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3000 Jahre auf dem Leder Älteste Bälle Europas und Asiens gefunden

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In der Nähe der Stadt Turfan im Nordwesten Chinas wurden die jahrtausendealten Bälle gefunden.

(Foto: Foto: Patrick Wertmann/UZH/dpa)

Ball gespielt wird offenbar schon sehr lange. Der bislang älteste Beleg dafür in Eurasien ist eine Darstellung aus dem antiken Griechenland von vor 2500 Jahren. Nun finden Forscher in China Bälle, die sogar noch bedeutend älter sind.

Im Nordwesten Chinas haben Forscher die mit Abstand ältesten Belege für Ballspiele in Eurasien (also Europa und Asien) gefunden. Die drei Lederbälle haben einen Durchmesser von etwa acht bis neun Zentimetern und stammen aus grob 3000 Jahre alten Gräbern nahe der Stadt Turpan (Turfan) in der Region Xinjiang. Wie die damaligen Menschen mit den Bällen spielten, wissen die Forscher aus China, Deutschland und der Schweiz jedoch nicht.

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Die drei Lederbälle mit Durchmessern zwischen 7,4 und 9,2 Zentimetern sind zwischen 3200 und 2900 Jahre alt.

(Foto: Foto: Patrick Wertmann/UZH/dpa)

Ballspiele zählen heute zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Welt, betonen die Forscher im "Journal of Archaeological Science: Reports". Der bislang älteste Beleg für Ballspiele in Eurasien ist eine Darstellung aus dem antiken Griechenland, die etwa 2500 Jahre alt ist: Darauf spielen sechs Männer mit gebogenen Hockey-ähnlichen Schlägern mit einem Ball. 300 Jahre jünger ist ein Ball aus eingeschnürter Seide und Baumwolle, der in China gefunden wurde. Noch etwas jünger sind Bilder aus dem Osten von China, auf denen Reiter eine Art Polo spielen.

Wolle, Pferdehaar und Leder

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Die nun gefundenen drei Bälle mit einem Durchmesser von 7,6 bis 9,2 Zentimetern bestehen aus weichem Material wie etwa Wolle und Pferdehaar, das in Leder eingewickelt ist und mit einem Band zusammengehalten wird. Die Funde stammen aus drei Gräbern, die zwischen 3200 und 2900 Jahre alt sind. "Damit sind diese Bälle etwa fünf Jahrhunderte älter als die bisher bekannten antiken Bälle und Darstellungen von Ballspielen in Eurasien", wird Erstautor Patrick Wertmann von der Universität Zürich in einer Mitteilung seiner Hochschule zitiert. "Leider reichen die zugehörigen archäologischen Informationen jedoch nicht aus, um die Frage zu beantworten, wie diese Bälle genau eingesetzt wurden."

Es sei allerdings wohl kein Zufall, dass zwei der Bälle in Gräbern von bewaffneten Reitern gefunden wurden, vermutet das Team. "Angesichts der Tatsache, dass Ballspiele von alters her als exzellente Form von Übung und militärischem Training angesehen wurden, können wir vermuten, dass sie zu jener Zeit auftauchten, als Reiten und eine Reiterkaste sich im östlichen Zentralasien auszubreiten begannen", schreiben die Autoren.

Trockenheit ließ Material überdauern

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Die in verschiedenen Gräbern gefundenen Holzstöcke.

(Foto: Patrick Wertmann/UZH/dpa)

Zwar fanden die Forscher in einigen Gräbern auch gekrümmte Holzstöcke. Diese sind jedoch jünger als die Bälle, sodass unklar ist, ob sie mit Ballspielen verbunden sind. Ein Grund für das lange Überdauern der Materialien in den Gräbern ist die extreme Trockenheit in der Region, in der jährlich nur etwa 16 Millimeter Niederschläge fallen.

Auch wenn die nun entdeckten Ballspiel-Belege sehr alt sind, gibt es weltweit noch wesentlich ältere Funde: Der bislang älteste Ball ist aus Leinen und stammt aus einem etwa 4500 Jahre alten Kindergrab südlich des heutigen Kairo. Und ein knapp 4000 Jahre altes Wandbild aus einem Grab in Mittelägypten zeigt zwei Männer, die mit einer Art Hockey-Schlägern Ball spielen. Zudem spielten vor mindestens 3700 Jahren Kulturen in Mittelamerika wie Azteken und Mayas mit Kautschuk-Bällen. Von dem Spiel, das rituellen Charakter hatte, zeugen in der Region Hunderte Ballspielplätze.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa