Technik

Lenovos erster faltbarer PC Das Thinkpad X1 Fold kommt aus dem Knick

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Das Lenovo Thinkpad X1 Fold hat ein prächtiges Falt-Display.

(Foto: kwe)

Das Lenovo Thinkpad X1 Fold ist das erste Windows-Notebook mit faltbarem Display. ntv.de hat ausprobiert, ob so ein Gerät lediglich Spaß macht oder auch produktiv im Alltag etwas taugt.

Faltbare Smartphones sind fast schon selbstverständlich, Notebooks mit biegsamem Display sind dagegen erst im Kommen oder werden sich vielleicht auch nie durchsetzen. Als erster Hersteller hat Lenovo mit dem Thinkpad X1 Fold einen marktreifen Falt-Laptop auf den Markt gebracht. Im Test zeigt sich das Gerät schon erstaunlich ausgereift, kann aber herkömmliche Notebooks nur bedingt ersetzen.

Langer Anlauf

Es hat eine Weile gedauert, bis das Thinkpad X1 Fold in den Verkauf gehen konnte, der Prototyp wurde bereits auf der CES 2020 vorgestellt. Dass so viel Zeit verging, lag weniger an der Hardware, die schon weitgehend ausgereift war, sondern an der Software. Lenovo wollte das Gerät eigentlich schon im vergangenen Sommer mit Windows 10X auf den Markt bringen. Dabei handelte es sich um ein modulares Betriebssystem, das sich auch Geräten mit Doppel-Displays anpasst. Microsoft stellte es zusammen mit zwei Prototypen im Oktober 2019 offiziell vor.

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Mit aufgelegter Tastatur ist es ein Mini-Notebook.

(Foto: kwe)

Doch die Entwicklung verzögerte sich, die Corona-Krise schlug zu und das Projekt wurde erstmal aufgeschoben. Jetzt soll Windows 10X im Frühjahr als vorinstalliertes, abgespecktes Betriebssystem veröffentlicht werden, wobei Geräte mit zwei Bildschirmen beziehungsweise Falt-Displays nicht mehr im Vordergrund stehen. Das Surface Neo, mit dem Microsoft Windows 10X im Oktober 2019 präsentierte, kommt möglicherweise gar nicht mehr, Gerüchten nach soll es vielleicht im kommenden Jahr an den Start gehen.

Bis zum Frühjahr 2021 oder noch länger wollte Lenovo aber nicht warten und brachte das Thinkpad X1 Fold jetzt mit Windows 10 heraus, das durch hauseigene Software Splitscreen-tauglich gemacht wurde. Das klingt eigentlich nicht besonders vielversprechend, sondern eher nach einem zusammengefummelten Provisorium. Doch dem ist nicht so, Lenovo hat die Software prima hinbekommen.

Hervorragendes Display

Das trifft noch mehr auf das exzellente 13,3 Zoll große OLED-Display mit scharfen 2.048 x 1.536 Pixeln zu. Es bietet kräftige, aber natürliche Farben, starke Kontraste und kann ziemlich hell leuchten. Erstaunlicherweise erkennt man im aufgeklappten Zustand kein bisschen, dass es faltbar ist. Es gibt entlang der Achse weder eine sichtbare Vertiefung noch Helligkeitsunterschiede.

Das ändert sich erst, wenn man es hochklappt - je steiler der Winkel, desto heller leuchtet der Knick im Vergleich zu den anderen Bereichen. Problematisch ist das nicht, da man ja dann gewöhnlich einen geteilten Bildschirm verwendet. Dafür tippt man einfach auf das entsprechende Symbol in der Taskleiste und wählt ein Layout aus.

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Aufgeklappt misst das Display 13,3 Zoll.

(Foto: kwe)

So kann man das Gerät beispielsweise als kleines Laptop nutzen, indem man die virtuelle Tastatur auf der unteren Hälfte einblendet. Das klappt auf dem sehr akkurat reagierenden Touchscreen prima, vor allem wenn man von einem Tablet bereits gewohnt ist, auf dem Display zu tippen.

Gelungene, aber zu kleine Tastatur

Falls nicht, gehört zum Lieferumfang eine Bluetooth-Tastatur, die fast exakt so groß wie eine Display-Hälfte ist. Das liegt daran, dass sie zum Transport im zusammengeklappten Thinkpad Platz findet und dabei gleichzeitig induktiv geladen wird. Notfalls kann man sie aber auch per Micro-USB-Kabel auftanken.

Das Keyboard haftet magnetisch an und sitzt sicher auf der unteren Bildschirm-Hälfte. Lässt man es dort, beschränkt sich die Anzeige auf die obere Hälfte und man hat im Prinzip ein ganz normales Mini-Notebook. Hat man Platz, kann man das Gerät aufklappen und mit dem integrierten Klappständer senkrecht oder waagerecht aufstellen und die Tastatur davorlegen.

Das ist klasse, hat aber einen Haken. Denn weil die Tastatur so klein ist, musste Lenovo die Anzahl der Tasten reduzieren, weshalb man unter anderem für Umlaute die Fn-Taste benötigt. Wenn man mit dem Zwei-Finger-System tippt, hat man sich daran schnell gewöhnt, Zehn-Finger-Tipper sind aber ziemlich aufgeschmissen.

Stylus inbegriffen

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Zusammengeklappt mit eingelegter Tastatur sieht das Thinkpad X1 Fold wie ein in Leder gebundenes Notizbuch aus.

(Foto: kwe)

Für sie gibt es immer noch die Möglichkeit, separat eine große Bluetooth-Tastatur zu kaufen, aber dann ginge ein gutes Stück Coolness des Thinkpad X1 Fold flöten. Außerdem müsste man dann ein neues Plätzchen für den ebenfalls mitgelieferten Stylus suchen, der eine Halteschlaufe am passenden Keyboard hat.

Cool ist auch die Hülle des Geräts aus echtem Leder, die ihm die Haptik eines teuren Notizbuches verleiht. Zusammengeklappt gibt es einen Teil der gläsernen Rückseite des Falt-Laptops frei. Ganz bekommt man sie nicht zur sehen, da das Cover nicht abnehmbar ist.

Auch sonst wirkt das Gerät hochwertig, Lenovo hat es geschafft, das grundsolide Image der Thinkpad-Reihe auf das X1 Fold zu übertragen. Technischer Höhepunkt ist das Scharnier, das das Display in jedem Winkel stabil hält und nicht den Eindruck vermittelt, so schnell den Geist aufzugeben.

Solide Technik

Was die Leistung betrifft, ist das Thinkpad X1 Fold ein gutes Office-Arbeitstier und auch für einfachere Bildbearbeitung zu gebrauchen. Für Videoschnitt oder aufwändigere Spiele taugt es mit Intels Lakefield-Chip Core i5-L16G7 und 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher eher nicht. Der SSD-Speicher ist wahlweise 256 oder 512 GB groß.

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Die weitere Ausstattung ist sehr spartanisch: Es gibt zwei USB-C-Anschlüsse (USB 3.2 2. Gen.) und einen SIM-Karten-Steckplatz. Die Laufleistung ist okay. Lenovo gibt bis zu 8,5 Stunden mit einer Akku-Ladung an, realistisch sind im Alltag je nach Belastung und Displayhelligkeit zwischen sechs und sieben Stunden.

Die Version mit 256 GB Speicher gibt es derzeit nur von Lenovo selbst für happige 3230 Euro. Das spielt aber keine Rolle, denn im freien Handel gibt es die 512-GB-Variante ab 2750 Euro. Das ist eine Menge Geld und man bekommt dafür auch ein viel besser ausgestattetes Top-Laptop. Ansonsten ist das Lenovo Thinkpad X1 Fold für das Erste seiner Art richtig gut geworden. Es macht nicht nur eine Menge Spaß, sondern ist auch ein sehr brauchbares Office-Gerät.

Quelle: ntv.de