Ratgeber

Viel Fleisch, wenig Vitamine Kita-Essen ist selten gut

Rund 1,8 Millionen Kinder essen in ihrer Kita zu Mittag. Doch das, was dort auf den Tellern landet, ist häufig weder kindgerecht noch ausgewogen.

Zu viel Fleisch, zu wenig Obst und vorgekochtes Mittagessen: Kindergartenkinder bekommen in Deutschland nur selten ausgewogene Ernährung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Nur jede dritte Kita orientiert sich demnach an anerkannten Qualitätsstandards, etwa den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Nur zwölf Prozent der bundesweit rund 1080 befragten Kitas bieten den Kindern genügend Obst an, nur 19 Prozent haben ausreichend Salat oder Rohkost auf dem Speiseplan.

Fisch ist ebenfalls zu selten im Angebot: Empfohlen werden mindestens viermal Fisch binnen 20 Tagen, doch daran hält sich nur etwa jede dritte Kita. Fleisch hingegen ist deutlich überrepräsentiert, bei drei Viertel der Tageseinrichtungen kommt es viel zu häufig auf den Teller.

Nur in jeder dritten Kita wird selbst gekocht, die meisten sind darauf gar nicht vorbereitet. Meist ähnelten die Küchen denen von Privathaushalten, zudem fehle es oft an hauswirtschaftlichem Personal, heißt es in der Studie. Die Mehrheit der Kitas lässt das Essen deshalb von externen Anbietern anliefern. Doch die Caterer sind noch zu wenig auf kindgerechte Verpflegung ausgerichtet: Nur jeder zehnte Lieferant bietet ein spezielles kindgerechtes Mittagessen an.

Vier Euro pro Essen wären nötig

Die Autoren um Ulrike Arens-Azevêdo von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg bemängeln in ihrer Studie neben fehlenden verbindlichen Qualitätsstandards auch eine Unterfinanzierung der Kita-Verpflegung. In den meisten Bundesländern ist die Finanzierung nicht einheitlich geregelt, abhängig vom Einkommen zahlen Eltern derzeit zwischen 75 Cent und 6 Euro für eine Mittagsmahlzeit, im Durchschnitt sind es 2,40 Euro. Eine gesunde und ausgewogene Mittagsverpflegung kostet der Studie zufolge aber mindestens vier Euro.

Wenn jedes Kind, das in seiner Kita isst, täglich ein gesundes Mittagessen erhalten soll, müssten demnach bundesweit jährlich 1,8 Milliarden Euro aufgewendet werden. Das seien bis zu 750 Millionen Euro mehr, als Eltern heute ausgeben.

Bundesweit essen inzwischen mehr als 1,8 Millionen Kinder in ihrer Kita zu Mittag, bei den unter dreijährigen Kita-Kindern liegt der Anteil bei knapp 80 Prozent. Bundesweite Querschnittstudien weisen auf ein bedenkliches Essverhalten hin, das oft schon im Kleinkindalter beginnt. So sind laut dem Kinder- und Jugendsurvey des Robert-Joch-Instituts schon neun Prozent der Drei- bis Sechsjährigen übergewichtig.

Quelle: ntv.de, ino/AFP