Wissen

Forscher entdecken Kuriosum Italiener spricht plötzlich nur Französisch

imago51465662h(1).jpg

Franzose aus der Klischee-Kiste: So ähnlich sieht sich ein 50-jähriger Italiener.

Mit einem lauten "Bonjour!" begrüßt ein 50-Jähriger jeden Morgen seine Nachbarschaft. Das Merkwürdige daran: Er ist eigentlich Italiener. Seit einer Hirnschädigung verhält sich der Mann wie die Karikatur eines Franzosen. Das bringt einige Marotten mit sich.

Die Familie eines 50-jährigen Italieners sieht sich mit einer sonderbaren Wesensänderung konfrontiert: Nach einer Hirnschädigung spricht ein JC genannter Mann nur noch Französisch - und verhält sich wie ein Klischee-Franzose. Auf den sonderbaren Fall sind italienische Forscher gestoßen, wie das Wissenschaftsmagazin Spektrum berichtet.

Fremdsprachen-Akzent-Syndrom

Das Fremdsprachen-Akzent-Syndrom (FAS) ist eine seltene neurologische Erkrankung, die gelegentlich nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma auftritt. Sie äußert sich in einer Änderung der Sprachmelodie, die oft als Akzent einer Fremdsprache interpretiert wird. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Sprachstörung von kleinen Verletzungen in der linken Gehirnhälfte verursacht wird.

Noch kurioser: Das Französisch des Mannes soll alles andere als gut sein. Denn sein Schulfranzösisch habe er seit 30 Jahren vernachlässigt, schreiben die Mediziner Nicoletta Beschin, Angela de Bruin und Sergio Della Sala. Dennoch lege JC wie wild drauflos und störe sich auch nicht daran, dass sein Umfeld ihn nicht versteht.

Hinzu kommt, dass er sich betont wie die Karikatur eines Franzosen benimmt. So hat der Mann etwa Gesten und eine übertriebene Intonation aus französischen Filmen übernommen, was Beobachter an Louis de Funès erinnert. Zudem kauft JC französische Produkte, kocht französisch und bietet seinen Nachbarn unaufgefordert Französischkurse an.

Verwandte haben sich dran gewöhnt

Morgens soll JC die Fensterläden öffnen und ein lautes "Bonjour!" in die Nachbarschaft rufen. Der Mann zeige laut den Forschern ohnehin eine merkliche Enthemmtheit und eine anlasslose Euphorie, die er selbst als "joie de vivre" bezeichne - als "Lebensfreude". Seine Verwandten hätten sich inzwischen mit dem sonderbaren Verhalten des Mannes abgefunden. Auch Italienisch beherrsche JC weiterhin - und zwar genau so gut wie vorher. Allerdings benutzt er diese Sprache nur noch schriftlich.

Eine Behandlung mit Medikamenten habe das Verhalten von JC nicht ändern können, heißt es in dem Bericht der Wissenschaftler. Ausgelöst habe die Wesensänderung wahrscheinlich eine Anomalie einer Arterie in seinem Gehirn, die schließlich chirurgisch behandelt wurde. Bisher seien solche Fälle von Fachleuten meist als unglaubwürdig zurückgewiesen worden.

Quelle: n-tv.de, kst

Mehr zum Thema