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Es kann sich lohnen, den Rentenbescheid überprüfen zu lassen.
Es kann sich lohnen, den Rentenbescheid überprüfen zu lassen.(Foto: imago/allOver-MEV)
Freitag, 13. Juli 2018

Kleiner Fehler : Rentnerin bekommt 51.000 Euro Nachzahlung

Mitunter kann es lohnen, seinen Rentenbescheid prüfen zu lassen, wie der Fall einer Witwe zeigt. Da ihr versehentlich 18 Jahre lang nur die kleine Witwenrente statt der großen ausgezahlt wurde, bekommt sie nun eine satte Nachzahlung und eine Rentenerhöhung.

Klar ist, nur ein vollständiges und aktuelles Versicherungskonto ist die Grundlage für eine korrekte Berechnung der Rente. Doch manchmal versäumt auch die Deutsche Rentenversicherung, mit den vorhandenen Daten korrekt umzugehen, wie ein Fall einer Münchner Witwe zeigt.

Diese hatte eigentlich nur ihren Rentenbescheid wegen Altersrente prüfen lassen wollen, als ein Rentenberater des Sozialverbands VdK entdeckte, dass ihr für 18 Jahre zu wenig Hinterbliebenenrente gezahlt wurde. Denn als die Frau 36 Jahre alt war, verstarb ihr Ehemann, woraufhin sie die sogenannte kleine Witwenrente erhielt. Doch ab ihrem 45. Geburtstag hatte sie Anspruch auf die große Witwenrente gehabt. Die Umstellung hatte die Rentenversicherung vergessen. Auf die Nachfrage des VdKs hin stellte die Rentenversicherung einen neuen Bescheid aus, der nun zusätzlich zu ihrer Altersrente die große Witwenrente enthielt, was einen monatlichen Zuschlag von 340,64 Euro bedeutet. Zudem erhielt die Witwe eine Nachzahlung in Höhe von 51.279,11 Euro. 

Grundsätzlich gilt: Heiraten zwei Menschen und ist einer von ihnen gesetzlich rentenversichert, hat der oder die Hinterbliebe im Todesfall des Versicherten oftmals einen Anspruch auf Hinterbliebenenrente. Vorausgesetzt, der "Vererbende" hat mindestens fünf Jahre in die Rente eingezahlt und die Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft bestand mindestens für ein Jahr.

Kleine oder große Witwenrente?

Denn wird eine Ehe nur deshalb geschlossen, um dem Partner eine Rente zu sichern, lehnt die Rentenversicherung meist eine Zahlung ab, weil eine sogenannte "Versorgungsehe" zu vermuten ist, die einzig und allein deshalb geschlossen wurde, um Witwe oder Witwer eine Hinterbliebenenrente zur sicheren Versorgung zu verschaffen.

Kann eine Versorgungsehe ausgeschlossen werden und hat der verstorbene Ehepartner die sogenannte Wartezeit erfüllt, steht der Gewährung einer Witwen- oder Witwerrente auf Antrag nichts mehr im Wege. Dabei wird zwischen einer kleinen und einer großen Witwenrente unterschieden.

Um die große Witwenrente zu beziehen, muss der Hinterbliebene zum Zeitpunkt des Todes des Partners 45 Jahre und 4 Monate alt sein. Wenn ein minderjähriges oder behindertes Kind erzogen wird oder der oder die Hinterbliebene selbst erwerbsgemindert ist, gibt es auch die große Witwenrente. Auch dann, wenn das oben genannte Mindestalter noch nicht erreicht ist.

Die Höhe der großen Witwenrente beträgt 55 Prozent der Rente, die die Versicherung dem verstorbenen Partner zum Todeszeitpunkt gezahlt hat oder hätte, wenn die Verbindung seit 2002 (neues Recht) amtlich ist. Für davor geschlossene Ehen (altes Recht) gibt es 60 Prozent. Ungeachtet dessen wird die große Witwenrente lebenslang gezahlt. Außer bei Wiederheirat - dann entfällt der Anspruch. Dann hat der Hinterbliebene aber die Möglichkeit, eine Abfindung in Höhe zwei Jahresrenten aufgrund der Bezüge des vorangegangenen Jahres zu beantragen. 

Die kleine Witwenrente beträgt 25 Prozent der tatsächlichen oder möglichen Rente des verstorbenen Versicherten. Für nach 2002 geschlossene Ehen oder Lebenspartnerschaften ist die Zahlung aber in der Regel auf 24 Monate befristet. Wird der Hinterbliebene in der Bezugszeit aber 45 Jahre und fünf Monate alt, rutscht dieser in die große. Wer vor 2002 geheiratet hat und wenn ein Ehepartner vor dem 2. Januar 1962 geboren wurde, hat hingegen lebenslangen Anspruch auf die kleine Witwenrente.

Quelle: n-tv.de