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Die Chemie macht's Ameisen finden ihre Toten

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Tote Artgenossen werden meist schon nach einer Stunde entfernt.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Tote Ameisen werden von ihren Artgenossen schnell aus der Gemeinschaft entfernt und auf einen speziellen "Abfallhaufen" gebracht. Glaubten Forscher bisher, die Tiere würden die chemischen Anzeichen der beginnenden Zersetzung erkennen, so fanden amerikanische Zoologen nun, dass das Gegenteil den entscheidenden Hinweis gibt: In toten Ameisen fehlt ein bestimmter Cocktail von Lebensstoffen.

Fettsäuren als Todeszeichen

Dong-Hwan Choe und seine Mitarbeiter an der Universität von Kalifornien in Riverside (USA) untersuchten die aus Südamerika stammende Argentinische Ameise (Linepithema humile), die in den USA wie inzwischen in fast allen Ländern der Erde eingewandert ist und bereits viele einheimische Arten verdrängt hat. Wie viele andere Ameisen- und auch Bienenvölker halten sie ihren Stock peinlich rein von gestorbenen Artgenossen. Diese werden meist schon nach einer Stunde entfernt. Dies spricht gegen die bisherige Vermutung von Wissenschaftern, dass zersetzende Fettsäuren das Todeszeichen für die Tiere sein könnte. Dong-Hwan Choe fand nun heraus, dass es in der Chitinhülle von Ameisen eine hohe Konzentration der zwei Stoffe Trans-trans-Dolichodial und Cis-trans-Iridomyrmecin gibt. Diese Substanzen verschwinden allerdings nach dem Tod innerhalb einer Stunde. Die Wissenschaftler berichten darüber in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Die Forscher betupften nun lebende Puppen der Ameisen mit einem Konzentrat bereits vor längerer Zeit gestorbener Artgenossen. Der Effekt war, dass die Puppen, die normalerweise sorgfältig ins Nest zurückgetragen werden, auf dem Abfall landeten. Erhielten die Puppen dagegen zusätzlich einen Extrakt der beiden Chemikalien aus frisch getöteten Ameisen, so verhielten sich die Arbeiterameisen wieder fürsorglich und brachten ihren Nachwuchs in Sicherheit. Das für die Gemeinschaft so wichtige Verhalten, tote Artgenossen zu entsorgen, wird also nicht erst durch deren beginnende Zersetzung ausgelöst, sondern ist ständig vorhanden, wird aber durch chemische Zeichen lebender Ameisen gebremst, schließen die Forscher. Erst wenn diese nachlassen, wird eine Ameise weggetragen. Dies sei biologisch sehr sinnvoll, schreibt das Team, da die Reaktion schnell einsetze und auch nicht so leicht durch fremde Chemikalien gestört werden könne.

dpa

Quelle: n-tv.de

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