Ratgeber
Eine Beschwerde über ein lahmendes Netz sollte immer auch mit einer Fristsetzung für eine angedrohte Minderung oder Kündigung einhergehen.
Eine Beschwerde über ein lahmendes Netz sollte immer auch mit einer Fristsetzung für eine angedrohte Minderung oder Kündigung einhergehen.(Foto: imago stock&people)
Mittwoch, 07. Februar 2018

Tenhagens Tipps: Ist Ihr Internetzugang auch zu langsam?

Dass die Werbung nicht immer hält, was sie verspricht, ist bekannt. Aber Leistungen, die vertraglich vereinbart wurden, sollten schon passen. Beim Thema Geschwindigkeit des Internets ist aber dies meist nicht der Fall. Finanztip-Chef Tenhagen, weiß, was dann zu tun ist.

Dass die Werbung nicht immer hält, was sie verspricht, ist bekannt. Aber Leistungen, die vertraglich vereinbart wurden, sollten schon passen. Beim Thema Geschwindigkeit des Internets ist aber dies meist nicht der Fall. Finanztip-Chef Tenhagen, weiß, was dann zu tun ist.

n-tv.de: Bei wie vielen Nutzern fließen denn die Daten langsamer als vom Anbieter behauptet?

Hermann-Josef Tenhagen: Bei ganz, ganz vielen. Nur circa 12 Prozent der Kunden bekommt tatsächlich die vereinbarte Geschwindigkeit von ihrem Anbieter. Das heißt, 88 Prozent sind deutlich langsamer unterwegs. Davon sind drei Viertel der Nutzer beim halben Tempo hängengeblieben – oder auch hängengelassen worden. Das hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) bei der Messung von knapp einer halben Million Haushalte herausgefunden.

Wie kann man die die tatsächliche Geschwindigkeit herausfinden?

Das kann man mit einer Breitbandmessung herausfinden, dem offiziellen Test der BNetzA. Das ist relativ einfach. Was nicht ganz so einfach ist, ist herauszufinden, ob tatsächlich der Netzbetreiber verantwortlich ist. Dabei sollten Sie einige einfache Hinweise beachten:

Vermeiden Sie eigene Fehlerquellen, indem Sie den Computer direkt per Lan-Kabel ans Internet anschließen und im Zweifel mit einem zweiten Rechner nachmessen. Es kann nämlich auch sein, dass die Drosselung an den Einstellungen des eigenen Rechners liegt. Dies sollte ausgeschlossen sein, bevor weitere Schritte unternommen werden.

Und wenn es auch beim zweiten Rechner lahmt? Wie sollten Betroffene reagieren?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Zunächst einmal sollte der Netzbetreiber kontaktiert und auf die Minderleistung hingewiesen werden. Im Normalfall wird der Anbieter dann aktiv und von draußen schauen, was nicht passt. Vielleicht schickt er auch einen neuen Router. Wenn alles nichts hilft, muss ein Techniker kommen.

Was, wenn der Anbieter das Thema nicht in den Griff bekommt? 

Wenn dann immer noch nicht die versprochene Geschwindigkeit zur Verfügung steht, hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Dies ist ein guter Anlass den Internetanbieter zu wechseln. Das kann man innerhalb weniger Wochen wahrnehmen. Wenn der Kunde denn überhaupt kündigen möchte. Wem das langsamere Tempo eigentlich ausreicht, der kann auch den Preis mindern. Und zwar in der Höhe, welche der tatsächlichen Geschwindigkeit entspricht. Die Netzbetreiber bieten ja verschiedene Geschwindigkeiten an. Das kann als Orientierung helfen.

Ist für eine Minderung eine Fristsetzung erforderlich?

Unbedingt! Nur Meckern hilft nicht. Die Beschwerde muss immer auch mit einer Fristsetzung für eine angedrohte Minderung oder Kündigung einhergehen. Eine jeweilige Frist von 14 Tagen halte ich hier für angemessen. Ein Sonderkündigungsrecht sollte nach circa einem Monat greifen. Abgesehen davon, kann sich der verärgerte Verbraucher auch an die Beschwerdestelle der Bundesnetzagentur wenden. Dies könnte dem Anbieter auch Beine machen. Das Verfahren ist kostenlos.

Kann man bei einer Minderleistung auch rückwirkend Geld vom Anbieter zurückverlangen?

Preisminderungen gelten frühestens ab dem Zeitpunkt der Beschwerde. Denn weder der Kunde noch der Netzbetreiber können wissen, ob auch schon zuvor die Leistung vermindert war. Ein weiterer Grund den Anbieter frühzeitig über den Mangel zu informieren.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de