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Von Rettungsinsel bis Toilettengang Die Details zur Reise des Solarfliegers

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Das Erreichen eines Weltrekords ist ausdrücklich nicht das Ziel, das Piccard mit der "Solar Impulse 2" und ihrer Weltumrundung verfolgt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seine erste Reise um die Welt legte er im Ballon zurück, nun startet Bertrand Piccard im Solarflugzeug seinen Trip über 40.000 Kilometer. Über dem Pazifik heißt das: Fünf Tage und Nächte allein durchhalten. Schlaf ist dabei nicht das einzige Problem.

Sein Großvater war der Erste, der in einem Ballon in die Stratosphäre aufstieg, sein Vater tauchte 11.000 Meter tief bis zum Grund des Marianengrabens. Er selbst umkreiste 1999 zusammen mit Brian Jones als erster Mensch die Erde in einem Ballon. Bertrand Piccard liegt das Abenteuer im Blut. Und er hat eine Mission. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, FAS, sagte der Schweizer Psychiater und Wissenschaftler in einem Interview: "Ich will Dinge machen, die aufregend und interessant sind, aber zugleich auch einen Nutzen für die Menschen haben."

Konkret will Piccard das Bewusstsein schärfen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Wie? Indem er zeigt, dass es möglich ist, mit einem Solarflugzeug die Welt zu umrunden. Dieses Projekt verfolgt Piccard seit 13 Jahren. Nun geht es los.

Start und Ziel: Abu Dhabi

Am 9. März startet die "Solar Impulse 2" in Abu Dhabi Richtung Osten. Sie fliegt nach Oman, Indien, Myanmar und China. Von dort geht es über den Pazifik nach Hawaii. Die anschließende Nordamerika-Überquerung beginnt mit Phoenix, dann geht es weiter über den Mittleren Westen nach New York. Hinter dem Atlantik ist der letzte Zwischenstopp in Südeuropa oder Nordafrika. Schließlich endet die Reise, wo sie begonnen hat: in Abu Dhabi.

Die "Solar Impulse 2" wird auf ihrer Weltumrundung über zwei Ozeane und vier Kontinente fliegen – 40.000 Kilometer weit. Nur ein Pilot hat in ihr Platz. Bei der Steuerung des Flugzeugs will sich Piccard mit seinem Partner-Chefentwickler André Borschberg abwechseln. Zwölf Landungen und Pilotenwechsel sind für die Reise um die Welt geplant. Sie soll fünf Monate dauern.

Fliegen in Motorroller-Geschwindigkeit

Dass es nicht schneller geht, liegt daran, dass sich das Flugzeug nur mit 50 bis 100 Kilometern in der Stunde durch die Luft bewegt. Piccard kennt das schon. Mit dem Vorgängermodell der "Solar Impulse 2" hatte er 2013 die USA überflogen – von San Francisco bis New York. Die gut 5600 Kilometer hatte er in mehreren Tagesetappen bewältigt. Insgesamt war er fast 106 Stunden in der Luft. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 53 Kilometer je Stunde. Das entspricht dem Tempo eines Motorrollers.

Wesentlich schneller geht es auch jetzt nicht. Doch die "Solar Impulse 2" ist für Flüge über den Ozean besser ausgestattet als ihre Vorgängerin. Außerdem wurde die Nutzlast erhöht, die Verkabelung wasserdicht gemacht, um auch bei Regen fliegen zu können, und ein einfacher Autopilot ist an Bord. Das Cockpit ist größer als bei der ersten "Solar Impulse", aber immer noch spartanisch ausgestattet. Es gibt weder einen Druckausgleich noch eine Heizung. Die Temperaturen in der Kabine werden zwischen minus 20 und plus 40 Grad Celsius schwanken. Und auch mit der Toilette, die unter einem Deckel im Pilotenplatz verborgen ist, ist es so eine Sache: "Wenn ich diese während der Flugphasen in eiskalter Luft nutzen muss, ist das nicht so einfach. Dann muss ich zunächst fünf Schichten an Daunenkleidung ablegen", sagt Piccard in dem Gespräch mit der FAS.

Über dem Pazifik wird es kritisch

Tagsüber wird das Flugzeug auf eine Höhe von über 8500 Metern steigen. Dann laden mehr als 17.000 Solarzellen die Batterien auf, die den Flieger beim Sinkflug in der Nacht mit der Energie versorgen, die er braucht, um nicht abzustürzen. Mit ihren 72 Metern Spannweite ist die "Solar Impulse 2" breiter als eine Boeing 747, dabei wiegt sie so viel wie ein Auto. Das macht das Solarflugzeug extrem windanfällig.

Kein Wunder, dass es Situationen gibt, die Piccard durchaus fürchtet. "Blitz, Gewitter und Sturm. Das hält das Flugzeug nicht aus", sagt er im FAS-Interview. "Daher haben wir 40 Leute in unserem Flugkontrollzentrum in Monaco. Von dort bekomme ich über Satellit die Route, die mich hoffentlich an allen Stürmen vorbeiführt."

Die Angst fliegt mit

Die kritischste Etappe ist die über dem Pazifik. Fünf Tage und Nächte muss der Pilot dann durchfliegen. Wer so lange alleine in der Luft ist, muss schlafen. Doch wie soll das gehen? Der FAS sagt Piccard: "Wir haben trainiert, immer nur 20 Minuten am Stück zu schlafen. Das machen wir dann rund zehnmal innerhalb von 24 Stunden." Gut drei Stunden Schlaf am Tag müssen also reichen.

Und was geschieht, wenn es über dem Pazifik ein Problem gibt, das den Weiterflug verhindert? Dann, so Piccard, "springe ich mit dem Fallschirm ab und klettere in eine aufblasbare Rettungsinsel." Mit der allerdings ist auch seine größte Angst verbunden. Das ist die, mit "dem Fallschirm im Wasser zu landen und zu erkennen, dass ich die Rettungsinsel verloren habe."

Quelle: n-tv.de, asc

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