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BGH urteilt zu Ebay-Abzocke "Abbruchjäger" begehen Rechtsmissbrauch

"Abbruchjäger" auf Ebay haben es einzig und allein auf Schadenersatz abgesehen - sie bieten mit, um hinterher klagen zu können. Oft genug haben sie mit ihrer Masche Erfolg. Aber das wird sich dank eines Urteils des Bundesgerichtshofes ändern.

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(Foto: imago/Christian Ohde)

Systematische "Abbruchjäger" auf Ebay, die sich nur an Online-Auktionen beteiligen, um anschließend auf Schadenersatz klagen zu können, verhalten sich rechtsmissbräuchlich. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) klargestellt. Über die Schadenersatz-Klage eines als "Abbruchjäger" verdächtigen Mannes urteilten die Karlsruher Richter allerdings gar nicht, sondern wiesen sie aus formalen Gründen als unzulässig ab (Az.: VIII ZR 182/15).

"Abbruchjäger" schlagen Profit daraus, dass Verkäufer auf Ebay eine Auktion nur im Ausnahmefall abbrechen dürfen. Wer auf Ebay eine Auktion startet, darf sie nicht ohne Weiteres wieder abbrechen - zum Beispiel, weil kaum einer mitbietet oder sich vielleicht anderweitig ein Käufer gefunden hat. Ausnahmsweise erlaubt ist der Abbruch aus "berechtigten Gründen": wenn man sich beim Einstellen mit wichtigen Infos vertan hat oder die Ware inzwischen beschädigt oder gestohlen worden ist. Trotzdem gibt es immer wieder Verkäufer, die einen Rückzieher machen. Genau darauf spekulieren sogenannte Abbruchjäger: Sie steigern mit kleinem Einsatz in möglichst vielen Auktionen um teure Waren mit - in der Hoffnung, dass die Gebote im Keller bleiben und der Anbieter kalte Füße bekommt.

In dem konkreten Fall forderte der nicht zum Zug gekommene Bieter 4899 Euro Schadenersatz für ein inzwischen anderweitig verkauftes gebrauchtes Motorrad. Die Klage ist unzulässig, weil nicht er selbst geklagt hatte, sondern der Betrieb seines Vaters, in dessen Namen er das Ebay-Konto eingerichtet hatte. Damit geht er am Ende leer aus.

Ebay begrüßt das Urteil

In der Vorinstanz hatte das Landgericht (LG) Görlitz allerdings eine Fülle von Indizien zusammengetragen, die den Mann verdächtig machen. So versteckte er seine wahre Identität hinter zahlreichen Accounts und E-Mail-Adressen. Derart getarnt hatte er schon mehrfach versucht, Schadenersatz zu erstreiten, und gab bei Ebay weiter massenweise Angebote ab - zu einem Zeitpunkt im Gesamtwert von 215.000 Euro.

Die BGH-Richter wiesen ausdrücklich darauf hin, dass sie in dieser Wertung durch das LG keinen Rechtsfehler sehen. Ebay begrüßte das, bedauerte jedoch, dass "vom BGH keine klaren Kriterien aufgestellt wurden, um die erforderliche Rechtssicherheit zu schaffen". Das Unternehmen werde "weiterhin Bieter sanktionieren, wenn wir handfeste Anhaltspunkte für ein missbräuchliches Verhalten feststellen können", erklärte eine Sprecherin.

Der BGH hat auch in einem zweiten Ebay-Fall sein Urteil verkündet. Hier hatte der Verkäufer verbotenerweise von einem zweiten Konto aus selbst um seinen gebrauchten Golf mitgeboten (Shill Bidding) und den Preis in die Höhe getrieben. Ein unterlegener Mitbieter wollte von ihm deshalb 16.500 Euro. Auch dieser Mann hat schon weit über 100-mal Ebay-Verkäufer auf Schadenersatz verklagt (Az.: VIII ZR 100/15). Dennoch hat der Bundesgerichtshof den Schadensersatzanspruch des Klägers wegen der Manipulation der Auktion durch den Verkäufers bejaht.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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