Fußball

So läuft der 28. Spieltag "Löwt" Götze oder "schollt" Guardiola?

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Situation unklar: Mario Götze steht mal wieder vor Frage, ob er bei den Bayern spielt oder nicht.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Puh, das Thema ist nicht kleinzukriegen: Mario Götze. Die Frage des Wochenendes lautet daher: Fährt Josep Guardiola weiter die Scholl-Schiene oder schwenkt er auf Löw-Linie um? Außerdem wichtig: der legendäre "El Plastico" mit Gatekeeper Kruse.

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

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Ein Herz und eine Seele, Bundestrainer Joachim Löw und Mario Götze, doch, Obacht ...

(Foto: picture alliance / dpa)

Nun, befreien wir uns ganz kurz von der Götze-Frage. Die Bayern legen am 28. Spieltag der Fußball-Bundesliga vor. Vor in was genau? Im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Da beträgt der Vorsprung auf Borussia Dortmund weiterhin nur fünf Punkte. Gegner des Rekordmeisters am Samstagnachmittag ist Eintracht Frankfurt. Der erste Impuls beim Blick auf die Ansetzung: Ach, die Eintracht. Ein Pflichtsieg für die Bayern, natürlich. Aber: Obacht! Der eine oder andere wird sich erinnern. In der Hinrunde reisten die Bayern am 11. Spieltag mit 30 Punkten und einem Torverhältnis von 33:4 in die deutsche Finanzhauptstadt - und reisten mit 31 Punkten und einem Torverhältnis von 33:4 wieder ab. Bedeutet: Die Mannschaft von Josep Guardiola ließ erstmals in der Spielzeit Punkte liegen und blieb ebenfalls erstmals ohne Torerfolg. Dass sich das am Samstag wiederholt? Eigentlich ausgeschlossen. Zu schlecht ist der Tabellenvorletzte drauf, zu gut wieder der FCB. Da kann Neu-Trainer Nico Kovac bei den Kollegen vom "Kicker" noch so säuseln: "Bayern ist weltweit eine der besten Mannschaften. Dort haben es alle Teams schwer, nur wir sind Sportler genug, um ein gutes Spiel hinlegen zu wollen. Wir fahren dorthin und wollen überraschen."

 Nun, da wir vorab geklärt haben, wer den Rasen als Sieger verlassen wird, kommen wir doch wieder zu wichtigsten aller Fragen in der Rückrunde der Saison 2015/16: Spielt Mario Götze? Nun, diese Frage können wir vorab nicht klären. Allerdings hat der deutsche Weltmeistermacher des Jahres 2014 am Dienstagabend im DFB-Trikot beim 4:1-Erfolg gegen Italien seine sportlichen Qualitäten vor einem breiten Publikum, unter ihnen Bayern-Trainer Josep Guardiola, in Erinnerung gerufen. Er tat das so gut, dass sich beinahe jeder Journalist der Republik gierig auf das Thema stürzte. Warum spielt Götze bei Löw - und das auch noch gut? Und warum bei Guardiola nicht?

Nun, zwei Antworten erhielten wir diese Woche. Die erste lautet: Der Bundestrainer vertraut seinem dribbelstarken Offensivmann. Das tut dem, wie er betonte, gut. Die zweite gab ARD-Experte Mehmet Scholl. Er erklärte: "Warum kann Götze nicht konstant Leistung bringen? Da liegt für mich die Lösung ganz klar darin: Er müsste noch viel, viel mehr trainieren. Ich erinnere mich, als er ganz jung in Dortmund war. Er war ein Pfeil, er war so schnell, er war so athletisch, davon ist er im Moment so weit entfernt." Dass Guardiola dem 23-Jährigen in der entscheidenden Saisonphase angesichts des bayrischen Luxuskaders daher keine Sonderbehandlung in Form aufpäppelnder Spielzeit gewährt, liegt für Scholl auf der Hand. In gleicher Sendung erklärte er: "Warum soll Guardiola daran Interesse haben? Er ist jetzt noch zwei Monate da. Er will mit dieser Mannschaft die Champions League gewinnen. Da stehen für ihn einzelne Spieler nicht im Fokus." Ja, Kruzifix, finden wir denn wirklich keinen Kompromiss zwischen Löw-Linie und Scholl-Schiene? Na, schau' mer mal, dann seh'n mer scho.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

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Vor Klopp kommt Bremen.

(Foto: imago/Michael Weber)

Sehr gut! Schließlich steht doch schon nächste Woche das Wiedersehen mit Jürgen Klopp an. Der freut sich wie ein Schnitzel auf die Rückkehr ins Wohnzimmer Signal-Iduna-Park - oder wie er es betont lässig sagt: "Ich hatte eine extrem coole Zeit in Dortmund und habe eine Menge sehr netter Leute dort kennengelernt, die da immer noch arbeiten. Die Atmosphäre am Donnerstagabend wird außergewöhnlich sein." Vor Liverpool aber steht Bremen. Und an der Weser haben sie alles andere als gute Laune. Das liegt zum Beispiel an der Verletzung von Lebensversicherung Claudio Pizarro. Der wurde im Länderspiel gegen Uruguay mit Rückenproblemen ausgewechselt. Die getrübte Laune liegt aber auch an Tabellenplatz 14 und an Coach Viktor Skripnik. Den sieht Geschäftsführer Thomas Eichin zwar nach wie vor "stabil im Wind stehen" und "recht kämpferisch". Wie das aber aussieht, zeigte der Ukrainer bei der Pressekonferenz vor dem Auftritt in Dortmund. Mit monotoner Stimme leierte er sich Folgendes aus den Rippen: "Der Favorit kann gewinnen. Aber wir wollen es ein bisschen besser machen als bei der Blamage in München." (Anm. d. Red.: 0:5) Wesereuphorie im Abstiegskampf.

Was machen des Verfolgers Verfolger?

Die Deutsche Fußball-Liga beweist Sinn für die gekonnte Inszenierung: Zur Eröffnung des 28. Spieltags darf sich ganz Fußball-Deutschland einzig und allein auf den legendären Quoten-Killer "El Plastico" konzentrieren: Bayer Leverkusen gegen den VfL Wolfsburg. Und was für Geschichten hat dieses Duell in den vergangenen Jahren nicht alles geschrieben… so, jetzt aber Schluss mit der Ironie! Geht's beim Aufeinandertreffen der Werksvereine doch um die finanzielle Fleischtöpfe der Liga - die genaue Brisanz entnehmen sie bitte der unten angehängten Tabelle. Wir müssen uns an dieser Stelle um weit Wichtigeres kümmern: ums Krisenkind Kruse. Der muss nach "Taxigate", "Nutellagate", "Partyfotogate", "Nationalelfgate" und "Schmuddelfilmchengate" wieder auf'n Platz. Da, wo die Wahrheit liegt. Und die sah zuletzt so aus, wie Coach Dieter Hecking erklärt: "In Hoffenheim und gegen Darmstadt hat Max zuletzt nicht so gespielt, dass er unumstritten ist."

Droht da etwa die "Vergötzung" auf die Bank? Nun, so weit geht der Trainer-Frust dann wohl doch nicht: "Max soll Leistung bringen, fertig. Am liebsten wäre es mir, er schießt gleich morgen zwei Tore. Dann macht er seine Kritiker mundtot." Davon, also den Kritikern, hatte Bayer-Coach Roger Schmidt in den vergangenen Wochen eine ganze Menge, vor allem wegen seines "Schiedsrichtergates", aber auch wegen sportlich ausbleibender Erfolge. Dass er deswegen allerdings ernsthaft überlegen muss, wie er seine Freizeit gestaltet, stand indes nie zur Diskussion, wie Bayer-Manager Jonas Boldt der "Rheinischen Post" gegenüber erklärte: "Trennung war nie ein Thema. Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Roger Fehler gemacht hat. Doch wenn man sieht, wie er Tag für Tag Leidenschaft vorlebt, Ansprachen hält, das Training leitet und vor allem Spieler besser macht - auch wenn das mitunter anders gesehen wird -, dann sehen wir uns bestätigt." Bestätigt mit Platz sechs, DFB-Pokal- und Champions-League-Aus? Nun, wir lassen das mal so stehen und freuen uns auf den "El Plastico" - was der nicht immer für Geschichten schreibt …

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Es war einmal der grüne Glückspulli...

(Foto: dpa)

Eine schöne Geschichte war auch die von André Schubert. Der eilte im grünen Kapuzenpulli mit seiner Borussia im vergangenen Herbst von Sieg zu Sieg. Und mit jedem dreifachen Punktgewinn knabberte er vom Wort Interimstrainer langsam so viele Buchstaben weg, bis da nur noch Trainer stand. Doch seitdem stockt's ein wenig, zumindest auswärts Seit dem 4:1-Erfolg am 31. Oktober in Berlin hat Borussia kein Auswärtsspiel mehr gewonnen. In die Champions League, und dahin wollen sie am Niederrhein schon gerne wieder, kommst du so nicht. Nun, Sie ahnen es, was für eine schöne Geschichte, kommt es am Sonntag zum Wiedersehen der Hertha mit den Fohlen. Und mit einem Sieg, einem Heimsieg allerdings, würden die fünfplatzierten Schubert-Jungs den drittplatzierten Dardai-Jungs mächtig auf die Pelle rücken, bis auf drei Punkte nämlich - Champions League, Helau, oder so. Blöd nur für die Borussia ist allerdings: In den dann noch ausstehenden sechs Partien geht's viermal in die Ferne.

Zu den Verfolgern von Verfolger Borussia Dortmund gehören auch wieder die Schalker. Die haben nach ihrer Dauer-Minikrise wieder beste Laune. So flachste Coach André Breitenreiter mit Kollegen der "WAZ": Wir haben bis jetzt in der Rückrunde 17 Punkte geholt - wissen Sie, wie viele Punkte wir zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde hatten?" Die Antwort: 19. Was die Kollegen übrigens natürlich wussten. 17 sind zwei weniger als 19. Ist das jetzt a) gut, b) nicht so gut oder c) egal? Vermutlich egal. Deswegen erklärt Breitenreiter dann auch, was ihn beim S04 derzeit glücklich macht: "Wir haben uns, abgesehen von zwei, drei Spielen, deutlich mehr Chancen herausgespielt, die Flankenqualität verbessert, taktische Elemente zur Spieleröffnung eingebaut und es geschafft, dass die Spieler sich in verschiedenen Systemen wohlfühlen." Klingt nach erfolgreicher Basisarbeit. Die wird auch vom kommenden Gegner, den Offensivminimalisten und Defensivgroßmeistern aus Ingolstadt geleistet. Mit nur 23 Toren steht die Hasenhüttl-Auswahl auf Rang zehn. Das ist wirklich erstaunlich und nur ein Tor besser als die Bilanz von Absteiger Hannover 96. Was bedeutet das jetzt nun konkret für das Spiel? Nun, Schalke hat mit dem derzeit besten Nicht-Nationalspieler Ralf Fährmann eine Torverhinderungsmaschine zwischen den Pfosten. Ingolstadt kaum Spieler, die Tore schießen. Schalke kann jetzt besser Flanken, Ingolstadt das verhindern - klingt nach Remis. Schalke hätte dann 18 Punkte, in der Hinrunde zum gleichen Zeitpunkt 20. Ist das dann a) gut, b) nicht so gut oder c) egal?

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

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Der messerscharfen Analyse folgt die messerscharfe Kritik von Thomas Schaaf.

(Foto: dpa)

So ein richtiger Knaller verspricht die Partie von Hannover 96 und dem Hamburger SV nicht zu werden. Es sei denn, der HSV verliert und meldet sich endgültig im Abstiegskampf an. Weil das Spiel aber im Dunstkreis der "Götzchen"-Frage und des "El Plastico" an diesem Spieltag unterzugehen droht, kümmert sich 96-Trainer Thomas Schaaf um Schlagzeilen und pestet munter drauf los: Der Betreuerstab tue Woche für Woche alles erdenklich Mögliche, um die Mannschaft optimal vorzubereiten. "Was wir dann erleben, ist eine große Enttäuschung." Er sei angesichts der Bilanz "unzufrieden bis zum Geht-nicht-mehr".

Das gilt ganz sicher nicht für Julian Nagelsmann. Der 28-Jährige ist seit heute exakt 50 Tage Bundesligatrainer - herzlichen Glückwunsch. Mit einer strammen Bilanz ist er bisher durch die Liga gepflügt: In sieben Spielen holten seine Hoffenheimer erstaunliche 13 Punkte. Dass die Kraichgauer damit nur auf dem Relegationsrang stehen, zeigt, wie fürchterlich schlecht die Saison der 1899er vor der Nagelsmann-Ära war. Dass ein weiterer Sieg gegen Köln den Abstand auf den Neuntplatzierten "Effzeh" auf drei Punkte verringern und damit plötzlich unerwartete Abstiegssorgen schüren würde, macht am Rhein indes kaum einen jeck. So erklärte Stürmer Anthony Modeste, übrigens ein Ex-Hoffenheimer, dem "Kicker" zum Dahinschmelzen schön: "Non, c'est pas possible."

Achja, eines wollen wir natürlich nicht verschweigen: Darmstadt empfängt Stuttgart. Auch zu diesem Spiel gäbe es sicher eine ganze Menge zu erzählen, wenn dieser Text nicht nur schon so ewig lang wäre …

Für welchen Trainer wird's eng?

Konstruieren wir mal einen Trainerrauswurf. Und zwar den von Markus Weinzierl beim FC Augsburg. Das mag jetzt vielleicht ein bisschen weit hergeholt sein. Aber: Verlöre seine Mannschaft bei den nach wie vor europahungrigen Mainzern und gewönnen Nagelsmanns Hoffenheimer, wären die Augsburger Europa-League-Fighter plötzlich auf Rang 16 und damit wieder startberechtigt für die Saisonverlängerung in der Relegation - es gäbe sicher bessere Bewerbungsschreiben zur Arbeitsplatzsicherung. Obwohl: Ist die überhaupt noch nötig? Wie die "Bild" hartnäckig berichtet, verhandelt Weinzierl über eine Neuanstellung bei RB Leipzig im Sommer.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Im Fußball ist es Gott sei Dank anders als im Leben, man darf mehrere Lieben haben." - Liverpool-Coach Jürgen Klopp über das Wiedersehen mit seiner alten Liebe BVB am nächsten Donnerstag in der Europa League.

Quelle: ntv.de