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Sonntag, 15. Mai 2011

Unterirdischer Magma-Ozean: Auf dem Jupitermond Io brodelt es

Eine Anomalie auf dem Jupitermond Io hatte die Wissenschaftler in den 90er Jahren vor ein Rätsel gestellt. Die erneute Auswertung der "Galileo"-Messdaten hat nun für eine heiße Enthüllung gesorgt.

Der Jupitermond Io, aufgenommen 1996 von der Raumsonde "Galileo".
Der Jupitermond Io, aufgenommen 1996 von der Raumsonde "Galileo".

Unter der Kruste des Jupitermonds Io brodelt ein 1200 Grad heißer Magma-Ozean. Das schließen NASA-Forscher aus der erneuten Analyse von Messdaten der Raumsonde "Galileo", die 1995 den Jupiter erreicht hatte. Die Magnetfeldsensoren der Sonde hatten damals eine Anomalie festgestellt, die nicht befriedigend erklärt werden konnte. Die erneute Auswertung enthüllt nun nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde eine elektrisch leitende Schicht im Inneren von Io, die aus geschmolzenem Gestein bestehen muss.

Io ist der vulkanisch aktivste Körper im ganzen Sonnensystem. Ursache ist die gigantische Schwerkraft des Riesenplaneten Jupiter, die den Mond beim Umkreisen des Gasriesen regelrecht durchknetet. Ios Vulkane produzieren jährlich etwa hundertmal mehr Lava als die Vulkane der Erde. Anders als auf unserem Planeten konzentrieren sich die Vulkane jedoch nicht auf besonders aktive Regionen, sondern sind über die gesamte Oberfläche verteilt.

Vulkanismus schon 1979 entdeckt

Schon die "Voyager”-Sonde hatte 1979 den Vulkanismus auf Io entdeckt. "Galileo" hatte dann im Oktober 1999 und Februar 2000 unerklärliche Magnetfeldschwankungen beim Vorbeiflug an dem Jupitermond gemessen. Die Forscher gehen nun davon aus, dass diese Schwankungen von einer elektrisch leitenden Schicht im Inneren des Mondes verursacht werden. Diese sorgt dafür, dass die Magnetfeldlinien im Inneren des Mondes stets senkrecht stehen. Während der Mond durch das Jupitermagnetfeld kreist, ergeben sich aus der Kombination der Felder regelmäßige Schwankungen.

Bei der elektrisch leitenden Schicht handelt es sich vermutlich um geschmolzenes Gestein einer bestimmten Sorte, wie die Wissenschaftler im US-Journal "Science" berichten. Neueren mineralogischen Untersuchungen zufolge werde dieses so genannte ultramafische Gestein im geschmolzenen Zustand elektrisch gut leitend. Der unterirdische Magma-Ozean ist den Analysen zufolge mehr als 50 Kilometer dick und mindestens 1200 Grad Celsius heiß.

Forscher sind begeistert

"Die Wissenschaftler sind begeistert, dass wir endlich verstehen, wo Ios Magma herkommt und eine Erklärung für einige der rätselhaften Signaturen haben, die wir in ‘Galileos’ Magnetfelddaten gesehen haben", kommentierte Studienleiter Krishan Khurana von der Universität von Kalifornien in Los Angeles.

Quelle: n-tv.de