Ratgeber
Nichtmal ein Viertel aller Interessenten schafft es tatsächlich an die Uni.
Nichtmal ein Viertel aller Interessenten schafft es tatsächlich an die Uni.(Foto: imago stock&people)
Mittwoch, 04. Oktober 2017

Bundesverfassungsgericht prüft: Bald niedrigere Hürden fürs Medizinstudium?

Über sieben Jahre auf einen Studienplatz warten - für angehende Mediziner ist das nicht ungewöhnlich. Nun gibt es Hoffnung für Studenten in spe. Das Bundesverfassungsgericht prüft, ob die Regeln für die Platzvergabe geändert werden müssen.

Wer Medizin studieren möchte, braucht ein Spitzen-Abitur - oder viel Geduld. Der Weg zu einem der begehrten Studienplätze führt über die Stiftung für Hochschulzulassung. Jetzt prüft das Bundesverfassungsgericht, ob die Vergabebedingungen mit dem Grundgesetz vereinbar sind.

Warum ist ein Auswahlverfahren nötig?

Auf jeden Studienplatz für Humanmedizin in Deutschland kommen mehrere Bewerber. Zum Wintersemester 2014/2015 gab es gut 9000 Studienplätze und knapp 43.000 Interessenten. 20 Jahre zuvor war das Verhältnis mit rund 7400 Studienplätzen für knapp 15.800 Bewerber noch deutlich entspannter. Einen sogenannten Numerus clausus (NC, lateinisch für begrenzte Anzahl) gibt es für zahlreiche Studienfächer. Er gilt entweder regional oder bundesweit, etwa bei Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie.

Was ist die Stiftung für Hochschulzulassung?

Sie wurde 2008 gegründet und löste die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) ab. Bei ihr müssen sich künftige Studenten bewerben. Grundlage für die bundesweite Vergabe sind Grundsatzurteile des Bundesverfassungsgerichts aus den 1970er Jahren, in denen das Teilhaberecht von Bewerbern an Studienplätzen und das Prinzip gleicher und sachgerechter Kriterien festgeschrieben worden waren.

Welche Wege führen zu einem Studienplatz in Humanmedizin?

Ein sehr gutes Abitur kann Bewerbern einen Studienplatz sichern. Nach den aktuellen Regeln werden 20 Prozent der Plätze nach diesem Kriterium vergeben. Ein weiteres Fünftel wird nach einer Wartezeit vergeben. Dafür ist aber viel Geduld erforderlich - inzwischen sind es bis zu 15 Semester. Die übrigen 60 Prozent der Studienplätze können die Hochschulen in einem eigenständigen Auswahlverfahren vergeben. Dabei sind sie innerhalb bestimmter Grenzen weitgehend frei - zumeist spielt aber auch dabei die Abiturnote eine wichtige Rolle. Bewerber können ihre Chancen durch zusätzliche Qualifikationen verbessern. Dazu gehört etwa eine Ausbildung zum Rettungsassistenten.

Worum geht es bei dem Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht?

Der Erste Senat verhandelt über Richtervorlagen des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen. Bewerber mit langer Wartezeit hatten geklagt. Nach Ansicht der Gelsenkirchener Kammer darf die Wartezeit auf einen Studienplatz nicht zu lang sein. Auch Bewerber mit einer schwächeren Abiturnote müssten eine realistische Chance auf Zulassung haben. Der Verzicht auf Landesquoten sei ungerecht, weil die Abiturnoten zwischen den einzelnen Bundesländern nicht vergleichbar seien. Hinter allem steht das Grundrecht der freien Berufswahl. Das Gelsenkirchener Gericht ist bundesweit zuständig für alle Verfahren gegen die Stiftung für Hochschulzulassung.

Wie könnte es weitergehen?

Das Verwaltungsgericht hält das Auswahlverfahren für teilweise verfassungswidrig, leitet daraus aber keinen direkten Zulassungsanspruch für den Kläger ab. Es sieht eine Verpflichtung des Gesetzgebers zur Korrektur. Sollten die Verfassungsrichter dem folgen und ihre Rechtssprechung weiterentwickeln, müssten die Regeln für die Vergabe möglicherweise überarbeitet werden.

Quelle: n-tv.de