Fußball

Deutsche Legionäre im Formcheck Superman Klose wird zu Roms MacGyver

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Würde MacGyver Fußball spielen, er würde Miroslav Klose heißen.

(Foto: imago/United Archives)

Miroslav Klose versetzt bei Lazio Rom die italienischen Journalisten in Ekstase. Warum? Weil er so viel mehr kann als bloß Tore schießen. Robert Huth will zum Leicester-Roccotelli werden und Toni Kroos chillt vor dem Showdown gegen Wolfsburg.

Gastarbeiter des Wochenendes

Miroslav Klose (Lazio Rom): Am Montag erst gab Mirko Lüdemann bekannt, dass er nach 23 Jahren Profi-Eishockey seine Karriere beendet. Gut, den "Ewigen Mirko" werden Sie jetzt vielleicht nicht kennen. Warum wir Ihnen das trotzdem erzählen? Nun, weil uns das ganz schnell zum "Ewigen Miro" bringt. Der ist nämlich mittlerweile 37 Jahre alt und immer noch eine der besten Exportideen, die Deutschland in den vergangenen 37 Jahren hatte.

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Miro zufrieden, Simone zufrieden - so kann's weiter gehen für Lazio.

(Foto: dpa)

Der alte Mann ist einfach nicht kleinzukriegen, im Gegenteil: Mit jedem Schritt hin zur körperlichen Rente überzeugt der Weltmeister mit immer neuen Facetten in seinem Repertoire. Dass er Tore schießen kann, ist bekannt. Das hat er beim 3:0-Erfolg seiner Römer gegen Palermo in der Serie A gleich zweimal nachgewiesen. Jetzt aber feiert ihn die italienische Presse als macgyverschen Alleskönner und Heiland: "Klose ist ein wahrer Superman, der auf dem Spielfeld auch Trainergeschick beweist. Das sieht man daran, wie er die Teamkollegen koordiniert", kommentiert "Il Messaggero". Das Konkurrenzblatt "Corriere dello Sport" lehnt sich gar weit aus dem Fenster: "Kaiser Miro ist zurück! Mit Klose ist alles möglich." Ein ganz feiner Hype, der da um den alten Mann betrieben wird. Der tritt gewohnt bescheiden auf die Bremse und macht Neu-Trainer Simone Inzaghi für den Aufschwung bei Lazio verantwortlich: "Ich kenne ihn erst seit wenigen Tagen, doch man sieht schon, dass er Gutes leistet." Bei so viel Harmonie gönnen wir Inzaghi jetzt aber auch noch kurz das Wort. Im besten italienischen Journalisten-Sprech jubelt er: "Klose ist ein Champion, ein Beispiel, der immer auf höchstem Niveau spielt. Ich wusste, dass er viel leisten würde, sonst hätte ich ihn nicht eingesetzt." So, und jetzt kuscheln. Alle.

Gefeiert

Robert Huth (Leicester City): Wir machen uns ein bisschen Sorgen um Robert Huth. Der kündigt im vorfreudigen Champions-League-Rausch - die Qualifikation für die Königsklasse ist Leicester seit Sonntag sicher - nämlich Folgendes an: "Ich sollte besser anfangen, für die Rabona zu trainieren." Sie wissen nicht, was der gute Mann meint? Nun, schauen Sie hier:

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Vielleicht können Sie nach Ansicht der Bewegtbilder unsere Sorgen um den ehemaligen deutschen Nationalspieler teilen? Die "German Wall" steht für handfeste Abräumarbeit, nicht für neymarsche Fußballtrickserei. Und schon gar nicht steht der 1,91 Meter große Hüne für den von Giovanni Roccotelli salonfähig gemachten Knochenbrechertick, die Rabona. Deswegen unser Rat: Weiter handwerklich gescheite Kernarbeit leisten und die Meisterschaft in der Premier League mit 'nem frisch Gezapften aus der Heimat begießen. Denn die Fußball-Sensation auf der Insel wird immer wahrscheinlicher. Fünf Runden vor der saisonalen Endabrechnung liegen Huths "Foxes" dank eines souveränen 2:0-Erfolgs in Sunderland weiter sieben Punkte vor Verfolger Tottenham.

Gefragt

Shkodran Mustafi (FC Valencia): Eigentlich war es eine gute Partie vom deutschen Weltmeister. Da eigentlich aber eine Einschränkung ist, müssen wir einschränkend sagen, dass der Innenverteidiger beim Gegentreffer ein kleines bisschen zu spät kam. Darüber können wir allerdings großzügig hinwegsehen, weil erstens: Valencia gewann das Spiel gegen Europa-League-Seriensieger FC Sevilla mit 2:1. Und zweitens: Mustafi gewann, trotz früher gelber Karte, fast alle seine Zweikämpfe. Der 23-Jährige ist ein Garant dafür, dass der Tabellen-13. immerhin die sechstbeste Abwehr (39 Gegentore) der Primera Division stellt.

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Gekommen, um zu bleiben: Antonio Rüdiger.

(Foto: imago/Insidefoto)

Antonio Rüdiger (AS Rom): Der 23-Jährige ist ein gefragter Mann. Jetzt nicht unbedingt wegen seiner Leistung beim 1:1 der Römer gegen den FC Bologna. Die war nämlich ziemlich unauffällig. Da es solche Leistungen in dieser Saison aber deutlich weniger gab als Spiele, in den denen der Nationalspieler als unüberwindbare Wand seinen Mann in der Innenverteidigung stand, wollen die "Giallorossi" den derzeit ausgeliehenen Stuttgarter fest verpflichten. Angeblich sollen die Klubverantwortlichen bereit sein, den schwäbischen Sparfüchsen neun Millionen Euro zu überweisen.

Mario Gomez (Besiktas): Dass der "Torero" weiter knipst, wie er will und sein Torkonto bei der Premiere der neu errichteten Heimspielstätte, der Vodafone-Arena, gegen Bursaspor auf 21 stellte, geriet am Montagabend zur Nebensache. Denn vor der Eröffnung der Arena kam es im Außenbereich zu Ausschreitungen zwischen Polizei und Besiktas-Fans. Um Sicherheitsbarrieren vor dem Stadion gegen den großen Ansturm zu schützen, hätten die Einsatzkräfte Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt, hieß es. Das Tränengas sei bis in den Innenbereich der Arena spürbar gewesen. Das Spiel endete übrigens 3:2 für den Gomez-Klub, der damit seine Tabellenführung behaupten konnte.

Nebendarsteller

Mesut Özil (FC Arsenal): Der große Rausch ist vorbei, so richtig verkatert aber ist der Weltmeister nicht. Die knalligen Leistungen aus Herbst und Winter bringt der Spielmacher seit Wochen nicht mehr auf den Rasen, richtig schlecht spielt er aber auch nicht. Den Nachweis seiner Naja-es-geht-so-Form erbrachte er im Derby gegen West Ham United (3:3). Zunächst traf der 27-Jährige zum 1:0, dann tauchte er unter und war maßgeblich am Ausgleich der Hammers beteiligt. Passend zur Leistung twitterte er so halb gut gelaunt: "Was für ein verrücktes Spiel. Schade, dass wir nicht gewonnen haben, aber ein Punkt gegen West Ham ist besser als nichts."

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Ein bisschen Trost nach der verletzungssbedingten Auswechselung gibt's für Kevin Trapp.

(Foto: REUTERS)

Kevin Trapp (Paris St. Germain): Bitterer Abend für den deutschen Nationalspieler. Mitte der ersten Halbzeit beim 2:0-Erfolg gegen EA Guingamp rauschte er mit seinem Teamkollegen Layvin Kurzawa zusammen. Das Knie bekam dabei einen ordentlichen Schlag ab. Erste Diagnose: schwere Knieprellung, Einsatz im Champions-League-Rückspiel bei Manchester City auf der Kippe. Bis zur Halbzeit kämpfte sich der tapfere Kevin durch, dann wurde er durch Salavatore Sirigu ersetzt.

Marc-André ter Stegen (FC Barcelona): Erst patzt er, dann pariert er: Marc-André ter Stegen erlebt in der Champions League einen fürchterlichen Auftakt im Viertelfinale gegen Atletico Madrid, Fernando Torres tunnelt ihn beim 0:1. Minuten später verhindert ter Stegen mit einer Glanztat gegen Antoine Griezmann den Mini-Gau. In der Liga dann das gewohnte Bild: ter Stegen auf seinem Stammplatz, der Ersatzbank.

Unglücklich

Toni Kroos (Real Madrid): Durfte am Wochenende beim 4:0-Sieg der Königlichen über Eibar gemeinsam mit den Kollegen Keylor Navas, Gareth Bale und Karim Benzema in Ruhe über das nachdenken, was letzte Woche in Wolfsburg passiert ist. Und das war aus Sicht von Kroos und Co. nicht gut. Aber der Weltmeister ist ein schlaues Kerlchen und hat sich in 90 geruhsamen Minuten folgenden Plan überlegt: "Wir müssen offensiv spielen, aber nicht kopflos. Wir brauchen die Fans, die uns mitnehmen, sie müssen voll da sein und alles geben." Mitspieler Lucas Vázquez, der sich im Gegensatz zum Star-Quartett austoben durfte, formulierte die Zielvorgabe für heute Abend etwas plastischer: "Wir müssen unsere Eier auf den Platz werfen!"

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Einfache Logik: Podolski trifft nicht mehr, Galatasaray gewinnt nicht mehr.

(Foto: imago/Seskim Photo)

Lukas Podolski (Galatasaray): Läuft nicht mehr beim Kölschen Prinzen. Seit fünf Spielen wartet der 30-Jährige nun schon auf seinen elften Ligatreffer für die Istanbuler. Beziehungsweise drehen wir es um: Seit fünf Spielen wartet Galatasaray nun auf einen Treffer seines Königstransfers und damit auch auf einen so wichtigen Sieg im Kampf um die Europapokalplätze. Denn den letzten dreifachen Punktgewinn gab's, Sie ahnen es, als Podolski letztmalig traf: beim 2:1 gegen Trabzonspor am 21. Februar.

Philipp Wollscheid (Stoke City): Machen wir es kurz. Wollscheid gewann gegen Liverpool (1:4) alle seine Zweikämpfe. Klingt erstmal gut. Es waren allerdings nur drei, haben die Kollegen von "eurosport.de" herausgefunden. Das ist wenig für einen Verteidiger. Trotz toller Quote spricht das nicht für seine Präsenz in der Viererkette.

Jan Kirchhoff (AFC Sunderland): Hm, was sich Jan Kirchhoff wohl dabei gedacht? In einem Gespräch mit dem "Guardian" erklärt der 25-Jährige, der noch kein Länderspiel in der A-Nationalmannschaft absolviert hat, dass Deutschland den WM-Titel nicht wegen Joachim Löw gewonnen habe. Ganz im Gegenteil: Den Triumph in Rio habe das DFB-Team den so erfolgreich arbeitenden Klubtrainern Josep Guardiola in München und Jürgen Klopp, damals noch Dortmund, zu verdanken. Ob bei diesen Aussagen wohl Frust und Enttäuschung über seine Nichtnominierungen mitschwingt? In der Jugend war Kirchhoff Dauerträger des Adler-Trikots, spielte gar 18 Mal für die U21. Sportlich verlief das Wochenende für den Defensivmann ebenfalls eher unglücklich, gegen Spitzenreiter Leicester kassierte der AFC eine 0:2-Niederlage.

Pausenraum

Der n-tv.de-Pausenraum ist diese Woche üppig gefüllt. Auf den gepolsterten Wartebänken sitzen Emre Can (FC Liverpool) und Sami Khedira (Juventus Turin) ihre Sperre ab. Ihre Teams lösten die Liga-Aufgaben allerdings auch ohne deutsche Unterstützung souverän. Die Reds schossen sich gegen Stoke City (4:1) für das Europaliga-Rückspiel gegen Borussia Dortmund warm, Juve gewann das Traditionsduell gegen den AC Mailand mit 2:1. Weniger gute Laune versprühten Heiko Westermann (Betis Sevilla) und Per Mertesacker (FC Arsenal), die von ihren Trainern nicht mit für einen Einsatz vorgesehen waren. Sevilla besiegte Schlusslicht Levante mit 1:0. Arsenal vergeigte eine 2:0-Führung und spielte gegen West Ham nur 3:3. Und Bastian Schweinsteiger (Manchester United) musste verletzt zusehen, wie seine Red Devils in London mit 3:0 von den Tottenham Hotspur verhauen wurden.

Quelle: n-tv.de

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