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Was genau sind SPACs eigentlich? Wenn Anleger nicht wissen, wo sie anlegen

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Viele Wege führen aufs Parkett ...

(Foto: picture alliance / Klaus Ohlenschläger)

Eine Hülle als Investment? Geht an der Börse durchaus. Sogenannte SPACs sind derzeit bei vielen gefragt. Die Investition birgt aber einige Risiken.

Börsengänge von Firmen, die kein operatives Geschäft haben, sind an den US-Börsen derzeit angesagt. Mehr als 80 Milliarden US-Dollar haben Anleger in den USA im vergangenen Jahr in solche sogenannten SPACs-IPOs investiert. Tendenz steigend. Auch Kleinanleger sollen so Zugang zu kleinen, zukunftsträchtigen Unternehmen bekommen. Ist da was dran? Wichtige Fragen und Antworten:

Was genau sind SPACs eigentlich?

SPAC steht für "Special Purpose Acquisition Company", also eine "Gesellschaft zum speziellen Zweck einer Übernahme". "Es handelt sich dabei um leere Mantelgesellschaften ohne operative Tätigkeit, die über einen Börsengang Kapital von Anlegern einsammeln", erklärt Anja Schuchhardt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Geschäftszweck ist, innerhalb einer bestimmten Frist ein geeignetes operatives Zielunternehmen zu finden und zu erwerben, das dann an die Börse gebracht wird." An die Börse geht also ein Unternehmen, das plant, ein anderes Unternehmen zu kaufen. Bis ein geeignetes Unternehmen gefunden ist, wird das Geld der Investoren fest angelegt. Gelingt es in dem angegebenen Zeitfenster nicht, ein passendes Unternehmen zu finden, wird die SPAC liquidiert und die Anleger bekommen ihr Geld zurück.

"Klingt erst mal super", sagt Jella Benner-Heinacher, von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sei aber so nicht ganz richtig. "Vom Einstandskurs gehen Kosten ab, außerdem bekommen die Gründer mehr ausgezahlt, als der einfache Aktionär."

Und zwar einiges mehr, wie Michael Klausner, Professor an der Universität Stanford ausgerechnet hat. Klausners Studie zufolge machten die Gründer zwischen Januar 2019 und Juni 2020 durchschnittlich 500 Prozent Rendite. Für die Anleger lief es deutlich schlechter.

Klausner errechnete, dass von den 10 US-Dollar, die für die Aktie des SPACs bezahlt wurden, nur noch 6,67 US-Dollar übrig waren, wenn der durchschnittliche SPACs sein Wunschunternehmen gefunden hatte. Der Grund: Die Suche nach einem geeigneten Unternehmen ist teuer. "Je fleißiger die SPACs gesucht hat, desto höher können die Kosten ausfallen", erklärt Jella Benner-Heinacher.

Was bringt die Investition also?

Die Bafin sieht SPACs grundsätzlich als einen weiteren Weg, der Unternehmen bei der Kapitalaufnahme unterstützen kann. Vor allem für Startups können solche Deals interessant sein. Denn ein normaler Börsengang ist in der Regel mit einigem Aufwand und Kosten für das Unternehmen verbunden.

Das liegt unter anderem an den Regeln, die bei einem traditionellen Börsengang eingehalten werden müssen. Beispielsweise müssen die Manager auf einer Roadshow um Investoren werben. Lässt sich das Startup hingegen von einer SPAC übernehmen, hat es eine überschaubare Anzahl Ansprechpartner, der Preis der Übernahme ist klar, viele Verhandlungen bleiben aus. Das übernommene Unternehmen kommt an frisches Kapital.

Für SPACs selbst aber gelten die gleichen Regeln, wie für alle anderen börsennotierten Unternehmen. "Unser Hauptaugenmerk ist daher vor allem darauf gerichtet, dass SPACs die notwendige Transparenz aufweisen", sagt Anja Schuchhardt. "Vom Prospekt über Ad-hoc-Meldungen und Stimmrechtsmitteilungen bis hin zu den veröffentlichungspflichtigen Transaktionen der Führungskräfte."

Wo liegen die Risiken?

Das lässt sich am besten an einem Beispiel erklären: Germany1. Was sich anhört, wie die erste deutsche Rakete im Weltraum, war im Juli 2008 die erste deutsche SPACs. Gegründet unter anderem von Berater Roland Berger und Manager Thomas Middelhoff. Die kauften von dem an der Börse eingenommenen Geld die AEG Power Solutions. Keine gute Wahl. Das Unternehmen musste 2017 Insolvenz anmelden.

Diese erste Pleite beschreibt das Problem eines solchen Investments ziemlich genau. Der Anleger weiß nicht, in was er anlegt. "Anlegern muss klar sein, dass sie nicht in etablierte Geschäftsmodelle investieren, sondern darauf vertrauen müssen, dass die Initiatoren attraktive Unternehmen akquirieren", sagt Anja Schuchhardt.

Da SPACs als neu gegründete Unternehmenshüllen aber keine beziehungsweise kaum Angaben zur Unternehmenshistorie, Positionierung im Wettbewerb oder einer Zukunftsstrategie machen können, ist der Informationsgehalt deutlich niedriger als bei einem klassischen IPO. Der Anleger verlässt sich auf die Expertise der SPAC-Manager. Er kauft "die Katze im Sack", sagt Jella Benner-Heinacher von der DSW. "Sie wissen beim Börsengang weder, welches Unternehmen gekauft wird, noch wie erfolgreich es ist."

Aber gibt es auch Chancen?

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Befürworter sagen, dass SPACs gerade Kleinanlegern die Möglichkeit bieten, in aussichtsreiche Techfirmen zu investieren. Etwas, das sonst meist nur Venture-Capital-Gesellschaften vorbehalten ist. Doch je mehr SPACs sich auf dem Markt tummeln, desto schwieriger wird es, ein hoffnungsvolles Unternehmen zu finden. Und nicht nur das: "Je mehr SPACs nach einem tollen Startup suchen, desto höher wird der Preis, den das Startup fordern kann", sagt Jella Benner-Heinacher.

In den USA hat es allein bis Ende März 2021 knapp 300 SPACs Börsengänge gegeben, mehr als 2020 zusammen. Unter diesen Bedingungen wird es sicher nicht leichter, ein hoffnungsvolles Startup zu einem guten Preis zu finden.

Quelle: ntv.de, Beate Kaufmann, dpa

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