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Cremedosen und Plastikteile im Pazifik Küken werden mit Müll gefüttert

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Ein Laysanalbatros füttert sein Küken.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Statt nahrhaften Fisch bringen Albatrosse des Nordpazifik ihren Küken viel Plastikmüll ans Nest. Die Menge dieses lebensgefährlichen "Futterzusatzes" hängt stark vom Jagdgebiet der Vögel ab, berichten amerikanische Zoologen im Journal "PLoS One". Unter den von den Jungtieren wieder hochgewürgten Gegenständen fanden sich Spielzeug-Plastikfiguren und eine noch volle Dose Hautcreme, schreibt das Team um Lindsay Young von der Universität Hawaii in Honolulu.In dem riesigen Seegebiet zwischen Asien und Nordamerika kreisen große Mengen Plastik.

Das Gebiet gilt den Forschern zufolge als größte Müllkippe der Welt. Im Nordpazifik sind seit langer Zeit zwei riesige zirkulierende Abfallströme bekannt: Einer im westlichen Teil des Ozeans vor Japan, und einer im östlichen Teil, zwischen Hawaii und der kalifornischen Küste. In beiden sammeln sich Plastikreste, die von Schiffen oder auch von Land ins Meer geraten.
Young präparierte Laysan-Albatrosse (Phoebastria immutabilis) zweier pazifischer Brutkolonien mit sogenannten Geolokatoren: Diese winzigen Geräte speichern regelmäßig über eine lange Zeit die Position der Vögel.

Laysan-Albatrosse während des Paarungstanzes.

Laysan-Albatrosse während des Paarungstanzes.

Damit ermittelte Lindsay, dass Mitglieder der mehr als 2000 Kilometer voneinander entfernten Kolonien verschiedene Jagdgebiete absuchen: Beide Gruppen halten sich während der Zeit, in der die Eier ausgebrütet oder die jungen Küken bewacht werden müssen, im relativen Umkreis des Nests auf. Das kann bei Albatrossen durchaus ein Gebiet von tausenden Quadratkilomertern ein. Werden die Küken selbständiger – oder auch außerhalb der Fortpflanzungszeit – durchforschten die Alttiere der östlichen Kolonie auf dem Oahu-Atoll der Hawaii-Inseln fast den gesamten Nordpazifik. Die Albatrosse des sehr viel weiter westliche gelegenen Kure-Atolls dagegen konzentrierten sich auch in dieser Phase auf einen ausgedehnten Bereich des Westpazifik.

Zehnmal mehr Plastikmüll

iese unterschiedlichen Areale bedeuten eine unterschiedliche Zusammensetzung der Nahrung: In ausgewürgten Nahrungsresten der westlichen Kure-Kolonie fand sich im Verhältnis zu natürlichen Nahrungsresten zehnmal mehr Plastikmüll als in denen der östlichen Oahu-Kolonie. Der Grund: Die im Westen lebenden Albatrosse halten sich länger im Kernbereich des westlichen "Abfallstrudels" auf.

Die nach Kure zurückkehrenden Vögel schleppten unter anderem kleine Figuren, Angelschnur, Feuerzeuge, leuchtende Plastikköder und eine intakte Dose Gesichtslotion heran. Die jetzt untersuchten Vögel konnten dies wieder hervorwürgen, tausende andere Albatrosse sterben jedes Jahr mit verstopften oder zerstörten Verdauungsorganen, schreibt Young. Jedermann müsse sich darüber klar sein, dass ein ins Meer geworfener Flaschendeckel noch in tausenden Kilometern Entfernung Albatrosse töten könne.

Quelle: ntv.de

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