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Renditeturbo Crowdinvesting Wer Pech hat, verliert alles

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Bis zu zehn Prozent Zinsen versprechen Crowdinvesting-Plattform. Das lässt renditehungrige Anleger hellhörig werden. Doch die Aussicht auf hohe Gewinne muss teuer erkauft werden.

Beim Crowdfunding geben Investoren Geld für eine Idee, die sie gut finden und die sie gern verwirklicht sehen möchten. Beim Crowdinvesting geben sie Geld für Unternehmen, von dem sie sich hohe Gewinne versprechen. Verbraucherschützer beobachten das wachsende Interesse an den Geldanlagen über Internet-Plattformen mit Skepsis. "Die Renditen sind beim Crowdinvesting meist deutlich höher als beispielsweise auf dem Tagesgeldkonto, aber das Risiko ist auch größer", sagte Wolf Brandes, Finanzmarktwächter bei der Verbraucherzentrale Hessen. Nach Beobachtung der Verbraucherschützer werden feste oder variable Zinsen von durchschnittlich 4,5 Prozent geboten, in der Spitze sind es 10 Prozent.

Beteiligungen sind schon mit relativ geringen Beträgen möglich, manchmal reichen ein paar 100 Euro. Das könnte die Hemmschwelle für Einsteiger senken. "Anleger sollten die Risiken und Chancen und insbesondere die Ausgestaltung der Verträge genau prüfen", mahnt Brandes. "Das Risiko reicht bis zum Totalverlust des Geldes im Falle einer Insolvenz." Die Abwicklung läuft normalerweise über Internetplattformen, die Geld für die Finanzierung von Startups, Windparks oder ähnlichen Unternehmen einsammeln. Ist die Firma erfolgreich, erhalten die Anleger Zinsen oder eine Gewinnbeteiligung. Häufig handelt es sich aber um oder erfolgsabhängige Darlehen oder um Nachrangdarlehen. Bei denen bekommen die Investoren ihr Geld erst, wenn alle anderen Gläubiger ausbezahlt wurden. Beide Anlageformen zählen zum "Grauen Kapitalmarkt", bei dem die staatliche Kontrolle geringer ist.

Geld für Immobilienprojekte

Besonders häufig sammeln die Plattformen nach Beobachtung der Verbraucherschützer Geld für Immobilienprojekte ein. Auf Rang zwei folgen erneuerbare Energien, insbesondere aus dem Bereich Photovoltaik. Ein Massenphänomen ist Crowdinvesting nicht. Nach einer Umfrage der Marktwächter haben bislang lediglich zwei Prozent von rund 1000 befragten Internetnutzern Geld über Plattformen im Netz angelegt. Für die Zukunft können sich aber 15 Prozent ein solches Investment vorstellen.

Das Problem aus Sicht von Verbraucherschützern: "Für Unternehmen, die sich mit bestimmten Instrumenten über Crowdinvesting-Plattformen finanzieren, gelten geringere Informationspflichten als sonst im "Grauen Kapitalmarkt"", kritisierte Dorothea Mohn, Leiterin des Finanzmarkt-Teams beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Wer beispielsweise über eine Plattform per Nachrangdarlehen weniger als 2,5 Millionen Euro einsammele und die Beteiligung pro Anleger auf maximal 10.000 Euro deckele, müsse keinen Verkaufsprospekt erstellen.

Aus Sicht der Verbraucherschützer ist der "Graue Kapitalmarkt" generell unzureichend reguliert. Bei vielen Produkten sei beispielsweise die Preisbildung unklar: "Passt die versprochene Rendite zum Risiko? Sind die Vermögenswerte verlässlich bewertet?" meint Mohn. Trotzdem lasse der Gesetzgeber zu, dass Graumarktprodukte aktiv vertrieben würden. "Was wir brauchen, ist eine Beschränkung des Vertriebs", forderte die Verbraucherschützerin.

Anleger, die mit einem Investment liebäugeln, sollten genau zu prüfen, ob sie bereit sind, für die versprochenen Zinsen ein Totalverlustrisiko in Kauf zu nehmen, rät die Verbraucherzentrale Hessen. Bei mehrjährigen Laufzeiten sollten sie außerdem überlegen, ob sie tatsächlich so lange auf das Geld verzichten können. Denn bei einem vorzeitigen Ausstieg sind Verluste fast sicher – wenn man denn überhaupt früher herauskommt.  

Quelle: n-tv.de, ino/dpa

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