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Großer Fortschritt bei Therapie Querschnittsgelähmte können Knie beugen

Das Gehirn sendet die Signale zur Steuerung der Beine aus - bei Rückenmarksverletzungen kommen diese aber nicht mehr an, der Betroffene ist querschnittsgelähmt. Nun nutzen Forscher die elektrische Stimulation per Implantat - mit "bahnbrechendem" Erfolg.

Eine Therapie mit elektrischen Impulsen direkt in der Wirbelsäule hat einem Querschnittsgelähmtem wieder auf die Beine geholfen.

Die experimentelle Therapie mit elektrischen Impulsen direkt in der Wirbelsäule hatte einem querschnittsgelähmten US-Amerikaner in Tests schon im Jahr 2011 wieder auf die Beine geholfen.

Bei der Suche nach Therapien für Querschnittsgelähmte mit elektrischen Impulsen haben US-Forscher weitere Fortschritte erzielt. Querschnittsgelähmten Patienten gelang es dank von einem Implantat ausgesandten elektrisch en Signalen, ihre Knie zu beugen und Hüften und Zehen zu bewegen, wie es in einer in der britischen Fachzeitschrift "Brain" veröffentlichten Studie heißt. Laufen konnten die Patienten zwar nicht, wohl aber einen Teil ihres Körpergewichts selbst halten, was eine wichtige Vorstufe für das Laufen ist.

Bei der Methode sendet ein Implantat elektrische Signale an  Nervenbündel im Rückenmark im unteren Teil der Wirbelsäule der Patienten aus, um diese zu stimulieren. Damit werden die vom Gehirn ausgesandten Nervensignale ersetzt, die normalerweise die Bewegungen der Beine steuern, nach einer Rückenmarksverletzung aber nicht mehr ankommen. Bereits vor drei Jahren war die Technologie an einem US-Patienten getestet worden. Anschließend wurden Versuche mit drei weiteren Patienten vorgenommen, die alle nach Verkehrsunfällen querschnittsgelähmt waren.

Rückenmark hat großes Erholungspotenzial

"Es ist bahnbrechend für das gesamte (Forschungs-)Feld und eröffnet neue Perspektiven, dass das Rückenmark auch nach einer schweren Verletzung ein großes Potenzial für eine funktionale Erholung hat", erklärte Studienautorin Claudia Angeli vom Zentrum für Rückenmarksverletzungen der Universität Louisville im US-Bundesstaat Kentucky.

Die Wissenschaftlerin Susan Harkema, die an der ersten Studie vor drei Jahren beteiligt war, sprach von einer "grundlegend neuen Interventionsstrategie", die bewusste Bewegungen von Patienten auch Jahre nach einem Unfall ermöglichen könne. "Damit wird die Überzeugung infrage gestellt, dass es keine Genesung gibt und dass eine vollständige Querschnittslähmung dauerhaft ist."

In der Forschung lag der Schwerpunkt bislang darauf zu versuchen, die unterbrochenen Nervenbahnen bei Querschnittsgelähmten durch Operationen wieder zu reparieren oder etwa über Stammzellen neue Nervenzellen zu züchten.

Quelle: n-tv.de, abe/AFP

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