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Kinder als Motiv Was darf man mit den Fotos machen?

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Ein Selfie mit dem Nachwuchs? Kann man machen, muss man aber nicht gleich posten.

(Foto: imago/Westend61)

Wenn Jugendliche Selfies posten, ist das ihre eigene Entscheidung. Wenn Eltern Bilder ihrer Sprösslinge ins Netz stellen, wird der Nachwuchs oft gar nicht gefragt. Was sollten Erwachsene beim Umgang mit Kinderfotos beachten? Und darf man Kinder überhaupt ohne Weiteres ablichten?

Die heutigen Erwachsenen blättern durch dicke Fotoalben, wenn sie Bilder aus ihrer Jugend sehen wollen. Vielen Kindern wird künftig schon ein  Blick in die Facebook-Timelines ihrer Eltern reichen. Kinderfotos, die man früher nur im Kreis der Verwandten und Bekannten herumreichte, werden heute via Facebook, E-Mail oder Whatsapp präsentiert. Anders als beim Fotoalbum können Eltern hier aber nicht sicher sein, wer die Bilder zu Gesicht bekommt und was mit ihnen passiert. Digitale Bilder lassen sich leicht verbreiten und sind überdies auch viel einfacher herzustellen als analoge. Darf man Kinder überhaupt nach Belieben fotografieren und die Bilder weitergeben?  Erwachsene sollten sich über den Umgang mit Kinderfotos ein paar Gedanken machen.

Darf man fremde Kinder fotografieren?

Die tobende Meute beim Kindergeburtstag oder das aparte Mädchen beim Trachtenumzug – es ist nicht immer der eigene Nachwuchs, der vor die Linse kommt. Aber darf man fremde Kinder überhaupt ohne Weiteres fotografieren? Grundsätzlich: Ja. Man muss also nicht zuerst die Eltern fragen. Wohl aber das Modell, das sollte mit dem Ablichten einverstanden sein.

Kritisch wird es, wenn Bilder fremder Kinder weitergegeben oder veröffentlicht werden sollen. Dafür ist die Einwilligung der Mutter oder des Vaters erforderlich. Wer also beispielsweise die Schnappschüsse der letzten Kita-Feier auf Facebook stellen will, sollte sich vorher erkundigen, ob das den Eltern auch Recht ist. Die wiederum sollten sich im Klaren darüber sein, dass ihre Entscheidung eine gewisse Tragweite hat: Sind die Kinder irgendwann erwachsen, können sie die Einwilligung ihrer Eltern nicht einfach zurückziehen.

Das Recht am eigenen Bild gilt übrigens auch für Klassenfotos oder andere Bilder, die an der Schule entstehen. Niemand darf hier ohne Zustimmung geknipst werden und vor einer Veröffentlichung sind unbedingt die Eltern zu fragen.

Ist Nacktheit grundsätzlich tabu?

Kinder, die nackt im Planschbecken toben, stolz auf dem Töpfchen sitzen oder mehr oder weniger lasziv beim Verkleiden posieren -  ähnliche Bilder finden sich in vielen Familienalben. Früher hat sich auch kaum jemand etwas dabei gedacht, in solchen Situationen auf den Auslöser zu drücken.  Das hat sich spätestens nach der Edathy-Affäre und der daraus folgenden Neufassung des entsprechenden Paragraphen im Strafgesetzbuch geändert.

Eltern müssen aber auch künftig keine Konsequenzen befürchten, wenn sie Kinder bei Sachen fotografieren, die Kinder nun mal so tun. Nacktbilder sind in Ordnung, solange sie im privaten Fotoarchiv landen. Verboten ist es allerdings, Nacktaufnahmen von Minderjährigen zu verkaufen. Das regelt der neugefasste Paragraf 201 des Strafgesetzbuchs. Ob es sich dabei tatsächlich um pornografisches Material handelt, tut nichts zur Sache. Egal ob ein Zehnjähriger nackt am Strand Sandburgen baut oder sich in eindeutigen Posen räkelt- beide Motive darf man nicht kommerziell verwerten, auch der Ankauf ist strafbar. Es gibt aber Ausnahmen, etwa für Bilder im Dienste der Kunst, der Wissenschaft oder der Lehre.

Eine genaue Definition von Nacktheit hat der Gesetzgeber übrigens nicht getroffen. Ist ein Kinde nackt, wenn es einen knappen Slip trägt oder hinter einem transparenten Tuch zu sehen ist? Solche Fragen werden im Zweifel die Gerichte klären müssen.  

Ist es heikel, Kinderbilder auf Facebook zu teilen?

Viele Eltern halten die eigenen Kinder ganz bewusst aus sozialen Netzwerken heraus. Andere zeigen Freunden und Familie bereitwillig via Facebook den eigenen Nachwuchs, das geht vom ersten Bild des Neugeborenen bis zum Schnappschuss von der Familienfeier. Manche gehen so weit, den Nachwuchs aufs eigene Profilfoto zu hieven, andere legen eigene Accounts für die Jüngsten an. Rechtlich ist das alles legal, denn es sind schließlich die Eltern, die über die Bilder ihrer Kinder entscheiden dürfen. Doch das setzt auch ein gewisses Verantwortungsgefühl voraus.

Gefahren gehen dabei nicht nur von Pädophilen aus, die in sozialen Netzwerken nach Bildern und manchmal auch nach potentiellen Opfern suchen. Auch wenn Fotos in die Hände von Klassenkameraden gelangen, kann das für Kinder verletzend sein. Ältere Kinder können widersprechen, wenn ihnen Bilder unangenehm sind. Jüngere müssen dagegen mit den Entscheidungen ihrer Eltern leben, denn Bilder, die einmal online sind, lassen sich nicht einfach zurückholen – auch dann nicht, wenn sie vermeintlich nur einem beschränkten Personenkreis angezeigt werden.

Wer Bilder seiner Lieben postet, sollte sich auf jeden Fall mit mit Facebooks Datenschutzrichtlinien auseinandersetzen. Über die Privatsphäre-Einstellungen kann man festlegen, dass die Bilder wirklich nur für die eigenen Freunde sichtbar sind, nicht auch noch für deren Freunde oder die Öffentlichkeit. Die unkontrollierte Verbreitung lässt sich dadurch trotzdem nicht verhindern, schließlich können digitale Bilder einfach abgespeichert und kopiert werden.  Bilder, die nicht für alle Welt bestimmt sind, klebt man also am besten auch weiterhin ins Fotoalbum.

Quelle: n-tv.de

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