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Das undatierte Foto zeigt einen von Paläontologen entdeckten Kiefer vor (l) und nach der Präparierung.
Das undatierte Foto zeigt einen von Paläontologen entdeckten Kiefer vor (l) und nach der Präparierung.(Foto: dpa)
Mittwoch, 08. August 2012

Fossilienfunde erklären die Evolution: Homo erectus war nicht allein

Hier kommt der Autor hin

Paläontologen ist ein weiterer Durchbruch bei der Erforschung der menschlichen Evolution gelungen. Neben Homo erectus gab es zunächst noch zwei weitere bislang unbekannte Menschenarten in Ostafrika. Warum hat der "aufrechte Mensch" die anderen überlebt?

Ein in Kenia entdeckter Schädel.
Ein in Kenia entdeckter Schädel.(Foto: dpa)

Für das ungeübte Auge handelt es sich lediglich um versteinerte Fragmente früher Menschen, die fast zwei Millionen Jahre unter der Erde des Turkana-Sees in Nordkenia begraben lagen. Aber für Meave Leakey stellen die Fossilien eines Schädels und zweier Unterkiefer eine kleine Sensation dar - denn sie offenbaren neue Details über die Entwicklung des Menschen vor 1,78 bis 1,96 Millionen Jahren in Ostafrika. "Unsere Forschungsarbeit zeigt, dass es mehrere ähnliche Menschenarten gegeben hat, aber wir die einzige sind, die überlebt hat", sagte die berühmte 70-jährige Paläoanthropologin.

Aber dies birgt auch Gefahren. "Die Menschen verstehen sich als etwas Besonderes, und vielleicht verhalten wir uns deshalb so mies. Wir zerstören die Ozeane, die Luft, die wir atmen, und unsere Nahrungsquellen", warnt Leakey. Zusammen mit ihrem Mann Richard und ihrer Tochter Louise versucht die Forscherin seit vielen Jahren, die Geheimnisse unserer Entwicklung zu entschlüsseln - und dadurch letztlich auch die Gegenwart besser zu verstehen.

Dass die Wiege der Menschheit in Afrika liegt, ist schon lange bekannt. Aber durch die neuesten Fossilien-Untersuchungen können Experten jetzt besser erklären, warum der Homo erectus so erfolgreich war und sich zum Homo sapiens entwickelt hat, während die anderen nun untersuchten beiden Homo-Arten ausgestorben sind. Denn die Lebensumstände im Pleistozän waren rau. Intelligenz war gefragt, denn nur wer Grips hatte, überlebte.

"Gehirn gab Ausschlag"

"Ich glaube ganz ehrlich, dass das größere Gehirn den Ausschlag gegeben hat", meint Leakey. "Homo erectus war schlauer und konnte wahrscheinlich bessere Steinwerkzeuge herstellen und leichter Nahrung finden, als die anderen Spezies."

Aber bevor es soweit war, teilten sich die Menschenarten ihren Lebensraum in Ostafrika. So wie heute Gorillas und Schimpansen in einigen Gebieten koexistieren, konnten auch die frühen Menschen lange Zeit gleichzeitig nebeneinander leben, ohne sich gegenseitig auszumerzen.

Erstmals gebe es ein klareres Bild davon, wie die anderen Menschenarten ausgesehen haben könnten, sagt der an dem Projekt beteiligte Wissenschaftler Fred Spoor vom Max-Planck-Institut in Leipzig. Auffälligstes Merkmal war ihr langes, flaches Gesicht.

Leakey und ihr Koobi Fora Forschungsprojekts (KFRP) haben der Entschlüsselung der menschlichen Evolution einen weiteren Puzzlestein hinzugefügt und eine jahrzehntelange Debatte darüber beendet, ob neben dem Homo erectus vor knapp zwei Millionen Jahren noch weitere bislang unbekannte Menschenarten in Ostafrika lebten. Aber sie will sich nicht auf den Lorbeeren ihres Erfolges ausruhen. Denn die neuen Erkenntnisse machen den Menschen auch verwundbar.

"Die ersten Hominiden bevölkerten unseren Planeten vor sechs Millionen Jahren, und in dieser Woche haben wir ein Fahrzeug auf den Mars gesetzt", sagt Leakey. "Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir in geologischer Zeitrechnung erst seit einem winzigen Moment auf der Erde sind. Und wenn wir unsere Ressourcen weiter so vergeuden wie bisher, sind wir wahrscheinlich nicht mehr sehr lange hier."

Quelle: n-tv.de

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