Technik

Samsungs starker Bürohengst Ist das Galaxy Note 4 das beste Phablet?

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Das Galaxy Note ist produktiver als jedes andere Smartphone.

(Foto: kwe)

Mit Aluminiumrahmen und QHD-Display gewappnet tritt das Galaxy Note 4 an, um zu beweisen, dass Samsung immer noch das beste Phablet der Welt baut. Ob dies tatsächlich so ist, hat n-tv.de getestet.

Als Samsung 2011 das erste Galaxy Note auf der IFA in Berlin vorstellte, wurde das Riesen-Smartphone mit Stift-Bedienung noch von vielen belächelt und als nicht alltagstauglich abgeschrieben. Doch das Gerät verkaufte sich wider Erwarten gut und läutete die Erfolgsgeschichte der sogenannten Phablets ein. Heute sind Smartphones mit Displaygrößen jenseits der 5 Zoll fast schon Standard und sogar Apple brachte im September mit dem iPhone 6 Plus ein Riesen-Smartphone auf den Markt. Samsung ist also nicht mehr unangefochtener Phablet-König und sein neues Galaxy Note 4 muss sich gegen starke Konkurrenten behaupten. Ob es das kann, hat n-tv.de getestet.

Die wichtigsten Spezifikationen

  • Prozessor: Qualcom Snapdragon 805, vier Kerne, 2,7 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher (RAM): 3 Gigabyte
  • Interner Speicher: 32 Gigabyte, erweiterbar
  • Display: 5,7 Zoll, 2560 x 1440 Pixel (518 ppi)
  • Kameras: hinten 16 Megapixel, OIS, vorne 3,7 Megapixel
  • Akku: 3220 Milliamperestunden
  • LTE, NFC, Bluetooth 4.1
  • Sensoren: Beschleunigung, Gyro, Annäherung, Kompass, Barometer, Hall (Magnetfeld), RGB Umgebungslicht, Gesten (IR), Fingerabdruck, Puls, Sauerstoffsättigung
  • Betriebssystem: Android 4.4.4
  • Maße: 153,5 x 78,6 x 8,5 Millimeter
  • Gewicht: 176 Gramm

Auffallendste Neuerung ist der Aluminiumrahmen, der das Galaxy Note 4 wesentlich hochwertiger als seinen Vorgänger wirken lässt. Dessen verchromtes Plastik hinterlässt einen billigen Eindruck, den das hervorragende Gerät nicht verdient hat. Der matte Metallstreifen mit blank geschliffenen Kanten des Galaxy Note 4 sieht nicht nur sehr elegant aus. Er fühlt sich auch wunderbar solide an und durch die leicht verjüngten Seiten liegt das Smartphone trotz seiner Größe äußerst sicher in der Hand. Im neuen Rahmen sitzt kein USB-3.0-Anschluss. Das sieht zwar besser aus als das breite Loch beim Note 3, bremst allerdings auch die Datenübertragung aus.

Die Rückseite ist nach wie vor ein dünner Kunststoffdeckel, weswegen die Haptik des Samsung-Phablets nicht mit der von Vollmetallern wie dem iPhone 6 Plus oder dem Huawei Ascend Mate 7 zu vergleichen ist. Doch das Polycarbonat schmiegt sich fest ans Gehäuse an und ist durch eine feine Lederstruktur ziemlich griffig, was vor allem beim iPhone nicht der Fall ist. Erfreulicherweise hat Samsung diesmal auf eine unansehnliche Kunstnaht verzichtet.

Welche Lücke?

Im Handbuch des Smartphones steht "Zwischen dem Äußeren des Gehäuses und dem Gerät befindet sich eine kleine Lücke", was einige Webseiten mit Fotos eines Galaxy Note 4 in Verbindung bringen, auf denen eine Visitenkarte in einem Spalt zwischen Display und Rahmen steckt. Ob damit tatsächlich der Übergang zum Bildschirm gemeint ist, ist allerdings nicht klar. Diese Lücke sei ein "wichtiges Herstellungsmerkmal", schreibt Samsung. "Einige Teile bewegen sich möglicherweise ganz leicht oder vibrieren." Dies deutet eher auf ein gewolltes Spiel der seitlichen Tasten als auf ein Display hin. Ebenso der Hinweis: "Mit der Zeit kann die Reibung zwischen den Teilen dazu führen, dass diese Lücke etwas größer wird." Das Testgerät weist jedenfalls keinen Spalt zwischen Bildschirm und Gehäuse auf. Der Rahmen steht lediglich zum Schutz des an den Seiten nach unten gewölbten Displayglases etwas über.

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Ohne falsche Naht sieht der Rücken des Note 4 besser aus.

(Foto: kwe)

Das Super-AMOLED-Display ist nach wie vor 5,7 Zoll groß, bietet jetzt aber eine vierfache HD-Auflösung, was in einer extrem hohen Pixeldichte von 518 ppi resultiert, die lediglich vom etwas kleineren Bildschirm des LG G3 übertroffen wird. Farben stellt der Bildschirm sehr kräftig, aber natürlich dar, Kontrast und Schwarzwert sind allererste Sahne. Er kann auch sehr hell leuchten, zeigt dies aber nur, wenn er von der Sonne angestrahlt wird. Ansonsten dunkelt die Automatik das Display des Note 4 stärker ab als beispielsweise beim iPhone 6 Plus - vermutlich, um Strom zu sparen. Auch von der Seite ist der Samsung-Bildschirm selbst im spitzesten Winkel noch gut ablesbar. Kontraste und Helligkeit lassen dabei kaum nach, lediglich der für AMOLEDs typische leichte Grünstich zeigt sich relativ früh, wenn man das Smartphone kippt.

Stark bestückt

Wer auf Leistung steht, wird vom Galaxy Note ganz sicher nicht enttäuscht. Es ist in Deutschland mit Qualcomms Snapdragon 805 ausgestattet, dessen vier Kerne mit bis zu 2,7 Gigahertz rechnen. Zusammen mit drei Gigabyte Arbeitsspeicher hat das Kraftpaket trotz der vielen Display-Pixel keine Probleme, jederzeit eine flüssige Bedienung mit zackigen Reaktionen zu gewährleisten. Spiele, die die Grafikleistung ausreizen, gibt es derzeit nicht, im reinen Benchmark-Vergleich (AnTuTu X) lässt das Note 4 das HTC One M8 und das Galaxy S5 knapp hinter sich.

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Fotos der Kamera haben tolle Farben und Kontraste.

(Foto: kwe)

Die 16-Megapixel-Kamera auf der Rückseite ist grundsätzlich eine der besten Kameras, die derzeit in Spitzen-Smartphones zum Einsatz kommen. Sie fokussiert zackig und löst schnell aus, die Fotos sind kontraststark, zeigen schöne Farben und viele Details. Auch bei schwächerem Licht hält sich das Rauschen in dunkleren Bereichen in Grenzen und ein optischer Bildstabilisator hilft, selbst bei längeren Belichtungszeiten nicht zu verwackeln. Lediglich das Fotolicht enttäuscht etwas, das nicht immer gut dosiert ist und Farben zu unnatürlich wirken lässt. Bei Videos passt die Kamera rasch die Beleuchtung an und der Bildstabilisator leistet bei Bewegungen gute Arbeit.

Ein bisschen abgeguckt

Bei der mit f1.9 sehr lichtstarken Frontkamera hat Samsung beim Huawei Ascend P7 abgeguckt und ihr eine Gruppen-Selfie-Funktion gegeben, bei der drei Einzelaufnahmen zu einem "Wide Selfie" zusammengefügt werden. Auch die Hauptkamera kann für Selfies genutzt werden, sie löst aus, sobald das Gesicht in einer gewünschten Position ist.

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Optisch ähnelt das Note 4 sehr dem Galaxy Alpha.

(Foto: kwe)

Unter der Rückkamera hat das Note 4 wie das Galaxy S5 oder das Galaxy Alpha einen Pulsmesser, der außerdem noch den Sauerstoffgehalt im Blut bestimmen kann. Beide Funktionen sind eher eine Spielerei, wobei die Messung der Sauerstoffsättigung im Test fast nie funktionierte. Wesentlich nützlicher ist der Fingerabdrucksensor im Home-Button. Da man in einem bestimmten Winkel über ihn streichen muss, ist er zwar nicht so komfortabel wie die Sensoren der iPhones und des Ascend Mate 7. Aber er arbeitet zuverlässig und ist zum Entsperren allemal praktischer als ein Code oder Muster.

Was die Laufleistung betrifft, ist das Galaxy Note 4 etwa so ausdauernd wie sein Vorgänger. Das heißt, man kommt mit dem Gerät locker über den Tag und hat auch abends noch einige Reserven. Mit dem Ausdauer-König Ascend Mate 7 kann das Samsung-Phablet aber nicht mithalten. Einerseits verbrauchen die vielen Pixel mehr Strom, andererseits hat der Akku mit 3220 Milliamperestunden eine niedrigere Kapazität. Die Laufleistung des Note 4 ist aber mit der des iPhone 6 Plus vergleichbar, liegt also durchaus in einem komfortablen Bereich. Außerdem hat das Samsung-Phablet eine Schnellladefunktion, wodurch ihm auch ein kleines Päuschen ausreicht, um viel Kraft tanken zu können. Der Akku benötigt für eine vollständige Ladung nicht mal zwei Stunden, die ersten 50 Prozent schafft er in einer halbe Stunde. Wenn's eilt, kann die Batterie auch ruckzuck gewechselt werden.

Einzigartiger Stift

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Der S Pen bietet viele praktische Funktionen.

(Foto: kwe)

Ein Alleinstellungsmerkmal der Note-Serie ist der S Pen, der bei Samsungs vierter Phablet-Generation weitgehend dieselben Funktionen wie beim Vorgänger bietet. Hält man den Stift knapp über das Display und drückt seine Taste, öffnet sich die Auswahl mit vier Befehlen. Nutzer können so unter anderem schnell Notizen erstellen, Screenshots beschriften oder Bildbereiche ausschneiden und an andere Apps weitergeben. Vorzüglich klappt die Handschrifterkennung, die man nicht nur bei Nachrichten, sondern auch in Texteingabefeldern verwenden kann. Gesten machen Korrekturen einfach, im Zeichenmodus variiert die Strichstärke je nachdem, wie stark man die Stiftspitze aufdrückt oder hält. Das alles ist so gelungen, dass man die kleine Fummelei, bis man mit großen Händen die kleine Taste des S Pen unterm Zeigefinger platziert hat, gerne in Kauf nimmt. Bei der Stifte-Bedienung ist Samsung nach wie vor einsame Spitze.

Bei der "Veredelung" von Android mit eigener Software hat sich Samsung im Vergleich zu früheren Zeiten angenehm zurückgehalten und unter anderem die Extras seiner Benutzeroberfläche Touchwiz auf wirklich nützliche Funktionen reduziert. Smart Stay, bei der das Display aktiv bleibt, solange der Nutzer daraufblickt, haben nicht ohne Grund auch andere Hersteller eingeführt. Der geteilte Bildschirm beim Multi-Window erleichtert den Austausch von Informationen zwischen zwei Apps ungemein. Zwar nerven immer noch vorinstallierte Apps von Kooperationspartnern. Doch viele von Samsung stammende oder empfohlene Anwendungen werden nur in Sammlungen angeboten und Nutzer dürfen entscheiden, ob sie sie installieren möchten. Sogar in der Kamera-App gibt's einen Download-Bereich.

Vielseitiger als alle anderen

Nur kleine Schwächen, aber viele Stärken: Samsung ist es gelungen, das Galaxy Note noch besser zu machen, als es ohnehin schon war. Das QHD-Display ist klasse und schränkt die Laufleistung nicht zu sehr ein, der Metallrahmen ist optisch wie haptisch ein großer Schritt in die richtige Richtung. Ob das Note 4 das beste Phablet der Welt ist, hängt vor allem von den Ansprüchen ab. Es ist zwar auf jeden Fall ein heißer Anwärter auf den Titel, aber nicht mehr alleine an der Spitze. Wer das produktivste und vielseitigste Phablet der Welt kaufen möchte, muss klar zu Samsungs neuem Phablet greifen. Das iPhone 6 Plus ist edler, einfacher und hat die bessere Kamera. Das preisgünstige Ascend Mate 7 ist schöner, ausdauernder und hat den praktischeren Fingerabdruck. Einen Blick wert ist auch das LG G3, dessen Display eine noch höhere Pixeldichte als das Galaxy Note 4 bietet.

Quelle: n-tv.de