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Gegen Schmerzen mit Marihuana-Effekt Mittel wirkt außerhalb des Hirns

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(Foto: picture alliance / dpa)

Forschern gelingt es, ein Schmerzmittel mit einem Marihuana-Wirkmechanismus zu entwickeln, das gleichzeitig kein Abhängigkeitspotenzial in sich birgt, weil es nur ganz kurz im Gehirn bleibt. URB 937 befindet sich jedoch noch in der Testphase.

Ein experimentelles Schmerzmittel soll ähnlich wie Marihuana Schmerzen lindern, ohne dabei Drogen- und Alkoholmissbrauch zu fördern wie vergleichbare Mittel. Das Molekül URB937, das US-Forscher im Journal "Nature Neuroscience” vorstellen, setzt dazu an denselben Cannabinoid-Rezeptoren (CB1) an, die auch die Wirkung des Rauschgifts vermitteln, wirkt aber nur außerhalb des Hirns.

Die CB1-Rezeptoren gehören zum körpereigenen Endocannabinoid-System und kommen sowohl im zentralen, als auch im peripheren Nervensystem vor. Wirkstoffe, die auf das Endocannbinoid-System zielen, bieten zwar meist Schmerzlinderung, passieren aber auch leicht die Blut-Hirn-Schranke und können im Hirn von anfälligen Patienten das Risiko von Alkohol- oder Drogenmissbrauch erhöhen.

Der experimentelle Wirkstoff des Teams um Daniele Piomelli von der Universität von Kalifornien in Irvine aktiviert die CB1-Rezeptoren aber nur außerhalb des Hirns und des Rückenmarks, wie die Forscher berichten. URB937 blockiert dazu ein Enzym, das für den Abbau von Anandamid zuständig ist, einem körpereigenen Endocannbinoid. Bei Versuchen mit Ratten stiegen durch das Mittel der Anandamid-Spiegel und damit die CB1-Aktivierung, so dass verschiedene Arten von Schmerzen gelindert wurden.

Rauswurf aus dem Hirn

Zwar durchdrang auch URB937 die Blut-Hirn-Schranke, wurde dort aber schnell erkannt und von einem speziellen Transporter-Molekül wieder aus dem Hirn hinausgeworfen. Entsprechend änderte sich bei den Ratten der Anandamid-Spiegel im Hirn nicht, und die Forscher gehen daher davon aus, dass die unerwünschten Nebeneffekte unwahrscheinlich sind. Da sich der Wirkmechanismus von URB937 von allen existierenden Schmerzmitteln unterscheide, könnten das Mittel oder seine Abkömmlinge in Zukunft einmal die Schmerztherapie ergänzen – sofern es sich beim Menschen bewährt.

Quelle: n-tv.de, dpa

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