Wissen

Gesundheit in Ost und West Deutschland ist endlich vereint

Alkohol, Übergewicht, Bluthochdruck: Die DDR-Bürger hatten mit mehr gesundheitlichen Problemen zu kämpfen als die im Westen Deutschlands. Heute ist dies anders.

Dicker Mann.jpg

Zu DDR-Zeiten waren die Menschen im Osten nach einer Studie des Robert Koch-Institus dicker, als die in der Bundesrepublik - und hatten damit mehr gesundheitliche Probleme.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Leben in beiden Teilen Deutschlands unterschied sich vor 20 Jahren auch in punkto Gesundheit. Mehr Alkohol, das häufigere Auftreten von starkem Übergewicht oder öfters hoher Blutdruck markierten - wie man heute weiß - Nachteile für Menschen in der DDR. Es gab aber auch Pluspunkte: DDR-Bürger waren vor der Wende kaum von HIV und AIDS betroffen. Und geraucht wurde in Ostdeutschland etwas weniger: Frauen griffen nämlich seltener zur Zigarette als in der Bundesrepublik. Die DDR-Bevölkerung war wegen einer Impfpflicht zudem besser vor einigen Krankheiten geschützt.

In wenig anderen Ländern wurde etwa so viel Alkohol getrunken wie in der DDR. Vor allem Schnaps und Bier waren privat und rund um die Arbeit noch stärker an der Tagesordnung als im Westen. Bis 1988 war der Verbrauch des DDR-Durchschnittsbürgers auf 16 Liter Branntwein pro Jahr hochgeschnellt.

Höhere Selbstmordrate in der DDR

Schnapsladen_DDR_1990.jpg

Ein heruntergekommener Schnaps- und Zigarettenladen in der Stadt Wismar im August 1990: 16 Liter Branntwein wurden 1988 vom DDR-Durchschnittsbürger konsumiert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden nach der Wende im Osten etwas häufiger registriert als im Westen. Frauen, die zur Wende in den neuen Ländern 65 waren, wurden im Schnitt 82 Jahre alt (im Westen dagegen 84) und Männer 78 (Westen: 80). Bei einigen Krebsarten wie Magenkrebs gab es in den neuen Ländern mehr Todesfälle, bei anderen wie Lungenkrebs mehr im Westen. Bekannt ist auch, dass im Vergleich zur Bundesrepublik die Selbstmordraten in der DDR höher waren - im Schnitt anderthalbfach höher.

Seither gab es Annäherungen. In Bereichen wie Lebenserwartung, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Selbstmorde oder Brustkrebs gab es in Ost und West positive Entwicklungen. Bei Diabetes, Allergien, starkem Übergewicht gab es hier wie dort Verschlechterungen. Und auch beim Alkoholkonsum näherten sich Ost und West an - ohne dass weniger getrunken würde, wie eine einschlägige Studie des Robert Koch- Instituts (RKI) zeigt.

Sag mir, wo du wohnst …

Heute zählt, ob jemand in einer armen oder stärkeren Region lebt. In einem ostdeutschen Land mit besonders hoher Arbeitslosigkeit wie Mecklenburg-Vorpommern gibt es auch messbar mehr Krankheit und Krankheitsrisiko.

Auch beim Alkohol zeigen sich deutliche Unterschiede: Bei den Sterbefällen wegen alkoholbedingter Erkrankungen bei den - hauptbetroffenen - Männern liegt Mecklenburg-Vorpommern an der Spitze (62 pro 100.000 Einwohner). Dann kommen Sachsen-Anhalt (51), Brandenburg (48), Sachsen (47), Bremen (41), Thüringen (38), Berlin (33), Hamburg (32), Schleswig-Holstein (32), Niedersachsen (30), Saarland (26), Hessen (23), Rheinland-Pfalz (21), Nordrhein-Westfalen (21), Bayern und Baden-Württemberg (je 20).

Die Unterschiede zwischen den Regionen klaffen auseinander - vor allem wegen unterschiedlich verteilter Armut und Besserstellung. Die meisten Ostländer gehören zu den Schlusslichtern. Der soziale Status der Familien, vor allem die Bildung - das ist auch laut RKI-Studie der entscheidende Faktor für gesundheitlich gute Entwicklung. Die Menschen in Bayern und Baden-Württemberg leben statistisch gesehen heute in den meisten Bereichen mit weniger Krankheitslast.

Quelle: n-tv.de, Basil Wegener, dpa

Mehr zum Thema