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Seit Jahrzehnten suchen Wissenschaftler nach einer Substanz, mit der Alzheimer erfolgreich behandelt werden kann.
Seit Jahrzehnten suchen Wissenschaftler nach einer Substanz, mit der Alzheimer erfolgreich behandelt werden kann.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 09. Dezember 2015

Hirnleistung von Mäusen verbessert: Neuer Wirkstoff beseitigt Alzheimer-Plaques

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 120.000 Alzheimer-Erkrankungen diagnostiziert. Experten rechnen bis 2050 mit einem Anstieg der Betroffenenzahlen um 100 Prozent. Ein neu entdecktes Molekül lässt Hoffnung im Kampf gegen die Krankheit aufkeimen.

Ein neu entdecktes Molekül kann offenbar die krankheitsverursachenden Ablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten beseitigen. Diese Eiweißfragmente, Plaques genannt, stören die Reizübertragung zwischen Hirnzellen. In der Folge werden diese Zellen funktionsuntüchtig und sterben ab. Südkoreanischen Wissenschaftlern gelang es jetzt, die Gedächtnisleistung bei erkrankten Mäusen mit Hilfe des Moleküls EPPS deutlich zu verbessern.

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Insbesondere im frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung lagern sich im Gehirn Eiweißfragmente ab, sogenannte Amyloid-Peptide. Viele Substanzen, die zur Behandlung der degenerativen Erkrankung erforscht und verwendet werden, konzentrieren sich darauf, die Entstehung dieser Plaques zu verhindern. Darüber hinaus kann das Molekül EPPS bereits vorhandene Ablagerungen beseitigen, wie das Team um Youngsoo Kim vom Korea Institute of Science and Technology (KIST) in Seoul im Fachjournal "Nature Communications" berichtet.

Erfolgreiche Tests an Mäusen

Zunächst testeten die Wissenschaftler EPPS im Reagenzglas, wo die Substanz die Plaques größtenteils auflöste. Anschließend untersuchten sie Mäuse, deren Gehirn Ablagerungen enthielt, die denen von Alzheimer-Patienten ähneln. EPPS verhinderte in den Versuchen die Entstehung neuer Plaques und beseitigte auch bereits bestehende Ablagerungen. Daraufhin besserte sich die geistige Leistungsfähigkeit der Tiere merklich.

Eine Schwäche sieht der Neuropathologe Armin Giese von der Universität München, der an der Arbeit nicht beteiligt war, allerdings bei der Studie: "In den Versuchen wurden deutlich höhere EPPS-Konzentrationen im Reagenzglas verwendet, als schlussendlich im Gehirn der Mäuse gemessen wurden. Fraglich ist daher, ob der angenommene Wirkmechanismus der Substanz im Laborversuch auch auf die Anwendung im Tierversuch oder später beim Menschen übertragbar ist."

Alzheimer-Präparat könnte Milliarden einbringen

Eine Schwierigkeit bei der Suche nach Substanzen zur Bekämpfung der Krankheit sehen Alzheimer-Forscher im Fehlen von Biomarkern. Das sind Substanzen, anhand deren Veränderung der Erfolg oder Misserfolg von Therapien bewertet werden kann. So ist etwa Cholesterin ein Biomarker, um das Risiko für koronare Herzerkrankungen oder Schlaganfälle zu bewerten.

Seit Jahrzehnten suchen Wissenschaftler nach einer Substanz, die die Plaques im Gehirn beseitigen kann. Bisherige Therapien können den Erkrankungsverlauf geringfügig abmildern, aber nicht aufhalten. Mit der Entwicklung eines wirksamen Alzheimer-Präparates könnten Forscher und Pharmaindustrie Milliarden verdienen. Die erfolgreiche Entwicklung eines Medikaments dauert im Normalfall viele Jahre. Und nur die wenigsten Substanzen, die im Laborversuch vielversprechend aussehen, erweisen sich später als erfolgreich.

Derzeit sind in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen von einer Demenz betroffen, der größte Teil von ihnen leidet an Alzheimer. Bedingt durch die weiter steigende Lebenserwartung rechnet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft in Deutschland bis zum Jahr 2050 mit einer Verdopplung der Alzheimer-Patienten.

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Quelle: n-tv.de