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Zwei Jahre nach Flexstrom-Pleite Wann gibt es endlich Geld zurück?

Flexstrom? Richtig, da war doch was. Vor gut zwei Jahren ist der Billig-Versorger in die absehbare Insolvenz geschlittert. Seitdem warten hunderttausende Ex-Kunden auf ihr Geld. Sie werden noch eine Menge Geduld brauchen.

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Flexstrom war bis 2013 einer der größten unabhängigen Versorger in Deutschland.

(Foto: imago stock&people)

Flexstrom stand jahrelang für billigen Strom und windige Geschäftsmodelle. Vor gut zwei Jahren hat der Energieversorger Insolvenz angemeldet. Seitdem warten rund eine halbe Million Kunden auf ihr Geld. Und es sieht so aus, als bräuchten sie noch eine ganze Weile Geduld. Frühestens Ende 2018 könnten die Gläubiger mit einer Auszahlung rechnen, sagte die Berliner Rechtsanwältin Astrid Düring, die den Fall an der Seite von Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger betreut. "Derzeit steht noch kein Betrag zur Verteilung an die Insolvenzgläubiger zur Verfügung." Bislang sei auch noch unklar, wie viel Geld die Ex-Kunden überhaupt wiedersehen.

Laut Düring geht es insgesamt um eine Summe von rund 569 Millionen Euro. Sie verteilt sich auf 835.000 Gläubiger, rund 594.000 von ihnen haben bislang Forderungen angemeldet. Gemessen an der Gläubigerzahl ist der Fall Flexstrom das größte Insolvenzverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik. Unter denen, die Geld erwarten, sind Netzbetreiber und Stromlieferanten. Der größte Teil sind aber Kunden, die Verträge bei Flexstrom, Flexgas oder den Ökostromtöchtern Optimalgrün und Löwenzahn Energie hatten. Viele von ihnen hatten Vorkasse überwiesen und mussten nach der Flexstrom-Pleite nochmal Strom beim Grundversorger bezahlen.

Noch ist es nicht zu spät

Bis Ende 2013 konnten die Betroffenen ihre Forderungen anmelden. Für die rund 241.000, die das nicht gemacht haben, ist der Zug aber noch nicht abgefahren. Sie können sich immer noch schriftlich beim Insolvenzverwalter melden, müssen dann aber die 20 Euro Kosten für die Prüfung der Ansprüche selbst übernehmen. Ob die Anmeldung erfolgreich war, können die Ex-Kunden mit einer PIN im Gläubigerinformationssystem überprüfen. Dort werden sie auch über den Fortgang des Verfahrens informiert.

Die Aufnahme in das System bedeutet aber leider nicht, dass das Geld bald auf dem Konto landet. Hieß es zunächst noch, dass die Kunden womöglich schon 2015 oder 2016 mit Rückzahlungen rechnen könnten, hat sich die Aussicht inzwischen um ein paar Jahre nach hinten verschoben. Das liegt auch daran, dass aktuell noch gegen die Brüder Robert und Thomas Mundt ermittelt wird, die beiden Flexstrom-Gründer und Hauptanteilseigner. Sie sollen Flexstrom unter anderem durch fragwürdige Deals in die Bredouille gebracht haben. Deshalb will der Insolvenzverwalter auch Haftungsansprüche gegen die beiden ehemaligen Geschäftsführer prüfen. Noch ist aber unklar, ob und wie viel Geld bei ihnen zu holen ist. Laut dem Insolvenzverwalter wird frühestens Ende 2017 feststehen, wie viel Masse überhaupt zu verteilen ist.

Aus der Insolvenzmasse und der Anzahl der Gläubiger ergibt sich die sogenannte Insolvenzquote. Und die entscheidet am Ende darüber, wie viel jeder Einzelne zurückbekommt. Bei einer Quote von einem Prozent werden aus einer Forderung von 200 Euro gerade mal 2 Euro. Bei den meisten Insolvenzverfahren liegt die Insolvenzquote im einstelligen Bereich, doch selbst wenn bei Flexstrom mehr herauskäme, müssen sich die Ex-Kunden damit abfinden, dass der Großteil ihres Geldes verloren ist. Ob sich die 20 Euro Nachmeldekosten für Gläubiger überhaupt lohnen, ist also fraglich.

Auch andere Anbieter machen Ärger

Vorkassetarife, wie sie bei Flexstrom üblich waren, sind aus Stromvergleichen inzwischen weitgehend verschwunden. Das macht das Insolvenzrisiko für die Kunden überschaubarer. Trotzdem sollte man bei Billigstromangeboten skeptisch bleiben. Manche Anbieter ködern Neukunden mit hohen Boni, tricksen dann aber, wenn die Prämien ausgezahlt werden sollen. So hat die Verbraucherzentrale NRW im vergangenen Jahr Almado Energy – heute: 365 AG – erfolgreich abgemahnt, weil die Firma systematisch versucht hat, sich um die Verrechnung des Bonus herumzudrücken.

Ein klassisches Ärgernis sind auch verzögerte Abrechnungen, gerade dann, wenn die Abschlagszahlungen vergleichsweise hoch angesetzt waren. So klagen beispielsweise diverse Extraenergie-Kunden nicht nur über versteckte Preiserhöhungen, sondern auch über Abrechnungen, die erst Monate später ausgezahlt werden.

Wer den Stromanbieter wechseln will – was durchaus sinnvoll ist -, sieht sich vorher am besten auf einschlägigen Beschwerdeforen um, etwa bei Reclabox oder beim Bund der Energieverbraucher. Dort kann man gezielt nach Einträgen zu bestimmten Anbietern suchen. Und wenn eine Firma hunderte Einträge auf sich vereint, lässt man besser die Finger weg.         

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Quelle: n-tv.de, ino/dpa

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