Fußballticker

Automatisch aktualisieren
 1. Bundesliga, So., 23. Sep. 15:30 Uhr SpieltagTabelle
Leverkusen -:- (0:0) Mainz Spielbericht
Sport
Video
Freitag, 14. September 2018

So läuft der dritte Spieltag: Kovac poliert den FC Bayern, Götze schmort

Von Judith Günther und Stefan Giannakoulis

Beim FC Bayern sieht das alles schon vor dem dritten Spieltag der Bundesliga verdächtig nach Fußball aus. Wolfsburg und Hertha treffen sich zum Topspiel, Dortmunds Mario Götze wartet und RB Leipzig dreht am Strafenrad.

Was macht der FC Bayern?

Zwei Spieltage ist die Fußball-Bundesliga jung, der FC Bayern ist Spitzenreiter und wirkt trotz der schon beantworteten Frage nach der Meisterschaft motiviert wie lange nicht. Das liegt größtenteils an Trainer Niko Kovac, der selbstbewusst dem Affront entgegenarbeitet, er könne nicht die erstbeste Lösung als Trainer gewesen sein. Da schließen wir uns den Kollegen der "Süddeutschen Zeitung" an. Was also machen die Münchner nun anders? Der frühere Profi Stefan Reinartz hat für t-online.de das Verhältnis zwischen Offensive und Defensive analysiert und kommt zum Schluss, dass der Meister eine neue Stärke entwickelt hat. "Sie haben laut Daten erstmals gute offensive Balleroberungen, das ist schon ein Entwicklungsschritt."

Datenschutz

Uli Hoeneß hat das, was Reinartz sagen will, noch griffiger formuliert: "Das sah nach Fußball aus", sagte der Klubpräsident zum 3:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Spieltag, bei dem die Münchner keinen einzigen Schuss aufs Tor von Manuel Neuer zugelassen hatten. Bleibt nur die Frage zu klären, wen der Trainer nun aus der Startelf streicht - es ist nicht so, dass die Münchner Welt problemfreie Zone wäre. Damit leiten wir zu James Rodríguez über. Bislang sind die größten Kovac-Profiteure die deutschen Nationalspieler Leon Goretzka und Thomas Müller, der verbal und spielerisch zur Lockerheit zurückgefunden hat. James dagegen sucht nach Form und Platz. Auch an Renato Sanches' Situation hat sich wenig zum Positiven gewandelt - kein einziges Mal stand er auch nur auf der Meldeliste. Sagt dennoch, er habe keine Schwächen. Das ist dann wohl eine Definitionsfrage. Jetzt aber zum Gegner am Samstagnachmittag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Die Leverkusener bewegen sich nach zwei Niederlagen nah an Platz 18 der Tabelle - das gab es zuletzt am 17. Spieltag der Saison 1982/1983. Weil wir Geschäftsführer Rudi Völler aber nicht weiter mit Fragen nach der beruflichen Zukunft von Trainer Heiko Herrlich verärgern wollen ("eine Hysterie, die nicht zu ertragen ist"), stellen wir fest: Dann muss es eben an was anderem liegen. Blöd, dass es nun nach München geht, wo Bayer nur eines der jüngsten 28 Spiele gewonnen hat. Einen Lichtblick gibt's: Torwart Lukas Hradecky ist erstmals fit und will sich als neue Nummer eins beweisen. Muss er auch. Tipp: trotzdem ein 3:1.

Wo steigt das Spitzenspiel?

Im Stadion am Mittellandkanal. Dort treffen sich am Samstagnachmittag der Tabellenzweite aus Wolfsburg und der Tabellendritte aus Berlin, um sich an der Gnade der frühen Saison zu erfreuen. Herthas Trainer Pal Dardai sagt: "Beide Mannschaften haben sechs Punkte und gute Laune. Ich glaube, es wird ein gutes Spiel." Das mit den Punkten stimmt, und das mit der Laune wollen wir mal glauben. Ob es wirklich gut wird, können wir nicht versprechen. Aber es ist schon eine kleine Überraschung, dass beide Teams die ersten beiden Spiele gewonnen haben. Die Wolfsburger hatten sich in der vergangenen Saison erst in der Relegation vor dem Abstieg gerettet, die Berliner standen am Ende auf Platz zehn. Nun von einem Aufschwung zu sprechen, ist in Ordnung. Die Frage ist, wie lange er anhält. 32 Partien stehen noch aus.

"Riesen-Freude": Bruno Labbadia.
"Riesen-Freude": Bruno Labbadia.(Foto: imago/DeFodi)

Bei beiden Klubs aber hat sich etwas getan. Hertha stellte an den ersten Spieltagen bei den Siegen gegen Nürnberg und auf Schalke das jüngste Team der Liga. Die Außenverteidiger Valentino Lazaro, 22 Jahre alt, und der ein Jahr jüngere Jordan Torunarigha, der ebenfalls 21 Jahre alte Maximilian Mittelstädt im linken Mittelfeld und der 19 Jahre alte Arne Maier als Sechser vor der Abwehr stehen für einen neuen, und bisher auch erfolgreichen Jugendstil. Während die Berliner knapp fünf Millionen Euro in neues Personal investierten, gab der VfL als hundertprozentige Tochter des Autokonzerns VW um die 40 Millionen Euro aus. Mit Jörg Schmadtke gibt es jetzt wieder einen Sport-Geschäftsführer. Dieser Posten war seit dem Aus von Klaus Allofs Ende 2016 unbesetzt. Der ehemalige Spieler Marcel Schäfer folgte dem eher glücklosen Olaf Rebbe als Sportdirektor. Und Trainer Bruno Labbadia scheint den nicht immer ganz pflegeleichten Kader im Griff zu haben. Er sagt: "Ich will, dass wir mit einer Riesen-Freude reingehen in das Spiel. Wir haben den Grund dafür." In der Tat: Drei Siege zum Auftakt einer Saison glückten den Wolfsburgern noch nie, noch nicht einmal in der Saison 2008/2009, als sie die Meisterschaft gewannen. Tipp: 2:0 für Wolfsburg.

Wie geht's den Dortmundern?

Eigentlich prächtig - auch wenn Lucien Favre bisweilen wirkt, als müsse er ähnlich viele Krisen wegmoderieren wie die Bundesregierung unter Angela Merkel. Ein bisschen ist das auch so, der Trainer darf schließlich vor jedem Spieltag zehn seiner 26 Spieler erklären, dass sie keine Sportsachen mitzubringen brauchen. Jetzt stehen sieben Spiele in drei Wochen an und der Personalbedarf ist groß, arbeitstechnisch also der reinste Glücksfall. Und vieles sieht ja auch vernünftig aus: Der BVB steht auf Platz vier und spielt nun gegen die Eintracht gegen die er die jüngsten sieben Heimspiele gewonnen hat. Mit einem Sieg an diesem Freitagabend wäre der BVB zumindest für 19 Stunden Tabellenführer. Dazu dürfte der vom FC Barcelona kurzfristig ausgeliehene Stürmer Paco Alcácer erstmals in der Startelf stehen, sodass Marco Reus nicht mehr gegen seinen Willen auf der Neun festgehalten wird.

"C'est comme ca": Mario Götze.
"C'est comme ca": Mario Götze.(Foto: imago/DeFodi)

Allerdings müssen wir an der Stelle doch mal einhaken. Was ist denn jetzt eigentlich los mit Mario Götze? Die Frage ist so ausgelutscht wie die Antwort lapidar: "C'est comme ca", sagt Favre - es ist eben wie es ist. Zwei Spiele, zweimal kein Götze und wenig Hoffnung. "Die Wahrheit ist: Wir sind enorm viele im Mittelfeld", sagt Favre auf Nachfrage: "Wir haben acht oder neun Spieler. Er kann auch die Neuneinhalb spielen. Aber da haben wir Kagawa und Reus. Das ist die Wahrheit, das ist Fakt." Es bleibt kompliziert. Ganz unkompliziert, weil großartig, ist dagegen eine Aktion, mit der die Dortmunder ein Zeichen setzen: "Borussia verbindet - gemeinsam gegen Rassismus" soll laut Funke-Mediengruppe den Schriftzug des Hauptsponsors auf den Trikots ersetzen. Finden wir gut, unabhängig davon der Tipp: 2:0.

Was treibt die Rasenballsportler um?

Ein Punkt aus zwei Spielen - RB Leipzig hat schon bessere Starts hingelegt. Waren aber auch erst zwei. Woran liegt's, Ralf Rangnick? Die Fitness stimmt noch nicht, sagt der Trainer und Sportdirektor der "Sportbild". Zudem: "Wir haben nach Bayern die meisten Torabschlüsse, aber viele dieser Bälle gingen am Tor vorbei." Klingt nach einem Konzentrationsproblem, das von den jüngsten Auftritten der DFB-Elf bestens bekannt ist. Vielleicht würde das Zehn-Strafliegestützen-Modell Abhilfe schaffen, das ein Kinderreporter nach dem Peru-Spiel vorgeschlagen hatte?

Der Mann mit dem Strafenrad: Jesse Marsch.
Der Mann mit dem Strafenrad: Jesse Marsch.(Foto: imago/Picture Point LE)

Braucht RB nicht, der neue Assistenztrainer Jesse Marsch hat ein Strafenrad aus den USA mitgebracht. Also sowas wie ein Glücksrad, nur mit Pech. Daran musste auch sein Vorgesetzter schon drehen. Wer allerdings vermutet, dass Rangnick zur Strafe zehn Energydrinks geext hat, liegt falsch. Der Trainer muss für das Handy auf dem Tisch eine Woche lang die Getränke beim Training mit vorbereiten. Was uns zu Hannover 96 überleitet, die vermutlich ihre eigenen Wasserflaschen mitbringen. Und eh ganz andere Herausforderungen zu meistern haben: "Kürzlich erst musste ich bei meinem Schwiegervater sämtliche Decoder neu installieren", sagte Trainer André Breitenreiter zur Aufteilung der TV-Rechte. Hoffentlich war er damit erfolgreicher als seine Mannschaft bei Ausflügen zur Konkurrenz. Die Niedersachsen warten auswärts seit dem 21. Oktober 2017 auf einen Sieg. Tipp: 2:0.

Was steht sonst noch an?

FSV Mainz 05 - FC Augsburg: Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz sagt: "Sich immer darüber zu unterhalten und zu beschweren, hilft nicht." Was ist passiert? Nicht allzu viele Menschen interessieren sich für das Spiel gegen Augsburg, obwohl der FSV mit einem Sieg gegen Stuttgart und einem Remis in Nürnberg gut gestartet ist. Bisher hat der Klub 18.300 Karten verkauft. In vergangenen Saison kamen im Schnitt 28.000 Zuschauer. Und nun? Schwarz schlägt vor: "Wenn am Samstag nur 22.000 da sind, sollten wir uns nicht damit beschäftigen, dass noch 12.000 Plätze frei sind. Wir können nur ehrliche Arbeit anbieten." Das Problem habe nicht nur Mainz. "Wir sollten nicht die Dinge thematisieren, die gefühlt 15 andere Bundesligisten haben." Damit liegt er allerdings falsch. In der vergangenen Spielzeit sank das Interesse signifikant nur in Berlin und Leipzig. Tipp: 1:1.

"Der Erfolg spricht für ihn": Friedhelm Funkel.
"Der Erfolg spricht für ihn": Friedhelm Funkel.(Foto: imago/opokupix)

Fortuna Düsseldorf - TSG Hoffenheim (beide Samstag, 15.30 Uhr): Wenn der Aufsteiger gegen den Champions-League-Starter spielt, treffen zwei Trainer aufeinander, die eine Generation trennt. Düsseldorfs Friedhelm Funkel ist mit 64 Jahren der älteste Coach der Liga, Hoffenheims Julian Nagelsmann mit 31 Jahren der jüngste. Als der 1987 geboren wurde, hatte Funkel schon 254 Mal in der Bundesliga gespielt und zwei Jahre zuvor mit Bayer Uerdingen den DFB-Pokal gewonnen. Funkel sagt, dass er skeptisch gewesen sei, als der Kollege im Februar 2016 mit 28 Jahren bei der Turn- und Sportgemeinschaft übernahm. "Aber er hat alle eines Besseren belehrt. Gleich nach Julians erster Pressekonferenz habe ich gesagt: Der weiß, wovon er spricht. Der Erfolg spricht für ihn." Tipp: 0:2.

Borussia Mönchengladbach - FC Schalke 04 (Samstag, 18.30 Uhr): Was für Wolfsburg und die Hertha gilt, trifft auch für die Gelsenkirchener zu: Die Saison ist viel zu jung für Euphorie oder Panik. Nach zwei Niederlagen, in Wolfsburg und gegen Berlin, setzt sich der Schalker Trainer Domenico Tedesco aber selbst unter Druck. Der "Sportbild" sagte er: "Ich bin nicht der Blauäugige, der sagt: Ich bin vergangene Saison mit Schalke in die Champions League gekommen, jetzt möchte ich die Lorbeeren der vergangenen Spielzeit einsammeln und endlos Kredit haben." Dann mal los: Nach der Partie gegen Gladbach folgt am Dienstag nächster Woche das erste Königsklassenspiel gegen den FC Porto, vier Tage später, am 22. September, kommt der FC Bayern zum Ligaspiel. Tipp: 2:2.

SV Werder Bremen - 1. FC Nürnberg (Sonntag, 15.30 Uhr): Das Ziel der Bremer heißt in dieser Saison Europa. Nach vier Punkten aus zwei Spielen sagte Angreifer Martin Harnik der "Kreiszeitung Syke" vor der Partie gegen den Aufsteiger aus Nürnberg: "Ich finde es total erfrischend, dass Werder trotz der schwierigen letzten Jahre ein Ziel ausgibt, das die meisten Leute überrascht hat." Das sei doch mal ein Zeichen an die Fans. "Wir sagen: Hey, wir wissen schon, wo wir gerade herkommen. Aber wir wissen auch, wo wir schon mal waren." Tipp: 2:1.

SC Freiburg - VfB Stuttgart (Sonntag, 18 Uhr): Grundsätzlich ist dieses Spiel für beide Teams nicht unwichtig. Das hängt nicht damit zusammen, dass Freiburg und Stuttgart in Baden-Württemberg liegen, sondern damit, dass die besten Fußballmannschaften aus diesen Städten null Punkte auf dem Konto haben. VfB-Trainer Tayfun Korkut sagt: "Man sieht, dass es kein Wir-haben-das-so-gemacht-und-es-geht-jetzt-einfach-so-weiter gibt. Es gibt null Komma null Bonus. Für niemanden." Freiburgs Christian Streich ist nach seinem leichten Bandscheibenvorfall wieder fit und wird erstmals in dieser Saison auf der Bank sitzen. Die "Stuttgarter Zeitung" ist derweil der Frage nachgegangen, ob die Partie als "Derby" bezeichnet werden kann, von wegen Badener gegen Schwaben. Die Antwort lautet: ja, nein, vielleicht. Tipp: 0:0.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Es spielen ja Gott sei Dank jeweils elf Spieler. Wenn wir beide gegeneinander spielen würden, hätte ich im Eins-gegen-eins keine Chance gegen Julian." Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel über Hoffenheims Julian Nagelsmann. Der Witz daran ist, dass Funkel 33 Jahre älter ist als sein Kollege.

Datenschutz
Datenschutz

Quelle: n-tv.de