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Brasch, Köhler und "Zehn Rosen" Der Magdeburger "Polizeiruf" im Schnellcheck

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Das Magdeburger Duo Brasch und Köhler (v.r.) am Tatort.

MDR/Stefan Erhard

Paul ist lieber eine Frau, Doreen hat immer noch Sorgen und der Chef einen neuen Job im Visier. Der vorletzte Fall des Duos, bevor Köhler den Dienst quittiert, verhebt sich an Transgender und Psychoanalyse.

Das Szenario

Die Magdeburger Ermittler Brasch (Claudia Michelsen), Köhler (Matthias Matschke) und Lemp (Felix Vörtler) wissen mal wieder nicht, worum sie sich zuerst kümmern sollen: um ihre privaten Baustellen, das berufliche Vorankommen - oder vielleicht doch den aktuellen Fall? Was den angeht, bekommen es die drei Kriminalen mit der toten Kim Pohlmann (Susanne Strach) zu tun. Brutal erschlagen und mit Band verschnürt, liegt die junge Frau am Fuße einer Industrie-Ruine. Die Umstände ihres Todes weisen offenkundig Parallen zu einem zurückliegenden Mord auf, auch die Prostituierte Jessica Peschke (Svenja Ipsen) war Jahre zuvor derart verpackt aufgefunden worden. Und es gibt eine Person, die beide gekannt hat: Blumenfrau Pauline (Alessija Lause), einst als Paul Schilling geboren, mittlerweile als Transgender-Frau auf hohen Hacken unterwegs. Lange Zeit wird hier ebenso dramatisch wie stoisch im Nebel gestochert, bis sich schließlich via Kriminalrat Lemp eine neue Perspektive auf den Fall ergibt. Der nämlich spielt mit dem Gedanken, den Ausbilderposten von seinem alten Kollegen Meier (André Jung) zu übernehmen und demzufolge das Revier zu verlassen. Das geht nicht nur Brasch gegen den Strich, auch Meier scheint da sein ganz eigenes Ding am Laufen zu haben.

Die eigentliche Botschaft

Damit tut man sich in dieser Gemengelage sicherlich schwer. Zunächst sieht es danach aus, als wolle man sich in Magdeburg ganz sachlich dem Thema Transgender widmen. Dafür aber greift man zu tief in die Klischeekiste, taucht alles in tiefrote Farben und setzt mehr auf große Geste statt sachlichen Kontext. Und am Ende ist es dann ja - wie so oft - sowieso alles ganz anders, verkommt die groß angelegte Rosen-Geschichte zu nicht viel mehr als einer knallig konstruierten, letztlich aber falschen Fährte.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Über Alessija Schilling, die man mit etwas sparsamer dosiertem Drama gern öfter sehen würde. Über Matthias Matschke, dessen Abschied, just da er sich in Magdeburg immer besser zurechtfindet, im nächsten Fall bevorsteht. Und womöglich The Fall - denn wann hat man im "Polizeiruf" zuvor schon einmal den unvergessenen Mark E. Smith und seine Band schimpfen und rocken gehört. Szenisch ein wenig deplatziert, dennoch ein genussvoller Griff in die Soundtrack-Kiste.

Der Plausibilitätsfaktor

Die Aktualität des Transgender-Themas verfliegt - leider - schnell. Zunächst sieht es so aus, als solle hier ein individuelles Schicksal hinterfragt und mit Denkanstößen ausgestattet werden. Dafür gerät die Storyline jedoch arg artifiziell und überstilisiert. On top eine "Ärztin", die Matschkes Hand ans eigene Gemächt packt … da ist die Grenze zum Absurden schnell überschritten. Die Schlusspointe ist dann durchaus charmant konstruiert, der Weg dorthin aber viel zu lang und hüftsteif beschritten.

Die Bewertung

5 von 10 Punkten. Magdeburg bleibt ein schwieriges Pflaster, das Timing zwischen privaten Petitessen und den groß angelegten Fällen eine Baustelle.

Quelle: n-tv.de

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