Wissen
"Xavier" fegte im Herbst über Deutschland.
"Xavier" fegte im Herbst über Deutschland.(Foto: picture alliance / Bernd Settnik)
Donnerstag, 28. Dezember 2017

So war das Wetter 2017: Mehr Überschwemmungen - stärkere Stürme

Das ablaufende Jahr wird wieder einmal außerhalb des langjährigen Mittels liegen und als zu warm in die Geschichte eingehen. Bei Sonne und Regen hingegen gibt es Punktlandungen. Und der Sommer? Kommt darauf an, wo Sie waren.

Das ablaufende Jahr wird wieder einmal außerhalb des langjährigen Mittels liegen und als zu warm in die Geschichte eingehen. Bei Sonne und Regen hingegen gibt es Punktlandungen. Und der Sommer? Kommt darauf an, wo Sie waren. Der n-tv Wetterexperte Björn Alexander zieht Bilanz.

Was waren die Besonderheiten oder Highlights im Jahr 2017 aus meteorologischer Sicht?

Besonders auffällig waren aus meiner Sicht die vielen Tiefdruckphasen, die uns nur wenig längere und stabile Hochdruckabschnitte brachten. Ein extrem wechselhaftes Jahr also, das besonders vom Harz bis herüber nach Berlin/Brandenburg im Sommer ja zum Teil für sintflutartigen Regen mit entsprechenden Überflutungen sorgte. Und wenn wir schon bei den heimischen Extremen sind, dann sollte auch der enorm kalte Jahresstart nicht fehlen. Denn vor allem im Süden verlief der Januar zum Teil fast vier Grad zu kalt. Deutschlandweit betrachtet war der Januar damit knapp zwei Grad kälter als der langjährige Durchschnitt.  

Welcher Monat war denn im Vergleich am wärmsten?

Auf der anderen Seite der Temperaturabweichungen findet sich auf Platz 1 der März 2017. Der ging am Ende nämlich mit einer positiven Abweichung von fast vier Grad ins Ziel. Und da auch die übrigen Monate (bis auf den ebenfalls zu kalten September) zu warm waren, ist auch das Gesamtjahr knapp 1,5 Grad wärmer als der langjährige Mittelwert. In Sachen Sonne und Regen liegt das Jahr mit etwas über 100 Prozent ziemlich genau im Sollbereich.

Wie ist der "langjährige Mittelwert" definiert?

Langjährig bedeutet in der Klimatologie über einen Zeitraum von 30 Jahren. Dabei wird - nach der Empfehlung der WMO (Weltorganisation für Meteorologie) - üblicherweise der Mittelwert von 1961 bis 1990 verwendet.

Ein kalter Januar, ein warmes Frühjahr und ein nasser Sommer. Welche Besonderheiten brachte uns der Herbst?

Einige Sturmtiefs, die teilweise auch sehr früh im Jahr über die belaubten Wälder fegten und entsprechende Schäden brachten. Beispielsweise "Sebastian", "Xavier" oder auch "Herwart".

Starke Stürme, Überflutungen im Sommer. Spüren wir den Klimawandel?

Der ist definitiv unaufhaltsam und es hat ihn natürlich immer schon gegeben. Vor allem aber die Geschwindigkeit und die Größenordnung des Wandels wird uns vor wachsende Probleme stellen. In Bezug auf die Stürme bedeutet die Zunahme der Temperatur in der Atmosphäre und in den Ozeanen, dass wir uns wahrscheinlich auf stärkere Ereignisse einstellen müssen. Aber: Ein Trend zu mehr Stürmen ist momentan noch nicht zu erkennen. In Bezug auf die Überflutungen kann man meines Erachtens hingegen schon einen Trend erkennen. Denn durch ein gehäuftes Auftreten von Tiefdruckgebieten über Mitteleuropa in den Sommermonaten haben wir in den vergangenen Jahren auffällig häufig schwere Überschwemmungsszenarien erlebt.

Welche weltweiten Ereignisse spielten eine größere Rolle?

Einmal natürlich das Jahr selber, das (mal wieder) als eines der wärmsten Jahre bisher in die Wettergeschichte eingeht. Gleichzeitig schien es zu Jahresbeginn so, dass es nach 2015/2016 neuerlich ein starkes El-Niño-Ereignis geben könnte. Auch wenn sich die Verhältnisse später wieder normalisierten, war das durchaus beunruhigend. Denn normal wären Zyklen von 3 bis 7 Jahren.

Was passiert bei einem El Niño eigentlich genau?

n-tv Meteorologe Björn Alexander blickt auf das Jahr zurück.
n-tv Meteorologe Björn Alexander blickt auf das Jahr zurück.

Es handelt sich um ein gekoppeltes Zirkulationsystem zwischen tropischen Pazifik und der Atmosphäre, bei dem das Oberflächenwasser vor der Westküste Südamerikas außergewöhnlich warm wird. Das hat globale Auswirkungen. Beispielsweise verändert sich die Verteilung von Regen und Trockenheit in Teilen von Südamerika, Australien und Ozeanien, in Südostasien und selbst in Afrika. Dementsprechend gibt es natürlich auch Auswirkungen auf Flora und Fauna. Die Arktis bekommt relativ milde Temperaturen und die Anzahl und Intensität von Wirbelstürmen ändert sich

Apropos Wirbelstürme. Auch da hat es in diesem Jahr ja einige gegeben, oder?

Für den Atlantik war es definitiv eine sehr aktive Sturmsaison. Sie begann nämlich sehr früh - bereits im April. Normal wäre Juni. Insgesamt gab es 17 Stürme, davon 10 Hurrikane. Von diesen erreichten 6 Stürme mindestens die Hurrikankategorie 3 von 5 möglichen. Solche Major-Hurrikane bildeten sich bevorzugt im August und September.  

Welches waren die auffälligsten?

Hurrikan "Harvey", der im Bereich Houston/Texas bis zu 1300 Liter Regen pro Quadratmeter brachte. Das entspricht in etwa dem doppelten Jahresniederschlag von Köln. Dann Hurrikan "Irma", der sich binnen zwölf Stunden von einem Tropensturm mit Windgeschwindigkeiten von um die 110 km/h zu einem Hurrikan mit Windgeschwindigkeiten von fast 200 km/h extrem rasch verstärkte. Im Oktober folgte dann noch Hurrikan "Ophelia". Dieser bildete so weit nordöstlich über dem Atlantik, dass er nicht - wie es die Regel ist - mit den Passaten Richtung Amerika geführt wird, sondern direkt nach Europa. Mitte Oktober erreichte der Sturm mit Böen bis 200 km/h als einer der schwersten der letzten Jahrzehnte die irische Küste. Gleichzeitig führte er Saharaluft bis nach Deutschland und sorgte bei uns zum Teil für neue Temperaturrekorde.

Quelle: n-tv.de