Wissen

Filter gegen Erderwärmung Forscher hält Ruß für Klimakiller

16115208.jpg

Im Arktischen Ozean.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wenn weltweit gar kein Ruß mehr produziert würde, könnte die Temperatur der Arktis um bis zu 1,7 Grad sinken. Das berechnet ein Experte der Stanford University in Kalifornien und plädiert für Rußfilter und Elektroautos.

Rußvermeidung ist der beste und schnellste Weg, das Eis der Arktis zu schützen. Diesen Schluss zieht Mark Jacobson von der Stanford University in Kalifornien aus einem Computermodell. Werde jeglicher Ruß aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Benzin weggefiltert, lasse sich die Lufttemperatur innerhalb von 15 Jahren um 0,3 bis 0,5 Prozent senken. Dieser Wert könne sich noch verbessern, wenn der Ruß aus der Holz- und Dung-Verbrennung wegfalle.

Ruß sei nach Kohlendioxid der zweitstärkste Treibhausfaktor, berichtet Jacobson im "Journal of Geophysical Research". Doch herkömmliche Klimamodelle unterschätzten den Ruß-Effekt. "Ruß unter Kontrolle zu bringen, könnte die einzige Methode sein, die Erwärmung der Arktis in den nächsten zwei Jahrzehnten deutlich zu reduzieren", meint Jacobson.

Rußpartikel nehmen Sonnenstrahlen auf

Der Forscher hat in den vergangenen 20 Jahren ein Computermodell zu Klima, Luftverschmutzung und Wetter entwickelt, speziell um den Einfluss von Ruß zu analysieren. Die schwarzen Rußpartikel nehmen die Sonnenstrahlen direkt auf. Sie erwärmen sich dadurch und damit auch die sie umgebende Luft. Zusätzlich absorbieren sie von der Erde reflektierte Sonnenstrahlen, wie auch die Treibhausgase dies tun.

7057235.jpg

In Deutschland wird auch 2010 das Nachrüsten von Rußpartikelfiltern für Dieselfahrzeuge gefördert.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Doch die Rußpartikel haben laut Jacobson nicht nur einen Klimaeffekt: 1,5 Millionen Menschen sterben pro Jahr an rußbedingten Krankheiten, und weitere Millionen leiden an Atemwegerkrankungen oder Herzkrankheiten – vor allem Menschen in Entwicklungsländern, wo viel Holz zum Kochen und Heizen genutzt wird.

Ruß belastet Gesundheit und Klima

Werde weltweit gar kein Ruß mehr produziert, könnte die Temperatur in Teilen der Arktis um bis zu 1,7 Grad Celsius sinken, berechnete der Autor. Im vergangenen Jahrhundert habe sich die Arktis um 2,5 Grad erwärmt - dort steigt die Temperatur besonders rasch.

Da Ruß nur kurz in der Atmosphäre verweile und dann ausgewaschen werde, habe eine Verminderung einen schnellen Effekt. Treibhausgase verbleiben dagegen oft Jahrzehnte in der Atmosphäre. Jacobson plädierte für den weltweiten Einbau von Rußfiltern in Fahrzeugen oder gleich den Einsatz von Elektroautos. Könnten mehr Haushalte in Entwicklungsländern mit Strom versorgt werden, habe das neben dem Klimaeffekt zusätzlich einen großen gesundheitlichen Nutzen.

Quelle: ntv.de, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen