Marktberichte

Adidas rockt, Wall Street nicht 12.000? Dax-Anleger setzen auf Draghi

Zur Wochenmitte zeichnet sich am deutschen Aktienmarkt lange keine Tendenz ab. Am Ende steht ein Plus - und die Erkenntnis, dass sich die Anleger vor der EZB-Sitzung mit Käufen zurückhalten. Mario Draghi soll's richten.

Zur Wochenmitte hat sich der Dax zwischen 11.922 Punkten und 12.017 Zählern bewegt. Die Börsianer am deutschen Aktienmarkt übten sich in Zurückhaltung. "Anleger haben momentan keine Lust auf Aktien", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf. Sie verwies auf die bevorstehende Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Aber vor allem die anschließenden Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi würden es sein, auf die die Anleger warteten, so Marggraf.

Der Dax verabschiedete sich mit einem minimalen Aufschlag auf 11.967 Punkten aus dem Handel. Am Montag hatte der Leitindex leichte Verluste, am Dienstag einen geringen Aufschlag verzeichnet. Der MDax verlor 0,2 Prozent auf 23.235 Zähler. Der TecDax gewann 0,7 Prozent auf 1955 Stellen.

Konjunktur: Was treibt die Währungshüter um?

Am Gesamtmarkt sprachen Händler von einer ausgeprägten Konsolidierungsstimmung nach der Rally der vergangenen Wochen. Angesichts der in Kürze anstehenden Fed- und EZB-Sitzungen übten sich die Markteilnehmer zunächst noch in Zurückhaltung, sagte Gregor Kuhn von IG Markets.

Die EZB tagt am Donnerstag. Dabei können sich einige Marktteilnehmer vorstellen, dass sie möglicherweise den Ausblick ändert, indem sie den Teilsatz streicht, nach dem die Zinsen noch weiter sinken könnten. Auch bei der Fed geht es in den kommenden Wochen vor allem um den Ausblick, denn eine Zinserhöhung kommende Woche gilt mit nahezu 100 Prozent als eingepreist. Derzeit werden darüber hinaus noch zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr erwartet.

Dax: Starke Zahlen am laufenden Band

Erst einmal rückte aber die Berichtssaison im den Blick. Starke Zahlen kamen laut Händlern von Adidas, deren Titel rund 8,5 Prozent zulegten. Entgegen den Erwartungen am Markt soll die Bruttomarge in diesem Jahr noch weiter steigen, und zwar auf 49,1 Prozent. Den längerfristigen Ausblick bis 2020 hatte Adidas zudem erhöht. "Die Profitabilität soll deutlich stärker und schneller steigen als gedacht", kommentierte ein Händler.

Deutsche Post verloren dagegen fast 3 Prozent. Die Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen: "Solide, aber uninspirierend" nannte ein Händler das Zahlenwerk. Er sprach von Gewinnmitnahmen.

Beiersdorf gaben etwa 1 Prozent ab. Auch hier führten Marktexperten Geschäftszahlen ins Feld. "Die Zahlen waren sehr gut ausgefallen. Allerdings wurde die Dividende nicht erhöht", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel.

Lufthansa zogen wiederum mehr als 3 Prozent an. Das Brokerhaus Mainfirst hatte die Aktien auf die Kaufliste genommen. Die Analysten der Societe Generale hatten das Kursziel für BASF auf 102 Euro erhöht von 90 Euro. BASF verbilligten sich dennoch leicht.

Im Fokus blieb auch die Deutsche Bank, die ihre Talfahrt vom Wochenstart am Dienstag - wenn auch gebremst - fortgesetzt hatten. Zur Wochenmitte ging es für die Titel der Deutschen Bank aber mehr als 2 Prozent nach oben. 

MDax: Hammer-Dividende bei pbb

Gute Geschäftsergebnisse, vor allem aber eine überraschend hohe Dividende zogen Käufe bei Deutsche Pfandbriefbank (pbb) nach sich, die Titel kletterten mehr als 5 Prozent. "Die Dividende liegt mit 1,05 Euro um fast ein Drittel über unserer Schätzung", sagte ein Händler. Bei Verwaltungskosten leicht unter der Konsensschätzung liege der operative Gewinn um 11 Prozent über der Prognose. Die Bestätigung der Ziele für 2017 decke sich mit den Erwartungen am Markt, hieß es weiter.

Europa: Überflieger Air France-KLM

Rund 6 Prozent verteuerten sich Air France-KLM nach der Vorlage von Verkehrszahlen. Dabei sei nicht nur interessant, dass die Passagierzahlen um 2,9 Prozent zugelegt hätten, "das Kapazitätswachstum ist nur um 0,8 Prozent ausgedehnt worden", kommentierte ein Händler das Zahlenwerk. Damit habe sich die Auslastung deutlich erhöht, was die Chance auf steigende Gewinne eröffne.

USA: Kaum Bewegung

Auch an der Wall Street bewegten sich die Aktienkurse nur wenig. Selbst der überraschend starke ADP-Arbeitsmarktbericht lockte die Anleger nicht aus der Reserve. Sie hielten sich vielmehr vor dem US-Arbeitsmarktbericht für Februar am Freitag und der Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche zurück.

Der Dow-Jones-Index sank um 0,3 Prozent auf 20.856 Punkte. Der S&P-500 schloss 0,2 Prozent niedriger. Dagegen tendierte der Nasdaq-Composite gut behauptet. Hier stützten Kursgewinne des Biotechnologiesektors, dessen Subindex sich um 0,9 Prozent erholte. Am Dienstag hatte US-Präsident Donald Trump Pharma- und Biotechwerte auf Talfahrt geschickt, indem er seine Absicht bekräftigte, Preissenkungen für Medikamente vorzuschreiben.

Die im S&P-500 gelisteten Energiewerte gaben im Sog des Ölpreises im Schnitt um 2,5 Prozent nach. Unter den Einzelwerten fielen Exxon Mobil und Chevron um 1,8 und 2 Prozent. Halliburton verbilligten sich um 3,2 Prozent und Baker Hughes um 2,9 Prozent.

Die Aktie des Gefängnisbetreibers GEO verlor 3,7 Prozent. Das Unternehmen nutzt den kräftigen Anstieg seiner Aktie in den vergangenen Monaten zu einer Kapitalerhöhung. Im Zuge der Trump-Rally hat die Aktie seit dem Tag vor der Präsidentschaftswahl bis zum gestrigen Dienstag 87 Prozent zugelegt. Sie profitierte davon, dass die neue Regierung - im Gegensatz zur Obama-Administration - an der Zusammenarbeit mit privaten Betreibern festhalten will.

Rohstoffe: Ölpreis gibt nach

Am Ölmarkt ging es mit den Preisen kräftig nach unten, nachdem das US-Energieministerium für die Vorwoche einen unerwartet kräftigen Anstieg seiner Ölvorräte gemeldet hatte. Zwar waren die Akteure vorgewarnt, denn schon am späten Dienstag hatte der Branchenverband American Petroleum Institute von einer deutlichen Zunahme der Lagerbestände berichtet, der am Mittwoch veröffentlichte Zuwachs lag jedoch erheblich über den Schätzungen der Analysten. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI fiel um 5,4 Prozent auf 50,28 Dollar und verzeichnete damit den prozentual höchsten Tagesverlust seit gut einem Jahr. Brent verbilligte sich um 5 Prozent auf 53,11 Dollar.

Der Goldpreis stand unverändert ganz im Bann der Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche. Eine Zinserhöhung wird mehrheitlich erwartet. Auch wenn es für den Goldpreis nach einer beschlossenen Zinserhöhung zunächst weiter nach unten gehen dürfte, sollten die weltweiten politischen Unsicherheiten das Edelmetall stützen, so Analyst David Govett von Marex Spectron. Der Preis für die Feinunze reduzierte sich bis zum Settlement um 0,6 Prozent auf 1.209,40 Dollar. Im anschließenden elektronischen Handel verharrte der Goldpreis in der Nähe dieser Marke.

Devisen: Euro wartet ab

Der Dollar neigte nach dem überraschend guten ADP-Bericht leicht zur Stärke gegenüber Euro, Pfund und Yen. Doch dürften die jüngsten Bewegungen am Devisenmarkt nicht überbewertet werden, sagte ein Teilnehmer. "Die Investoren werden mit ausbleibenden Details von der neuen US-Regierung zunehmend unruhig", merkt Devisen-Stratege Piotr Matys von der Rabobank mit Blick auf geplante Steuersenkungen, Deregulierungen und Infrastrukturausgaben an. Der Euro notierte im späten US-Handel bei etwa 1,0545 Dollar und damit in der Nähe seines Tagestiefs.

Überraschend gute Daten vom US-Arbeitsmarkt und die Aussicht auf eine schnelle Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed sorgten für vergleichsweise wenig Druck auf den Euro. Am Nachmittag rutschte der Kurs nur für kurze Zeit auf ein Tagestief bei 1,0535 Dollar. An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt in der kommenden Woche mittlerweile mit 100 Prozent eingeschätzt. Allerdings gilt die US-Zinserhöhung bereits seit Tagen als nahezu sicher, was den Kurs des Euro mehrfach belastet hatte. Das jüngste Signal für eine Zinserhöhung lieferte der amerikanische Arbeitsmarktdienstleister ADP.

Asien: Abgaben in Ostasien

In Fernost gaben die Börsen am Mittwoch nach: Der Nikkei-Index verlor 0,5 Prozent. Der breiter gefasste Topix büßte ebenfalls ein. Der Shanghai Composite  gab ebenfalls leicht ab.

Händler begründeten die Abschläge mit den schwachen US-Vorgaben. Die New Yorker Börsen hatten am Dienstag mit leichten Verlusten geschlossen. Außerdem wagten sich die Anleger angesichts einer zunehmenden Erwartung, dass die amerikanische Fed in der kommenden Woche die Zinsen anhebt, kaum aus der Deckung.

Bei den Tokioter Einzelwerten legten die Aktien von Nintendo rund 2 Prozent zu. Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach sich die neue Switch-Konsole des Konzerns gut verkaufen soll.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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