Wissen
Die Zahl der Arztbesuche wegen einer akuten Atemwegserkrankung stieg in dieser Grippesaison auf einen Rekordwert.
Die Zahl der Arztbesuche wegen einer akuten Atemwegserkrankung stieg in dieser Grippesaison auf einen Rekordwert.(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)
Mittwoch, 07. März 2018

"Der Trend macht Mut": Gipfel der Grippewelle ist überschritten

Von Andrea Schorsch

Kaum ein Kollege, der nicht ein paar Tage mit Fieber und Husten zu Hause bleiben musste. Und im Norden der Republik gelangen Kliniken wegen der vielen Grippe-Patienten an ihre Grenzen. Jetzt hat das Robert Koch-Institut eine gute Nachricht.

"Wir haben es im Februar noch geschafft", sagt Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin im Gespräch mit n-tv.de und meint damit, dass der Höhepunkt der Grippewelle vergangene Woche erreicht wurde. Das liest Glasmacher aus den jüngst erhobenen Daten ab. Allerdings gebe es durchaus regionale Unterschiede.

Es gibt Lichtblicke: Die Grippeaktivität lässt mancherorts deutlich nach.
Es gibt Lichtblicke: Die Grippeaktivität lässt mancherorts deutlich nach.(Foto: Robert Koch-Institut)

So zeigt die Auswertung für Schleswig-Holstein und Hamburg "einen etwas verzögerten Gipfel", wie Glasmacher sagt. Ende Februar waren dort etwa doppelt so viel Arztbesuche aufgrund einer akuten Atemwegserkrankung gezählt worden wie in einem vergleichbaren Zeitraum ohne Grippewelle. "Das war weit unter dem Bundesdurchschnitt und das Schlusslicht", so Glasmacher. Doch in der aktuellen Auswertung stieg diese Zahl auf rund zweieinhalb Mal so viele Arztbesuche an. Krankenhäuser im Norden Deutschlands gelangten wegen der zahlreichen Grippe-Patienten an ihre Kapazitätsgrenzen. Diese Entwicklung lief dem Trend in Bundesländern wie Sachsen und Rheinland-Pfalz zuwider.

Sie waren die Spitzenreiter des letzten Grippe-Wochenreports. In diesen Bundesländern mussten die Menschen rund 3,5 Mal so oft den Arzt besuchen wie in Zeiten ohne Grippewelle. Im Saarland und in Nordrhein-Westfalen waren die Zahlen ähnlich hoch. "Dort sind die sehr hohen Werte jetzt überall gesunken", sagt Glasmacher mit Blick auf den aktuellen Report. Für Deutschland insgesamt, im Bundesdurchschnitt also, sei die Zahl nun von 2,73 Mal so vielen Arztbesuchen auf nur noch 2,61 Mal gefallen. "Das ist kein Riesenabsinken, aber der Trend macht Mut", resümiert die RKI-Sprecherin.

So viele Arztbesuche wie seit zehn Jahren nicht

War die Grippe-Saison 2017/2018 denn rekordverdächtig? "Es war ein Rekordjahr, was die Arztbesuche betrifft", antwortet Glasmacher. "2,7 Mal so viele Arztbesuche wie im vergleichbaren Zeitraum ohne Grippewelle, das hatten wir tatsächlich in den letzten zehn Jahren in keiner Woche. Das war schon ein sehr hoher Wert." Allerdings könne man daran nicht direkt die Schwere einer Grippewelle ablesen. Der hohe Wert habe sicherlich auch damit zu tun, dass die Altersgruppe der über 35-Jährigen diesmal stark von der Grippe betroffen sei und viele von ihnen eine Krankschreibung bräuchten.

Auch bei der Zahl der labordiagnostisch bestätigten Grippe-Infektionen war ein deutlicher Gipfel zu verzeichnen: "Da sind wir nun bei mehr als 42.000", sagt Glasmacher. "Das ist tatsächlich die höchste Zahl, seit es das Infektionsschutzgesetz gibt." Als besonderes Ereignis könne man das aber nicht werten, denn die Testfreudigkeit unterliege auch Einflüssen aus der öffentlichen Wahrnehmung. "Man kann nicht sagen, die Grippewelle ist schwer, weil so viel getestet wurde."

Ob es nun wirklich ein Rekord-Grippejahr war, lässt sich erst sagen, wenn mit dem Ende der Grippezeit alle Daten einbezogen werden können. Dann ist eine Gesamteinschätzung möglich. Schon jetzt aber steht fest, dass es in dieser Saison bislang mehr als 165.000 Grippe-Patienten gab. Im Winter 2016/2017 waren es nur rund 112.600.

Quelle: n-tv.de