Wissen

Schnapsleiche im Steinzeit-Stress Ötzi erzählt skurrile Geschichten

4a1f34e8a6319e5fb4952227faea030a.jpg

Der Mann aus dem Eis oder Onkel Enno? Auf jeden Fall ein Mensch mit vielen Geschichten.

(Foto: dpa)

Genau 25 Jahre ist es her, dass Wanderer eine Leiche in den Alpen finden. So kurios wie der Fund selbst geht es für den Mann aus dem Eis weiter: Er wird getauft, als Onkel erkannt und in Ü-Eier gesteckt. Ganz schön stressig.

Wer war Ötzi? Warum rannte er vor 5300 Jahren in den Ötztaler Alpen umher? Und wie kam er ums Leben? Der Mann aus dem Eis beschäftigt Wissenschaftler und Laien. Einige Kuriositäten aus den vergangenen 25 Jahren:

Ötzi als der verschollene Onkel Enno

e01287f6c65576b2cb0356c805b64316.jpg

Forscher fanden bei dem Mann aus dem Eis viele Krankheiten. Auch von Laktose-Intoleranz blieb er nicht verschont.

(Foto: dpa)

Kurz nach der Entdeckung Ötzis meldeten sich viele Laien mit allerlei bizarren Interpretationen, wer er sein könnte: Manche sahen in ihm eine ägyptische Mumie, die der Extrembergsteiger Reinhold Messner auf dem Berg abgelegt haben soll. Andere hielten den Mann aus dem Eis für einen Boten des Klimawandels, ein Opfer der Sintflut oder einen Auswanderer aus Babylon. Ein Parapsychologe erklärte, er habe mit "instrumenteller Transkommunikation" mit einer "vermittelnden Wesenheit aus dem Jenseits" Kontakt aufgenommen. Andere berichteten, sie seien eine Reinkarnation des Eismannes oder direkte Nachfahren. Wieder andere meldeten sich, weil sie in Ötzi verstorbene Verwandte wiedererkannt haben wollen. Ein Mann bestand zum Beispiel darauf, dass er in Ötzi anhand seiner Tätowierungen seinen Onkel Enno wiedererkannt habe. Die Schwämme, die an der Fundstelle entdeckt wurden, seien eindeutig dem "Hausrat der Tante Annelise zuzuordnen". Archiviert sind viele solcher Geschichten bei der Universität Innsbruck.

Wie Ötzi zu seinem Namen kam

Angelehnt an den Fundort heißt die Gletscherleiche entweder Mann vom Tisenjoch, Mumie vom Similaun, der Eismann oder Mann vom Similaun. Der offizielle Name lautet Mann aus dem Eis. Aber kein Name ist so schön wie "Ötzi". Es war der Wiener Reporter Karl Wendl, der 1991 den weltweit bekannten Spitznamen prägte. "Diese ausgetrocknete, grässlich anzusehende Leiche muss positiver, lieblicher werden, um daraus eine gute Story zu machen", befand er damals. Yeti und Ötztal wurden kombiniert: Ötzi.

Ötzi als Pizza

Das Geschäft mit Ötzi brummt seit seiner sensationellen Entdeckung. So gibt es Ötzi-Schnaps, Ötzi-Pizza und Ötzi-Gummibärchen, Ötzi-Briefbeschwerer, Ötzi-Mousepads und Ötzi-Schokolade. In Ferrero-Überraschungseiern waren plötzlich "Die Ötzis" zu finden. In Bozen gab es auch schon ein Ötzi-Musical namens "Frozen Fritz". Der Markenname Ötzi ist nicht geschützt. Gebühren für die Nutzung fallen somit nicht an. Ötzi hatte übrigens nicht nur Tattoos, sondern ist selbst eines: Brad Pitt hat sich die Figur eintätowieren lassen.

Ötzis Doppelgänger

Ötzi liegt in einer Eisgruft im Archäologischen Museum in Bozen. Dort wird er ständig mit Wasser besprüht, damit er nicht austrocknet. Um die optimale Konservierung zu garantieren, wurde das Verfahren an einer anderen Leiche ausprobiert: dem "Ötzi 3". Ein Mann hatte der Uni Innsbruck, wo auch Ötzi zunächst untersucht wurde, seinen Körper für die Forschung zur Verfügung gestellt. Er wurde daraufhin künstlich mumifiziert. 15 Jahre lang diente diese Körperspende als Versuchsobjekt. 2012 wurde die Leiche in Innsbruck in der Ehrengrabanlage der Anatomie beerdigt.

Ötzis zahlreiche Krankheiten

Ötzi plagten zahlreiche Krankheiten. Er hatte Flöhe und der Zustand seiner Fingernägel lässt auf Steinzeitstress schließen. Auch Karies und Parodontose stellten die Forscher fest. Ötzis schwarze Lunge deutet darauf hin, dass er sich ständig am offenen Feuer aufhielt. Die Wissenschaftler fanden zudem Hinweise auf "moderne Zivilisationskrankheiten". Ötzi blieb weder von Herz-Kreislaufproblemen noch von einer Laktose-Intoleranz verschont. Eine Untersuchung seines Darminhaltes belegt, dass ihn ein sogenannter Peitschenwurm plagte. In Ötzis Haaren wurden Hirschlausfliegen gefunden, und in seiner Kleidung zwei Menschenflöhe.

Quelle: n-tv.de, Anette Reuter, dpa

Mehr zum Thema