den deutschen Weitspringer Luz Long.

(Foto: SquareOne / Universum )

Die Frage, ob er ein Jahr darauf zu den Olympischen Spielen in Nazi-Deutschland reisen soll, wird zur Zerreißprobe für Owens Gewissen. Letztlich jedoch kann ihn Snyder zur Teilnahme überreden - mit dem bekannten Ausgang: Owens holt im Weitsprung ebenso die Goldmedaille wie über 100 und 200 Meter. Zudem landet er mit der 4-mal-100-Meter-Staffel der USA ganz oben auf dem Siegertreppchen, der einzige Erfolg mit fahlem Beigeschmack. Owens und ein weiterer Athlet ersetzten in der Staffel kurzfristig die beiden einzigen jüdischen Sportler im US-Team. Der Film suggeriert, dies sei auf Druck von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels geschehen. Das jedoch ist in der Realität ebenfalls nicht bewiesen.

Rassenwahn und Rassendiskriminierung

Der Qualität des Streifens tut das keinen Abbruch. Regisseur Stephen Hopkins, in der Vergangenheit häufiger im Horror-Genre und bei Serien wie "24" oder "House of Lies" unterwegs, ist mit "Zeit für Legenden" eine wirklich gelungene und bewegende Biografie-Verfilmung geglückt. Das liegt auch am starken Cast. Neben Stephan James und Jason Sudeikis, die als ungleiches Erfolgsduo Owens/Snyder brillieren, zählen dazu etwa auch die Oscar-Preisträger Jeremy Irons und William Hurt sowie der deutsche Shooting-Star David Kross, unter anderem bekannt aus "Krabat" und "Der Vorleser". Und mit Barnaby Metschurat als Joseph Goebbels darf ein weiterer Deutscher mal wieder in einer internationalen Produktion in die Rolle eines Nazi-Schergen schlüpfen.

Apropos internationale Produktion: Nicht zuletzt an den US-amerikanischen Markt gerichtet, spart der Film nicht mit deutlicher Kritik an der Rassenpolitik der USA zu jener Zeit. Kein Wunder, wird Owens doch auch mit diesem Zitat in Verbindung gebracht: "Hitler hat mich nicht brüskiert, sondern Franklin D. Roosevelt. Der Präsident hat mir nicht einmal ein Telegramm geschickt." Der Rassenwahn der Nazis und die Rassendiskriminierung der Amerikaner erscheinen dabei auf der Leinwand in einem ähnlich üblen Licht. So hält der Film den USA in einer Zeit, in der die Gräben zwischen Weißen und Schwarzen noch immer nicht überwunden sind, den Spiegel vor. Doch hierzulande sollte man nicht vergessen: Vernichtungskrieg und Völkermord waren Meister aus Deutschland.

"Zeit für Legenden" läuft ab 28. Juli 2016 in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen