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Steigende Energiekosten Wann lohnt sich der Austausch von Haushaltsgeräten?

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Mit neuen, sehr energieeffizienten Geräten kann man bei hohen Stromkosten viel Geld sparen.

(Foto: picture alliance / ANP)

Früher war relativ klar, dass es sich kaum rechnet, ein noch gut funktionierendes älteres Haushaltsgerät gegen ein neues, energiesparenderes zu ersetzen. Aber stimmt das angesichts enorm steigender Strompreise noch? Und was ist mit der Ökobilanz für Klima und Umwelt?

Eigentlich funktionieren Waschmaschine, Geschirrspüler oder der Kühlschrank noch, auch wenn sie nicht mehr die Jüngsten sind. Doch sie verbrauchen gewöhnlich deutlich mehr Strom als aktuelle Geräte. Viele Nutzer fragen sich deshalb, ob es sich bei rasant steigenden Energiekosten lohnt, alte "weiße Ware" gegen neue auszutauschen. Das ist nicht einfach zu beantworten, denn es kommt sehr stark auf das einzelne Gerät und dessen Nutzung an. Und neben der Stromrechnung sollte man auch berücksichtigen, was eine Neuanschaffung für Klima und Umwelt bedeutet.

Laut Bundeswirtschaftsministerium machen Haushaltsgeräte in einem durchschnittlichen Drei-Personenhaushalt 37 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs von 3700 Kilowattstunden (kWh) aus. Mit 17 Prozent ist der Anteil von Kühl- und Gefriergeräten am höchsten, es folgen Waschmaschinen und Trockner mit 13 und Spülmaschinen mit 7 Prozent.

Die Rechnung alt gegen billig geht selten auf

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich ein Neukauf nur dann lohnt, wenn man sich ein Gerät mit hoher, am besten der höchsten Energieeffizienzklasse anschafft, welches wiederum sehr langlebig sein sollte. Das bedeutet gewöhnlich, dass man nicht zu den allergünstigsten Geräten greifen sollte. Stiftung Warentest hat kürzlich festgestellt, dass bei großen Kühl-Gefrier-Kombinationen die sparsamsten Testkandidaten bis zu dreimal weniger Strom verbrauchen als die energiehungrigsten.

Wann lohnt es sich für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel, einen neuen Kühlschrank zu kaufen?

Der Austausch alter Kühlschränke kann sich recht schnell rechnen.

(Foto: Markus Scholz/dpa-tmn)

Je mehr man in ein neues Gerät investiert und je seltener es zum Einsatz kommt, desto länger dauert es, bis sich die Anschaffung durch niedrigere Energiekosten bezahlt macht. Ist der Unterschied beim Verbrauch sehr groß, kann es unter Umständen sehr schnell gehen. Laut Stiftung Warentest kann man im Idealfall mit einer neuen Kühl-Gefrierkombination pro Jahr 200 Euro sparen.

Die potenzielle Ersparnis nimmt schnell zu: Im vergangenen Jahr kostete die Kilowattstunde durchschnittlich noch knapp 32 Cent, jetzt sind es bereits rund 37 Cent. Neukunden zahlen laut "Forbes" aktuell schon im Schnitt 41 Cent. Wie es weitergeht, zeigt die Ankündigung des baden-württembergischen Versorgers EnBW, die Strompreise ab Oktober im Grundversorgungstarif um durchschnittlich 31 Prozent anzuheben.

Stromverbrauch am besten messen

Um zu ermitteln, was ein Austausch tatsächlich bringen könnte, benötigt man zunächst den Stromverbrauch des alten Geräts. Man kann versuchen, ihn anhand von Unterlagen zu ermitteln - sofern sie noch vorhanden sind und man daraus schlau wird. Genauer ist es, ein Messgerät zu verwenden. Man bekommt es ab etwa 20 Euro, einige smarte Steckdosen haben eine entsprechende Funktion integriert. Man kann sich ein Strommessgerät aber auch bei vielen Versorgern oder der Energieberatung der Verbraucherzentralen ausleihen.

Bei Kühlschränken sollte man berücksichtigen, dass sie bei unterschiedlichen Raumtemperaturen unterschiedlich viel Strom verbrauchen. Laut Stiftung Warentest ist ihr Energiebedarf bei 25 Grad rund dreimal höher als bei 10 Grad. Unter Umständen ergibt sich bei Messungen im Sommer oder Winter also hochgerechnet ein zu hoher oder zu niedriger Jahresverbrauch.

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Das Energielabel einer Waschmaschine.

(Foto: picture alliance/dpa/BMWI)

Den Energiebedarf eines Neugeräts kann man ganz einfach am neuen Energielabel ablesen. Bei Kühlschränken sieht man dort beispielsweise den Verbrauch in Kilowattstunden pro Jahr, bei Waschmaschinen pro 100 Waschladungen im Eco-Modus, bei Geschirrspülern pro 100 Spülzyklen im Eco-Betrieb.

Bayerischer Haushaltsgeräte-Check hilft

Wenn man ermitteln möchte, ob und wann sich ein Austausch lohnt, kann der Haushaltsgeräte-Check des bayerischen Energieministeriums sehr nützlich sein. Man füttert ihn bei Kühlschränken mit dem Preis des neuen Geräts und dem ermittelten beziehungsweise angegebenen Stromverbrauch pro Jahr. Bei Waschmaschinen und Geschirrspülern gibt man den Energiebedarf des Standardprogramms und die Anzahl der Spül- beziehungsweise Waschgänge ein.

Zusätzlich kann man Rahmenbedingungen wie die Inflationsrate und Strompreissteigerung eingeben. Im Ergebnis sieht man dann, nach wie vielen Jahren sich ein Austausch auszahlen könnte.

CO2online gibt an, dass sich über den Daumen gepeilt die Anschaffung eines neuen Geschirrspülers oder Kühlschranks mit hoher Effizienzklasse lohnt, wenn das alte Gerät mindestens zehn Jahre auf dem Buckel hat.

Das kann auch bei Waschmaschinen der Fall sein, allerdings nur in großen Haushalten, in denen ein sehr ineffizientes Gerät mehrmals die Woche läuft. Eine Beispielrechnung von CO2online hat ergeben, dass in zehn Jahren bei 220 Waschgängen pro Jahr und einem Strompreis von 31,81 Cent durch ein neues Gerät 220 Euro gespart werden.

Für die Umwelt ist lange Nutzung meistens besser

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Selbst wenn sich ein Austausch rechnen sollte, kann es für die Ökobilanz besser sein, ein altes Gerät weiterzubetreiben. Denn Materialgewinnung, Herstellung, und Transport einer neuen Maschine sind für die Umwelt eine große Belastung. Das Öko-Institut hat 2018 festgestellt, dass es beim Ersatz einer funktionierenden Waschmaschine aus dem Jahr 2000 alleine 40 Jahre dauern würde, bis die Treibhausgase ausgeglichen wären, die durch die Produktion eines neuen Geräts freigesetzt werden.

Bei Kühlschränken und Spülmaschinen kann sich dagegen ein vorzeitiger Austausch auch für die Umwelt lohnen. Laut Öko-Institut ist das im Schnitt der Fall, wenn Geräte, die bis zum Jahr 2000 gekauft wurden oder die einen hohen Stromverbrauch haben, durch neue Geräte mit hoher Energieeffizienz ersetzt werden.

Quelle: ntv.de

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