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Nachweis der Gravitationswellen Drei US-Astrophysiker erhalten Nobelpreis

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Rainer Weiss bei einer Pressekonferenz im Februar 2016, als er vom Nachweis der Gravitationswellen erzählt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht an die drei US-Forscher Weiss, Barish und Thorne. Sie werden damit für den ersten direkten Nachweis im All entstehender Gravitationswellen geehrt. Ihre Entdeckung vom September 2015 gilt als Eröffnung einer neuen Ära.

Es war ein Sensationserfolg in der Wissenschaft: Im Februar 2016 verkündet ein internationales Team aus Astrophysikern, dass es erstmals gelungen ist, die von Albert Einstein vorhergesagten Gravitationswellen direkt nachzuweisen. Die Forscher vom Ligo-Observatorium in den USA präsentierten in Washington ihre Entdeckung vom September 2015. Nach Einschätzung von Beobachtern war sie nobelpreisverdächtig.

Jetzt erhalten der deutschstämmige Rainer Weiss und seine Kollegen Barry Barish und Kip Thorne tatsächlich den diesjährigen Physik-Nobelpreis. Das teilte die Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit umgerechnet etwa 940.000 Euro, nämlich 9 Millionen Schwedischen Kronen, dotiert. Weiss erhält die Hälfte des Preisgeldes, Barish und Thorne teilen sich die andere. "Jeder der Preisträger von 2017 war mit seinem Enthusiasmus und seiner Entschlossenheit von unschätzbarem Wert für den Erfolg des Ligo", hieß es von den Juroren. "Die Pioniere Rainer Weiss und Kip Thorne haben zusammen mit Barry Barish - dem Forscher, der das Projekt vollendete - gewährleistet, dass vier Jahrzehnte der Forschung darin mündeten, dass schließlich Gravitationswellen beobachtet werden konnten."

Gravitationswellen entstehen insbesondere, wenn große Objekte - wie etwa Sterne - beschleunigt werden. Die Wellen stauchen und strecken den Raum. Mit dem Gravitationswellen-Observatorium Ligo fingen die Astrophysiker die Signatur zweier verschmelzender Schwarzer Löcher auf. Die US-Physiker Kip Thorne und Rainer Weiss entwickelten seit den 70er-Jahren die grundlegende Technik, mit der die Wellen gemessen wurden. Barry Barish perfektionierte die Technologie.

Auch deutsche Forscher beteiligt

An der Entdeckung und den Messungen waren mehr als 1000 Forscher in 20 Ländern beteiligt, auch in Deutschland. Im Forschungsprojekt GEO600 in Ruthe bei Hannover zum Beispiel wurden entscheidende technische Komponenten entwickelt und erprobt, die im Ligo zum Einsatz kommen. Der deutsche Gravitationswellendetektor GEO600 wird vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik und verschiedenen Universitäten betrieben.

"Wir gratulieren unseren Kollegen von Herzen und freuen uns sehr über diese Auszeichnung für drei Pioniere der Gravitationswellenforschung", hieß es jetzt von Forschern des Albert-Einstein-Instituts in Hannover und Potsdam. Sie seien stolz, Teil des internationalen Teams zu sein, dem der der Erfolg gelang.

Gravitationswellen entzogen sich bis zum September 2015 jeder Messung. Die Wellen sind zwar laut Einstein umso stärker, je größer die Masse eines Himmelskörpers ist. Allerdings sind sie selbst bei gigantischen Schwarzen Löchern in einiger Entfernung immer noch so klein, dass sie erst nach vier Jahrzehnten der Forschung mit einem verfeinerten Spezialinstrument nachgewiesen werden konnten.

Forscher wollen die Gravitationswellen nutzen, um mehr im All zu erspähen als je zuvor. "Vor 400 Jahren hat Galileo ein Teleskop auf den Himmel gerichtet. Ich glaube, wir tun heute etwas ähnlich Wichtiges. Wir eröffnen eine neue Ära", hatte Ligo-Direktor David Reitze nach dem ersten Nachweis gesagt. Weiss sagte: Mit Gravitationswellen könne man künftig "noch tiefer und tiefer ins Universum schauen". Möglicherweise sogar bis an den Beginn der Zeit, wie Roman Schnabel vom Institut für Laserphysik der Universität Hamburg erläuterte. Demnach könnte es in der Zukunft möglich sein, Gravitationswellen des Urknalls zu messen. "Damit könnte man rausfinden: Was ist in den ersten Sekunden des Urknalls passiert. Das geht nur mit Gravitationswellen."

Quelle: n-tv.de, asc/dpa

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