Marktberichte

9.900 locker überwunden Dax springt ins Wochenende

Die verkürzte Handelswoche hat es in sich: runter, rauf, runter - und am Freitag wieder rauf. Trotz der Spekulationen um den US-Zins schafft der Dax die Gegenbewegung, die Kurse steigen auf breiter Front. Auch die Wall Street verabschiedet sich positiv.

Nach seinem bisherigen volatilen Zick-Zack-Kurs hat sich der Dax zum Wochenschluss noch einmal von seiner besten Seite gezeigt: Er startete mit Gewinnen in den Handel und konnte diese auch bis zum Ende halten. n-tv-Börsenexperte Frank Meyer kommentierte: "Thank God it's friday!"

Der Dax ging mit einem Aufschlag von 1,2 Prozent auf 9.916 Punkten aus dem Handel. Am Donnerstag war der Leitindex deutlich schwächer aus dem Handel gegangen. Am Dienstag hatte er ebenfalls Verluste verbucht, zur Wochenmitte einen leichten Aufschlag. Der MDax verbesserte sich um 1,4 Prozent auf 20.268 Zähler. Der TecDax zog um 1,2 Prozent auf 1.667 Stellen an.

Neben den anhaltenden Spekulationen um eine rasche Erhöhung der US-Leitzinsen rückt nun das am Abend beginnende Finanzministertreffen der sieben führenden Industrieländer (G7) in Japan in den Fokus. Dort wird vor allem diskutiert, wie dem schleppenden Wachstum der Weltwirtschaft Impulse gegeben werden können. Börsianer vermuten, dass auch das Thema Wechselkurse auf der Agenda steht.

Istanbul runter, Athen rauf

In Europa riskierten die Börsianer auch Blicke in die Türkei und nach Griechenland. Im Minus lag dabei der türkische Aktienmarkt. Der Grund: Die Nominierung des türkischen Verkehrsministers Binali Yildirim zum neuen Ministerpräsident des Landes kam nicht gut an. Er gilt als langjähriger enger Vertrauter von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

In Athen kletterten die Kurse indes deutlich. Den Grund lieferte der Internationale Währungsfonds (IWF). Nach dessen Einschätzung,  brauche Griechenland eine lange Phase ohne Schuldenrückzahlungen.

Rohstoffe: Brent pendelt um 49 Dollar

Der Ölpreis stützte die Gegenbewegung am Aktienmarkt. Zwar drehte er am Nachmittag nach Gewinnen leicht ins Minus, er konnte aber sein hohes Niveau der Vortage in etwa halten. Die richtungsweisende Nordseesorte Brent nahm dabei zeitweise Kurs auf die Marke von 50 Dollar. Diese war zuletzt vor über einem halben Jahr erreicht worden.

Am späten Abend kostete ein Barrel (159 Liter) Brent 48,83 Dollar. Das genauso viel wie am Donnerstagabend. Die US-Sorte WTI fiel um 1,0 Prozent auf 47,67 Dollar.

Im Moment halten sich auf dem Markt gute und negative Nachrichten in etwa die Waage, daher die relativ stabile Tendenz. So werden immer noch Produktionsausfälle in wichtigen Ölfördernationen wie Nigeria, Venezuela und Kanada verzeichnet. Auf der anderen Seite gebe es eine steigende Nachfrage aus den USA, sagte Jonathan Barratt, Experte beim australischen Finanzdienstleister Ayers Alliance Securities. Solange es keine weiteren fundamentalen Gründe zum Ölkauf gebe, werde sich der Markt aber schwer damit tun, die 50-Dollar-Schwelle zu überschreiten.

Mitte der Woche hatte der Ölpreis den höchsten Stand seit einem halben Jahr erreicht. Dann gab er wieder deutlich nach, weil der Dollar durch gestiegene Zinserhöhungserwartungen in den USA Auftrieb bekam. Ein starker Dollar drückt auf den Ölpreis, weil er das in Dollar gehandelte Öl aus Sicht vieler Anleger teurer macht und dadurch die Nachfrage schwächt. Der Effekt hielt aber nicht lange an.

Dax: Lkw-Probleme bei Daimler

Bei den Einzelwerten blickten die Börsianer wieder einmal auf die Autowerte. Daimler rückte dabei in den Vordergrund, da der Konzern seine Prognose für die Lkw-Sparte gesenkt und eine Sonderbelastung für einen Airbag-Rückruf verbucht hatte. "Wir sind von dem neuen Ausblick nicht wirklich überrascht", kommentierte Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore. Daimler-Titel drehten dennoch im Handelsverlauf ins Minus, konnten aber bis zum Xetra-Schluss ein Plus von 0,7 Prozent rausholen .

Bei Volkswagen kehrte nach der schnellen Einigung auf einen neuen Haustarifvertrag etwas Ruhe ein, auch wenn es einem Magazinbericht zufolge Neuigkeiten zu weiteren Marken und Modellen mit auffälligen Abgaswerten - vor allem anderer Hersteller gab. VW-Papiere schlossen 1,17 Prozent im Plus. BMW notieren 1,5 Prozent fester.

Dax-Schwergewicht Bayer erholte sich vom Kurssturz am Donnerstag nur leicht. Nachdem die Titel rund 9 Prozent verloren hatten, wegen der möglichen Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto, bewegten sie sich ... Prozent nach oben. Der Kauf wäre Analysten zufolge rund 52 Milliarden Dollar schwer und die größte Übernahme, die ein deutscher Konzern je getätigt hat.

Deutsche-Bank-Aktien zogen 1,16 Prozent an. Am Donnerstag hatten die Aktionäre dem Aufsichtsratschef Paul Achleitner bei seiner Entlastung einen Denkzettel verpasst: Dafür stimmten nur 86,9 Prozent. Zudem lehnten sie das System für die Vorstandsvergütung mehrheitlich ab.

MDax/TecDax: Aktionärstreffen satt

Im MDax schauten Anleger auf Fraport, Lanxess und Wacker Chemie. Die drei Konzerne luden ihre Anleger jeweils zur Hauptversammlung. Fraport schlossen 0,3 Prozent leichter. Lanxess und Wacker Chemie schlossen 2,4 Prozent und 1,2 Prozent fester.

Mit Dividendenabschlägen - also ex Dividende  - wurden bereits Hugo Boss, LEG Immobilien, Drillisch, United Internet, Telefonica Deutschland, Amadeus Fire und Data Modul gehandelt. LEG Immobilien litten zusätzlich unter einer Verkaufsempfehlung durch JP Morgan. Die Papiere büßten 3,5 Prozent ein.

SDax: Kühne-Einstieg beflügelt

Positiv wurde der Einstieg der Kühne Holding beim Waggonvermiet- und Schienenlogistikunternehmen VTG gewertet. "Kühne ist ein strategischer Investor, VTG hat damit einen neuen Ankeraktionär", hieß es von einem Analysten. Zudem sei damit die Gefahr eines Aktienüberhangs gebannt. VTG sprangen sieben Prozent an.

USA: Es geht auch aufwärts

Zum Wochenschluss zeigte sich auch die Wall Street freundlich. Marktteilnehmer sagten aber, dass die wieder angefachten Diskussionen um eine mögliche US-Zinserhöhung schon im Juni weiterhin ein Thema seien. Zuletzt war die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Zinsschritt an den Finanzmärkten auf über 30 Prozent gestiegen, nachdem sie nach der jüngsten Zinssitzung im April fast auf Null gefallen war. "Die jüngst falkenhaften Einlassungen aus dem Kreise der Fed wirken etwas fragil, wenn man die wichtigen Einwände gegen diese äußerst fragliche Zinserhöhung bedenkt", wiegelte Marktanalystin Ipek Ozkardeskaya von London Capital Group die aktuellen Bedenken aber ab.

Der Dow-Jones-Index schloss zum Ende der Handelswoche um 0,4 Prozent im Plus und verabschiedete sich mit 17.501 Punkten ins Wochenende. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,6 Prozent auf 2052 Zähler zu. Der Nasdaq100 verbesserte sich 1,1 Prozent auf 4.362 Stellen.

Bei den Einzelwerten sprangen Applied Materials fast 14 Prozent an - nach überraschend positiv ausgefallenen Geschäftszahlen. Ross Stores fielen dagegen um 5,5 Prozent, nachdem der Betreiber von Schnäppchenmärkten die Erwartungen zur Umsatz- und Wachstumsentwicklung verfehlt hat. Der Modeanbieter Gap traf derweil die in der vergangenen Woche gesenkte Gewinnprognose und verfehlte damit wie erwartet die vorherige Konsenserwartung. Der Kurs verbesserte sich rund 4,2 Prozent. Yahoo fiel um 1,4 Prozent. Der Internetriese wird Kreisen zufolge bei dem Verkauf seines Kerngeschäfts wohl weniger erlösen als erhofft.

Devisen: Euro über 1,12

Der Euro legte nach deutlichen Verlusten im Wochenverlauf am Freitag zu. Die Gemeinschaftswährung notierte am späten Abend bei 1,1220 Dollar und damit 0,1 Prozent über dem Wert vom Donnerstagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1219 Dollar fest nach 1,1197 Dollar am Donnerstag und 1,1279 Dollar zur Wochenmitte.

Seit Mitte der Woche schwächelte der Euro aufgrund gestiegener Zinserhöhungserwartungen in den USA deutlich. Zeitweise fiel die Gemeinschaftswährung auf den tiefsten Stand seit Ende März. Nach Äußerungen mehrerer US-Notenbanker und der Veröffentlichung des Protokolls zur jüngsten Zinssitzung der Notenbank Fed rechnen die Anleger wieder mit einem schnelleren geldpolitischen Straffungstempo.

Asien: Schwache positive Tendenz

An den ostasiatischen Aktienmärkten ging ein Großteil der Indizes mit Gewinnen ins Wochenende. Der Tokioter Nikkei-Index schloss 0,5 Prozent fester bei 16.736 Punkten. Der S&P/ASX200 in Sydney verbesserte sich 0,6 Prozent. In China legte der Shanghai Composite leicht zu. Das Plus beim Hangseng in Hongkong betrug rund 1 Prozent.

Ein Grund für den leichten Aufwind sahen Händler im steigenden Ölpreis. Allerdings sind die US-Zinserhöhungs-Diskussionen noch nicht vom Tisch: Befeuert wurde die zuletzt an den Finanzmärkten wieder mit über 30 Prozent eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung von weiteren Kommentaren zweier US-Notenbanker. Sowohl der als geldpolitische Taube geltende William Dudley wie auch Jeffrey Lacker betonten die Möglichkeit, dass im Juni der nächste Zinsschritt nach oben erfolgen könne. Steigende US-Zinsen könnten dazu führen, dass insbesondere aus Schwellenländern Gelder abgezogen werden, um dann wieder in höher rentierenden sicheren US-Papieren angelegt zu werden.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ/dpa