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Hallo, ist da jemand? Außerirdische im Visier der Forscher

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Immer wieder werden neue Planeten entdeckt. Wie viele gibt es, die Leben beherbergen?

(Foto: ESO)

Womöglich sind wir nicht allein. Schon vor hunderten von Jahren könnte eine Zivilisation weit weg im All auf die Idee gekommen sein, uns zu kontaktieren. Wie? Mit starken Radiosignalen. SETI-Forscher suchen den Dialog. Doch der gestaltet sich schwierig.

Als im April die Entdeckung des erdähnlichen Planeten Kepler-186f bekannt gegeben wurde, hieß es, man habe ihn auf Radiosignale untersucht. Denn womöglich sind Zivilisationen auf Kepler-186f beheimatet, die über Radiowellen zu uns in Kontakt treten. Schließlich befindet sich der Planet in der bewohnbaren Zone seines Sonnensystems. Es ist nicht zu heiß und nicht zu kalt dort, Wasser könnte flüssig sein. Nach irdischen Maßstäben also beste Voraussetzungen für Leben.

Forscher vom SETI-Institut in Mountain View, Kalifornien, werden in einem solchen Fall gleich aktiv. SETI steht für Search for Extraterrestrial Intelligence und damit für die Suche nach außerirdischen Zivilisationen. Die nahm schon 1960 ihren Anfang. Und auch, wenn sie bislang nicht recht erfolgreich war, geben die SETI-Wissenschaftler nicht auf. Ganz im Gegenteil: Wird ein erdähnlicher Planet in einer bewohnbaren Zone gefunden, laufen die Forscher zur Höchstform auf.

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Das Arecibo-Teleskop in Puerto Rico, das zweitgrößte der Welt, ist eines der Observatorien, die für die Suche nach Außerirdischen genutzt werden.

(Foto: PD-USGOV-DOC-NOAA)

Doch Fehlanzeige. Von Kepler-186f empfingen sie keine Radiosignale. Allerdings müssten die, damit sie auf der Erde messbar wären, auch zehn Mal stärker sein als die stärksten Radare bei uns. Und sie müssten explizit in Richtung des Blauen Planeten gesendet werden. Doch warum sollte das geschehen? Wie SETI-Forscher selbst einräumen, dürfte der Anreiz für Aliens, Signale zu uns zu beamen, recht klein sein. Denn sie wissen ja nichts vom Homo sapiens. Und selbst wenn: Würden sie sich erkennbar machen wollen? Und dann hat die Sache noch einen weiteren Haken: Wer sagt denn, dass etwaige Bewohner von Kepler-186f Radiosender entwickelt haben?

Was hat es überhaupt mit dieser Suche nach Außerirdischen auf sich? Norbert Junkes vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn kann uns dazu einiges erzählen. Das Institut betreibt keine SETI-Forschung - aus gutem Grund, wie sich zeigt. Doch es analysiert Radiowellen natürlicher Quellen. Die stammen nicht von Aliens, sondern von aktiven Galaxien und Pulsaren. Damit kennt Junkes das "Werkzeug", mit dem SETI-Forscher arbeiten, sehr gut. Auch darüber reden wir mit ihm. Doch viele andere Fragen drängen sich auf.

n-tv.de: Herr Dr. Junkes, angenommen, die SETI-Forscher hätten tatsächlich Signale von Kepler-186f empfangen. Was würde uns das sagen – angesichts der Entfernung von 490 Lichtjahren?

Norbert Junkes: Naja … Das Signal wäre dann 490 Jahre unterwegs gewesen. Dann wüssten wir also, dass dort vor fast 500 Jahren mal jemand auf die Idee gekommen war, ein Signal loszuschicken. (lacht) Sie sehen schon: Das macht einen Kontakt, einen wirklichen Dialog schwierig.

Wie wahrscheinlich ist es denn eigentlich, dass es intelligentes Leben fernab der Erde gibt?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, aus folgendem Grund: Wie viele intelligente Zivilisationen kennen wir? Eine. Uns auf der Erde. Es ist also eine Ein-Punkt-Statistik. Wenn man nur ein einzelnes Ereignis dieser Art hat, ist es schwer zu sagen, wie viele Zivilisationen sich woanders noch rumtreiben könnten.

Aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit muss es doch geben, sonst könnte man sich die Suche doch sparen.

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Künstlerische Darstellung von Kepler-186f. Hätte man Signale von dort erhalten, wären sie 490 Jahre unterwegs gewesen.

(Foto: Danielle Futselaar/dpa)

Die Grundlage dafür ist die Möglichkeit, dass es noch viele andere Planeten gibt, auf denen ähnlich lebensfreundliche Bedingungen herrschen wie bei uns. Und Kepler-186f ist ein Beispiel dafür. Er bewegt sich in der habitablen Zone um seinen Stern, das heißt, Wasser würde dort weder gefrieren noch verdampfen. Hier bei uns, auf der Erde, war Wasser in flüssiger Form absolut nötig, damit sich Leben entwickeln konnte. Auch woanders, so sagt man sich, bräuchte man also flüssiges Wasser, damit sich Leben in der Art, wie wir es kennen, entwickeln könnte.

Gehen wir da nicht zu sehr von uns aus? Womöglich kann Leben auch ganz andere Formen annehmen als die uns bekannten.

Sicher. Aber man merkt ja: Die Diskussionen gehen schnell ins Hypothetische. Und solange man es nicht weiß, geht man von einem Modell aus, und das Modell liefern wir uns im Moment selbst. Die Erde ist der einzige Planet, den wir kennen, der überhaupt Leben trägt. Und sie ist der einzige uns bekannte Planet, der Leben hervorgebracht hat, welches in der Lage ist, über sich selbst nachzudenken.

Warum nimmt man an, dass sich Außerirdische ausgerechnet durch Radiosignale bemerkbar machen? Liegt auch das am Modell Mensch?

Erstens das, und zum Zweiten gehören Radiowellen zu den energieärmsten Wellen überhaupt. Das bedeutet, sie sind am leichtesten zu erzeugen. Als vor gut 50 Jahren die ersten SETI-Programme stattgefunden haben, waren Radiowellen das einzig Denkbare. Aber heute, mit entsprechend energiereichen, kurzgepulsten optischen Lasern, könnte man auch auf die Idee kommen, in anderen Wellenlängenbereichen zu suchen. Ohne eine solch spezielle technische Form aber müsste man schon fast seinen Stern hochgehen lassen, um sich über Lichtjahre hinweg bemerkbar zu machen.

Hat man irgendwann schon mal ein Signal empfangen, das man nicht zuordnen konnte und bei dem man an Außerirdische als Absender gedacht hat?

Man hat noch kein Signal gefunden, das eindeutig künstlichen Ursprungs war und das nicht von der Erde kam. Beim Wow!-Signal allerdings war man sich zunächst nicht so sicher.

Was hat es mit dem Wow!-Signal auf sich?

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Das Wow!-Signal: Astrophysiker Jerry Ehman war begeistert. Die umkringelten Zeichen 6EQUJ5 beschreiben den markanten Verlauf der Signalstärke. Für 72 Sekunden war das Signal messbar. Danach konnte es nicht mehr ausfindig gemacht werden.

(Foto: The Ohio State University Radio Observatory and the North American AstroPhysical Observatory (NAAPO))

Im Rahmen der SETI-Programme wurde 1977 ein relativ starkes Signal aus Richtung Weltraum entdeckt. Das war so bemerkenswert, dass der Mathematiker, der vor Ort war, Jerry Ehman, es in den Unterlagen einkringelte und mit "Wow!" kommentierte. Aber man hatte sich ein Kriterium gesetzt, um Signale von Aliens erkennen zu können: Das Signal hätte in einem zweiten Empfangsfenster - drei Minuten nach dem ersten - nochmal auftauchen müssen. Das tat es aber nicht. Das Signal war nicht wiederholbar. Wenn ich mich recht entsinne, war sogar Jerry Ehman selbst ein paar Jahre später davon überzeugt, dass es sich um ein Signal von der Erde handelte, das über eine Reflexion an einem kosmischen Körper, einem Satelliten zum Beispiel, wieder zur Erde zurückgekommen ist. Dass es extraterrestrisch war, glaubte Ehman inzwischen nicht mehr so recht. Glauben ist hier das Stichwort. Wissen kann es niemand. Aber Wissenschaft zeichnet sich durch Wiederholbarkeit und Belege aus. Die gibt es hier nicht.

Gehen denn auch von der Erde konkrete Botschaften ins All? Was ist mit der Arecibo-Botschaft?

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Die Arecibo-Botschaft - hier mit farbigen Hervorhebungen. Binär codiert soll sie anderen Zivilisationen etwas über die menschliche DNS, die Anatomie des Menschen und die Herkunft des Signals vermitteln. Schade nur, dass sie bis zu ihrem Ziel 25.000 Jahre unterwegs ist.

(Foto: Arne Nordmann/Wikipedia/CC BY-SA 3.0)

(lacht) Also … tatsächlich wurde in den 70er Jahren vom Arecibo-Teleskop in Puerto Rico (das ist das Teleskop aus dem James-Bond-Film "Golden Eye") ein bestimmtes kodiertes Signal losgeschickt, und zwar in Richtung des Kugelsternhaufens M13 im Sternbild Herkules. Der Kugelsternhaufen besteht aus einer Million Sonnen, und da müsste man ein paar Planeten erwarten. Man hatte also ein großes Zielfeld. Doch es gab auch einen großen Nachteil: Der Kugelsternhaufen ist 25.000 Lichtjahre von uns entfernt. Und das bedeutet: Wenn die freundlichen Aliens sich sagen "Das ist ein tolles Signal, da müssen wir unbedingt drauf reagieren", dann können wir in 50.000 Jahren mit der Antwort rechnen.

Wenn sie das Signal überhaupt verstanden haben …

Ja, Wissenschaftler, die nicht an der Botschaft beteiligt waren, haben nicht alle darin enthaltenen Informationen entschlüsseln können …

Was ist eigentlich, wenn die Aliens gar nicht so freundlich sind? Ist es schlau, Kontakt aufnehmen zu wollen? Es gibt ja Wissenschaftler, die davor warnen.

Das ist im Grunde eine Diskussion über uns selbst. Wir kennen uns selbst als ziemlich kritische Spezies und überlegen uns, ob wir uns woanders begegnen wollten. Bei einer intelligenten Spezies denken wir an uns, wir kennen nur uns selbst, und wir wissen eben nicht nur gute Sachen über uns. Wenn wir Angst haben, dass die Aliens Waffen mitbringen, wenn sie kommen, dann sind das letztlich Reflexionen über uns Menschen auf der Erde.

Was ist SETI@home? Kann sich damit jeder an der Suche nach Außerirdischen beteiligen?

Ja, jeder, der einen Computer am Netz hängen hat und bereit ist, dessen Rechenleistung zur Verfügung zu stellen, wenn er ihn selbst gerade nicht braucht.

Wie funktioniert diese Suche?

Ausgangspunkt ist das Arecibo-Observatorium. Die riesigen Datenmengen, die in dem Radioteleskop einlaufen, werden ausgewertet, indem man die Rechenlast auf die Computer all derer verteilt, die an dem Projekt teilnehmen. Dafür muss man sich nur eine bestimmte Software auf den eigenen Computer ziehen. Dann werden am heimischen PC Radiosignale analysiert und die Ergebnisse werden wieder zurückgeschickt. 1999 war SETI@home das erste Beispiel für verteiltes Rechnen. Inzwischen haben das viele Wissenschaftszweige für sich entdeckt, doch für SETI war das damals gute Publicity. Das einzige, was fehlte, war, dass E.T. sich meldete.

Eine letzte Frage: Warum betreibt das MPI für Radioastronomie keine SETI-Forschung?

SETI basiert auf Suchprogrammen, die inzwischen schon seit 50 Jahren durchgeführt werden. Bislang ohne Erfolg. Ist damit zu rechnen, dass in den nächsten 5 bis 15 Jahren Signale kommen? Niemand weiß das; niemand weiß, wie die Statistik aussieht. Ein Teleskop könnte also jahrzehntelang blockiert und nur mit Suchen, Suchen, Suchen beschäftigt sein - ohne Ergebnisse anzuzeigen. Das ist schlimmer als die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Oder anders gesagt: Der Heuhaufen ist riesig.

Quelle: n-tv.de

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