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Von der Raumfahrt begeistert Der nächste Deutsche im All

Alexander_Gerst.jpgAls letzter Redner, ganz am Rande des Tisches unter einem Modell der Internationalen Raumstation ISS, ergreift Alexander Gerst das Wort. Dabei steht der 33-jährige Geophysiker im Mittelpunkt: Der gebürtige Baden-Württemberger soll als nächster Deutscher ins All fliegen, möglicherweise sogar zum Mond. Erstmals steht er in der großen Trainingshalle im Astronautenzentrum der europäischen Raumfahrtbehörde ESA in Köln, wo im September seine Grundausbildung beginnt. In Deutschland sind die Verantwortlichen heilfroh, dass ein Bundesbürger zu den sechs neuen ESA-Astronauten zählt. Und Gerst präsentierte sich in Köln sympathisch und begeisternd als Deutschlands neuer Botschafter der Raumfahrt.

Es liege ihm besonders am Herzen, seine Faszination mit anderen zu teilen, bekennt Gerst. Tatsächlich ist seine Begeisterung für die Raumfahrt in jedem seiner Sätze zu spüren. Etwa, wenn er davon erzählt, wie sein Großvater, ein Amateurfunker, einmal seine Antenne Richtung Mond richtete und den sechsjährigen Alexander ins Mikrofon sprechen ließ. Kurz darauf hörte er seine "verzerrte Stimme" als Echo. "Ein kleiner Teil" von ihm sei so auf dem Mond gewesen, erinnert sich Gerst fast drei Jahrzehnte später.

"Ich würde gerne auf den Mond"

ESA_Astronauten.jpgIm Juli 2009, wenige Tage vor dem 40. Jubiläum der ersten Mondlandung, kann Gerst nun selbst von einem Flug zum Mond träumen. Theoretisch kann es zwar sogar sein, dass er nach der Ausbildung gar nicht ins All abhebt. Doch die Chancen für einen Flug schätzt er selbst als "hoch" ein. Nur wann dies sein wird und wohin es dann geht, ist noch völlig offen. In Frage kommt etwa auch die Internationale Raumstation ISS. Als Wissenschaftler sehe er alle möglichen Missionen als sehr wichtig an, sagt Gerst. Doch das "kleine Kind in mir sagt: Ich würde gerne auf den Mond."

Der MondIm September beginnt erstmal seine 18-monatige Grundausbildung in Köln. Vorher arbeitet er noch weiter als Geophysiker in Hamburg. Urlaub gebe es dieses Jahr nicht, sagt Gerst. In Köln wird er dann die eingesetzten wissenschaftlichen Geräte kennenlernen, Fliegen lernen und auch Russisch. Zusammen mit fünf anderen künftigen Astronauten - einem Franzosen, einem Briten, einem Dänen, einem Italiener und einer Italienerin - wird er sich auf die künftigen Aufgaben vorbereiten.

Auswahl aus 8400 Bewerbern

Gerst auf den Mond? Die Nationalität, versichern die Verantwortlichen, spielte bei der Auswahl unter den sage und schreibe mehr als 8400 Bewerbern für diese Ausbildung keine Rolle. "Wir haben nur die Besten genommen", sagt ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. Doch natürlich sind etwa der Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU) und der Vorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, froh, einen deutschen ESA-Astronauten präsentieren zu können. Wörner bekennt offen, es sei "sehr wichtig", dass ein Deutscher in der Gruppe sei. Frühere Astronauten wie Thomas Reiter hätten in der Vergangenheit einen massiven Einfluss auf die öffentliche Meinung gehabt.

Reiter war einst ein halbes Jahr auf der ISS und ist heute DLR-Vorstand. 13 Deutsche wurden bislang für die Ausbildung zum Astronauten ausgesucht, zehn von ihnen kamen zum Einsatz. Der erste war 1978 als DDR-Bürger Sigmund Jähn. Zur illustren Reihe deutscher Astronauten gehören auch so bekannte Namen wie Ulf Merbold, der drei Mal ins All flog.

Der Bekanntheitsgrad und die Auftritte von Merbold, Reiter und künftig Gerst helfen sicher auch dabei, die Bedeutung der Raumfahrt in Deutschland hochzuhalten. Neben Frankreich ist Deutschland größter Geldgeber in der ESA. Jährlich fließt etwa eine Milliarde Euro aus Deutschland in die Raumfahrt. Hintze lässt in Köln durchblicken, dass es aus seiner Sicht auch durchaus mehr sein könnte: Wenn fünf Milliarden Euro als Abwrackprämie für alte Autos da seien, gebe es vielleicht auch Geld für große Technologie-Projekte. Dabei könnte das deutsche Gesicht für ehrgeizige Missionen ins All in Zukunft Alexander Gerst sein.

Quelle: ntv.de