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Vogelgrippe in Deutschland Bloß keine toten Tiere anfassen

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In Friedrichshafen fischt ein Mitarbeiter des Baubetriebsamtes in Schutzkleidung eine tote Ente aus dem Hafenbecken.

(Foto: picture alliance / dpa)

Stallpflicht und Sperrzonen: In einigen Regionen des Landes werden die Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe bereits ausgeweitet. Was können Bürger tun, damit die Seuche nicht grassiert? Und wie gefährdet ist der Weihnachtsbraten?

Die Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland ist nicht nur für Geflügelzüchter und - halter besorgniserregend. Die aktuellen Meldungen wecken auch in der Bevölkerung die Erinnerungen an Ausbrüche vor zehn Jahren, bei denen sogar Menschen durch eine Vogelgrippe-Infektion starben. Wie man sich am besten verhält, welche Vorsichtsmaßnahmen auch für Haustiere in Betracht gezogen werden sollten und ob man sich die Weihnachtsgans trotzdem beruhigt schmecken lassen kann, erfahren Sie hier.

Wie sollte man sich verhalten, wenn man einen toten Vogel findet?

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In einem Sperrbezirk dürfen Hunde und Katzen nicht frei herumlaufen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bloß nicht anfassen! Obwohl dieser Grundsatz ja auch in Vogelgrippe-freien Zeiten und für jedes tote Tier gilt, ist jetzt besonders darauf zu achten. Zudem sollten Bürger umgehend das zuständige Veterinäramt mit der genauen Angabe des Fundortes und wenn möglich auch über die Vogelart verständigen. Eltern sollten ihre Kinder eindringlich daran erinnern, tote Tiere niemals anzufassen oder damit rumzuspielen.

Kann auch H5N8 auf den Menschen übertragen werden?

Bisher gibt es weltweit keine Fälle von Infektionen des Menschen mit dem nachgewiesenen H5N8-Virus, heißt es aus dem Friedrich-Loeffler-Institut. Da sich Influenza-Viren jedoch natürlicherweise beständig durch Mutationen verändern, kann ein Ansteckungsrisiko nicht völlig ausgeschlossen werden. Dennoch halten die Experten das Ansteckungsrisiko für den Menschen mit diesem Virustyp für sehr unwahrscheinlich. Experimente in den Hochsicherheitslaboren des Instituts sollen Klarheit darüber bringen, ob dieser Erreger prinzipiell in der Lage ist, auf Säuger überzugehen.

Muss ich meine Katze in der Wohnung behalten, meinen Hund an der Leine führen?

Auch die Infektion eines Hundes, einer Katze oder eines anderen Säugetieres mit H5N8 ist bisher nicht bekannt, teilt das Institut auf Anfrage von n-tv.de mit. Tatsächlich gibt es aber Regionen in Deutschland, in denen derzeit Hunde und sogar Katzen nur an der Leine im Freien ausgeführt werden dürfen. An diesen Orten sind  Wildtiere mit dem Vogelgrippe-Erreger aufgefunden worden. Die  Behörden können diese Regionen zu sogenannten Beobachtungsgebieten erklären. Oftmals sind das die Gebiete, die sich in einem Radius von zehn Kilometern rund um einen Fundort befinden. Da die fahrlässige oder vorsätzliche Verschleppung von Tierseuchen strafbar ist, sollten Haustierhalter diesen Vorgaben unbedingt nachkommen. Eine Katze mit unbeschränkten Zugang ins Freie beispielsweise kann den Virus ins Haus verschleppen, auch ohne sich selbst anzustecken. Haustierhalter sollten zudem in Zeiten von Vogelgrippe auch auf das Verfüttern von rohem Geflügel an ihre Lieblinge verzichten. Industriell hergestellte Tiernahrung dagegen ist durch die hohen Herstellungsstandards unbedenklich.

Was müssen Geflügelhalter wissen?

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Gänse müssen derzeit im Ruhrgebiet im Stall bleiben.

(Foto: picture alliance / Roland Weihra)

Die Fälle von Vogelgrippe können die Stallpflicht beziehungsweise das sogenannte Aufstallungsgebot zum Schutz der Tiere mit sich bringen. Die zuständigen Behörden benachrichtigen die Geflügelhalter schriftlich darüber. Das Austallungsgebot beinhaltet, dass alle gehaltenen Vögel, auch die von Privatpersonen, in Ställen oder überdachten Volieren untergebracht werden müssen. Zudem dürfen Wildvögel keinerlei Zugang zu Futter, Einstreu, Trinkwasser oder Gegenständen haben, mit denen die gehaltenen Vögel in Berührung kommen könnten. Jeder Verdacht auf Vogelgrippe muss von Geflügelzüchter und Haltern von Hausgeflügel sofort den zuständigen Behörden gemeldet werden.

Sind die Sittiche in der Gartenvoliere sicher?

Werden Zier- oder Singvögel in einer Voliere im Freien gehalten, dann muss diese vor allem überdacht und so geschützt konstruiert sein, dass der Kontakt  mit Wildvögeln und deren Kot ausgeschlossen werden kann.

Kann ich jetzt überhaupt noch Freilandeier kaufen?

Bisher gibt es nur vereinzelte Fälle von H5N8-Infektionen bei Nutzgeflügel. Mit dem Vogelgrippe-Virus infizierte Hennen haben eine drastisch reduzierte Legeleistung und sterben nach wenigen Tagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Eier dieser Tiere in den Handel kommen, ist dementsprechend sehr gering. Zudem stehen in den von Vogelgrippe betroffenen Regionen die Hennen in den Ställen.

Muss mein Frühstücksei jetzt immer hart gekocht sein?

Nein, beruhigt das Friedrich-Loeffler-Institut. Man kann davon ausgehen, dass Eier und Eierprodukte im Handel erregerfrei und ungefährlich sind. Allerdings können rohe oder halbgare Eier andere Krankmacher wie zum Beispiel Salmonellen in sich tragen.

Kann ich beruhigt und mit Genuss meine Weihnachtsgans/- ente verspeisen?

Auf jeden Fall, wenn man die übliche Küchenhygiene und normale Zubereitungsregeln einhält, dann steht dem Genuss von Geflügelfleisch zu Weihnachten nichts entgegen. Rohes Geflügel sollte immer getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahrt werden. Genauso sind Gerätschaften und Oberflächen, die mit rohem Geflügel in Kontakt kommen, gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel zu reinigen. Verpackungsmaterial und Auftauwasser sollte sofort entsorgt werden. Sowohl vor der Zubereitung als auch danach sollten die Hände mit warmem Wasser und Seife gewaschen werden. Sämtliche Geflügelspeisen sollten gut durchgegart werden. Eine Kerntermperatur von 70 Grad Celsius für mindestens zwei Minuten tötet auch das temperaturempfindliche H5N8-Virus und macht den Verzehr von Geflügel unbedenklich.

Quelle: n-tv.de

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