Marktberichte

Wall Street schließt im Minus Verunsicherung frisst Dax-Gewinne auf

Nachdem der Dienstagshandel schon nicht langweilig war, bleibt es am deutschen Aktienmarkt auch zur Wochenmitte spannend. Im Dax fahren die Autowerte vor, aber auch konservative Titel punkten. Das spiegele die Stimmung am Markt wieder, so Händler.

Wie schon am Dienstag ist auch im Mittwochshandel am deutschen Aktienmarkt Pep. Eine Handelsspanne von rund 120 Punkten beim Dax kann sich durchaus sehen lassen. Allerdings ging es für den Börsenleitindex am Mittwoch rauf und runter. Am Ende bleib ein Mini-Plus - und die Tatsache, dass die "Kar"-Statistik in diesem Jahr wohl nicht greifen wird. Wie n-tv-Börsenexperte Frank Meyer sagte, steigt der Dax im Schnitt in der Kar-Woche 0,82 Prozent. Bisher liegt der Index in Summe noch im Minus. "Sicherheit wird gekauft", kommentierte Meyers Kollegin Katja Dofel. "Die amerikanische Außenpolitik belastet, die anstehende französische Präsidentschaftswahl ebenso", so Dofel weiter.

Der Dax schloss 0,1 Prozent fester mit 12.155 Punkten. Das Tagestief markierte er bei 12.123 Zählern, das Tageshoch bei 12.243 Stellen. Am Montag und Dienstag hatte der deutsche Börsenleitindex Verluste verzeichnet. Der MDax legte 0,4 Prozent auf 24.283 Zähler zu. Der TecDax lag am Ende 0,2 Prozent im Plus bei 2021 Punkten. Er hatte am Dienstag dank eines Wertes die deutlichsten Abgaben hinnehmen müssen.

"Die Nervosität ist die letzten Tage deutlich gestiegen, einige Anleger minimieren ihr Risiko am Aktienmarkt", konstatierte ein Aktienstratege die Stimmungslage. Steigende Notierungen würden zu Verkäufen und schnellen Gewinnmitnahmen genutzt, führte er weiter aus.

"Sichere Häfen" gesucht

Nach wie vor belasteten die geopolitischen Krisenherde den Markt. Die Lage in Syrien ist verfahren, die Krise zwischen den USA und Russland könnte genauso eskalieren wie die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea. Dazu kommen die immer näher rückenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich mit einem anschließenden möglichen "Frexit"-Referendum und das am Sonntag anstehende Referendum in der Türkei.

"Sichere Häfen" seien gefragt, hieß es aus dem Handel: Yen und Gold bewegten sich auf Jahreshöchstständen. Zur Vorsicht mahne zudem, dass sich die als Angstbarometer bezeichneten Volatilitätsindizes seit Tagen im Steigen befinden, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen notiere mit aktuell 2,29 Prozent in der Zwischenzeit unter den Niveaus zu Beginn der Trump-Rally, hieß es aus dem Handel. Bislang konnten sich die Aktienmärkte diesem negativen Umfeld weitgehend entziehen. Wie lange diese Entkoppelung anhalte, sei aber unklar.

Dax: Autowerte fahren vor

Bei den Einzelwerten schauten die Anleger vor allem bei den Autowerten genauer hin. So legten Daimler überraschend früh Eckdaten fürs erste Quartal vor. Die Titel zogen 0,5 Prozent an, hatten in der Spitze aber bereits um 2 Prozent fester notiert. Das Konzern-Ebit kletterte demnach auf gut 4 Milliarden Euro von 2,1 Milliarden Euro. Ein Händler sprach von einem deutlich über den Erwartungen liegenden Ergebnis. "Am Zahlenwerk kann man nicht meckern", sagte n-tv Börsenexperte Meyer.

BMW legten rund 0,8 Prozent zu. Der Konzern hatte angetrieben von weiter guten Verkäufen in China im März mehr Autos verkauft als im Vorjahresmonat. Der Absatz der Kernmarke stieg um 5,3 Prozent auf 212.093 Fahrzeuge. Inklusive Mini und Rolls-Royce lag der Zuwachs bei 5,9 Prozent. Im ersten Quartal lag das Plus der Kernmarke bei 5,2 Prozent und das des Konzerns bei 5,3 Prozent.

Auch VW verbesserten sich - 0,3 Prozent - nach frischen Absatzzahlen. Unterstützt von steigender Nachfrage in China und Deutschland hatte Volkswagen im März erstmals seit Jahresbeginn wieder mehr Autos verkauft als im jeweiligen Vorjahresmonat. Weltweit setzte der Dax-Konzern 557.400 Pkw unter der eigenen Marke, ein Plus von 2,5 Prozent. Seit Jahresbeginn verzeichnete VW allerdings noch ein Absatzminus von 1,3 Prozent.

Mit Abgaben von 1,4 Prozent führten Deutsche Börse die Verliererliste im Dax an. Ein Händler verwies auf das schwache Börsenumfeld. Dieses sei seit geraumer Zeit von der Zurückhaltung der Anleger und mithin mauen Börsenumsätzen geprägt. Bereits die Handelsaktivität im Januar und Februar war deutlich rückläufig. Dieser Trend dürfte sich fortgesetzt haben, hieß es weiter.

MDax: Fraport kein Überflieger

Fraport schlossen nahezu unverändert. Die nach Einschätzung aus dem Handel guten Passagierzahlen stützten, waren aber auch bereits vollständig in den Aktien eingepreist. Das Papier war bereits am Dienstag in Reaktion auf sehr gute Lufthansa-Passagierzahlen um mehr als 4 Prozent gestiegen.

SDax: BVB im Blick

Die BVB-Titel beendeten einen ereignisreichen Handel mehr als 2 Prozent im Plus. Zwischenzeitlich hatten sie rund 2 Prozent eingebüßt. Der Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund belaste die Aktien, hatte es zwischenzeitlich gehießen. Im Handel ging man aber nicht von einer längerfristigen Belastung für den Aktienkurs aus - und so kam es dann auch.

TecDax: Dialog im Fokus

Nach den Kursturbulenzen am Dienstag verabschiedeten sich Dialog Semiconductor etwa 1,8 Prozent leichter aus dem Handel. Die Titel waren nach einer Analystenherabstufung mehr als ein Drittel eingebrochen. Danach konnten sie vom Tagestief jedoch wieder rund 30 Prozent zulegen. Am Ende stand dennoch ein deutlicher Abschlag von mehr als 14 Prozent. Das Bankhaus Lampe spekulierte darüber, dass der Apple-Zulieferer diesen Status einbüßen könnte.

Europa: Für Tesco geht's abwärts

Nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen ging es für das Tesco-Papier 4,5 Prozent nach unten. Die Zahlen seien zwar über den Erwartungen ausgefallen. Allerdings habe Tesco wohl die Absicht, die Preise auf absehbare Zeit niedrig zu halten, erklärte ein Händler die Aktienbewegung. Das wecke die Furcht vor Margenverschlechterungen.

USA: Wenig los, aber negativ

Die US-Börsen verzeichneten leichte Verluste. Nach dem Militärschlag der USA gegen Ziele in Syrien in der vergangenen Woche gebe es weiter geopolitische Risiken, sagten Händler. Zudem warteten Anleger mit Spannung auf die neuesten Quartalsbilanzen der US-Firmen. Am Donnerstag stehen Zahlen der Großbanken JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo an.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,3 Prozent auf 20.592 Punkte. Der S&P-500 reduzierte sich um 0,4 Prozent auf 2.345 Punkte, der Nasdaq-Composite fiel um 0,5 Prozent auf 5.836 Punkte.

Die Blackberry-Aktie sprang um 16 Prozent nach oben. In einem Schlichtungsverfahren wurde dem Unternehmen vorläufig eine Summe von rund 815 Millionen Dollar zugesprochen. Es handelt sich dabei um Lizenzgebühren, die Blackberry zuviel an Qualcomm gezahlt haben soll. Über die endgültige Summe, die auch Zinsen und Rechtskosten berücksichtigt, soll nach einer Anhörung am 30. Mai entschieden werden. Qualcomm fielen dagegen um 3,5 Prozent.

Die Aktie von Delta Air Lines konnte nach einem optimistischen Ausblick deutlichere Kursgewinne nicht verteidigen und verlor am Ende 0,5 Prozent. Die Nummer 2 unter den US-Airlines erwartet, dass der Umsatz je Sitzmeile dank einer höheren Nachfrage in diesem Quartal endlich wieder wächst und auch den Rest des Jahres zulegt. Dagegen verbesserten sich American Airlines um 0,1 Prozent und Southwest Airlines stiegen um 0,8 Prozent.

Rohstoffe: Gold gefragt

Bei den Rohstoffwerten zogen zunächst sowohl Öl- als auch Goldpreis an. Allerdings konnte nur das Edelmetall seine frühen Gewinne halten: Der Goldpreis erhöhte sich zum US-Settlement um 0,3 Prozent auf 1.278 Dollar, nachdem er im Verlauf erneut den höchsten Stand seit fünf Monaten markiert hatte. Mit den Trump-Aussagen und dem in der Folge deutlich fallenden Dollar baute das Edelmetall seine Gewinne noch weiter aus und notierte im elektronischen Handel bei 1.281 Dollar.

Am Ölmarkt gaben die Preise zwischenzeitliche Gewinne wieder ab. Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI reduzierte sich zum US-Settlement um 0,5 Prozent auf 53,11 Dollar. Brent fiel um 0,7 Prozent auf 55,86 Dollar. Zur Begründung wurde auf Daten der staatlichen Energieagentur der USA (EIA) verwiesen, wonach die Ölproduzenten in den USA in der vergangenen Woche ihre Fördermenge weiter erhöht haben. Damit hält die Anhebung der Fördermengen bereits seit zwei Monaten an.

Aus dem März-Bericht der Opec ging hervor, dass deren Mitglieder ihre Fördermenge gesenkt haben. Offenbar halten sie sich an die im November vereinbarte Förderbremse. Allerdings nutzen die US-Produzenten dies, um die eigene Förderung wieder hochzufahren. Die Opec hat daher ihre Schätzung für die diesjährige US-Ölförderung erhöht. Die mit Spannung erwarteten wöchentlichen US-Lagerdaten haben sich deutlicher reduziert als erwartet und damit die Bekanntgabe des US-Branchenverbands API vom Dienstagabend bestätigt.

Devisen: Euro hält 1,06

Der Dollar geriet mit Aussagen von US-Präsident Donald Trump im späten US-Handel unter Druck gegenüber Euro und Yen. Trump hält den US-Dollar für "zu stark". Ein starker Dollar schade und werde auch schlussendlich schaden. "Es ist sehr schwierig im Wettbewerb, wenn andere Länder ihre Währungen abwerten", ergänzte Trump.

Der Euro stieg nach den Aussagen in der Spitze bis auf 1,0672 Dollar, zur japanischen Währung fiel der Greenback bis auf 109,10 Yen. Im späten US-Handel ging der Euro dann mit 1,0659 Dollar um, der Greenback lag bei 109,20 Yen.

Der kanadische Dollar bekam am Nachmittag etwas Auftrieb, nachdem die kanadische Notenbank ihren Leitzins wie von den meisten Experten erwartet unverändert gelassen hatte. Einerseits entwickelt sich die kanadische Wirtschaft derzeit robust, was den Währungshütern grundsätzlich Spielraum für Leitzinsanhebungen gäbe. Andererseits drohen aber Risiken mit Blick auf die künftige Wirtschaftspolitik des Nachbarn und wichtigsten Handelspartners USA.

Asien: Rote Vorzeichen

Mit Abgaben warteten die Aktienmärkte in Fernost zur Wochenmitte auf. Händler machten für die zurückhaltende Stimmung die internationalen Krisen verantwortlich. Besonders wegen der Konflikte in Syrien und Nordkorea waren als sicher geltende Anlagen wie Gold, US-Staatsanleihen oder der japanische Yen gefragt. Letzteres drückte insbesondere die Aktien exportorientierter japanischer Unternehmen.

Der Tokioter Nikkei-Index schloss 1,0 Prozent tiefer bei 18.553 Punkten. Im Handelsverlauf fiel er zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember. Honda verloren zeitweise 2 Prozent, Mazda mehr als 3 Prozent. Die Toshiba-Aktie gab 2 Prozent nach, nachdem der angeschlagene Konzern nach mehrfachem Aufschub am Dienstag nachbörslich die Neunmonatszahlen bis Dezember veröffentlicht hatte. Die Aktion erfolgte ohne die Zustimmung eines Rechnungsprüfers und konnte die Zweifel an der Zukunft des Unternehmens nicht ausräumen.

Für den Shanghai Composite ging es leicht nach unten, nachdem sich der Markt am Dienstag im späten Geschäft deutlich erholt hatte. Leichte Verluste verbuchte auch der S&P/ASX200 in Sydney. Marktstratege Chris Weston von IG vermutete, dass manche Teilnehmer den australischen Markt als möglichen sicheren Hafen in einem unsicheren Umfeld ansehen könnten, er selbst hält das aber nicht für wahrscheinlich.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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